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Artikel | saldo 12/2008

Ungenügende Information für die Konsumenten

Die Grossverteiler haben versprochen, besser über Produkte mit Nanotechnologie zu informieren. saldo-Recherechen zeigen: Geschehen ist bisher wenig.



Viele Waren enthalten neuerdings winzige Teilchen, sogenannte Nanopartikel (siehe unten). Die Wirkungen auf den Menschen sind noch nicht erforscht.

«Das Problem ist, dass viele Stoffe in Nanogrösse andere Eigenschaften haben können. Das wird von den Behörden aber nicht geprüft», sagt Wilfried Kühling, Nanotechnologie-Experte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Wegen ihrer minimalen Grösse könne die Aufnahme künstlicher Nanomaterialien im Körper ganz anders ablaufen. Das Problem: Konsumenten wissen nicht, welche Produkte umstrittene Nanopartikel enthalten. Handel oder Hersteller deklarieren dies nicht. Kritische Experten sehen darin eine Gesetzeslücke.

Hinweise auf Risiken gibt es aber durchaus. So stellten Forscher der schottischen Universität Edinburgh fest, dass Nanoröhrchen, die in die Bauchhöhle von Mäusen gespritzt wurden, die gleichen Entzündungen verursachten wie der krebsauslösende Werkstoff Asbest.

Migros, Coop, Denner, Manor und Charles Vögele haben sich im Frühjahr verpflichtet, «die Konsumenten offen über Produkte mit Nanotechnologie zu informieren». Seitdem ist wenig passiert, wie saldo-Recherchen zeigen.

Beispiel Beiersdorf. Die Firma bekennt sich auf Anfrage dazu, «Nanotechnologie zur Entwicklung innovativer Kosmetikprodukte» zu nutzen. Ihre Sonnenschutzcremes enthalten meist die Nanopartikel Titandioxid, die als UV-Filter wirken.


Beiersdorf deklariert Nano nicht

Wer jedoch in einem Schweizer Laden ein solches Sonnenschutzmittel kauft, erfährt davon nichts. Beiersdorf deklariert grundsätzlich keine Nanomaterialien. Auch Coop, Migros oder Manor, die Beiersdorf-Produkte führen, weisen nicht auf die darin enthaltenen umstrittenen Nanostoffe hin. Auf saldo-Anfrage schieben sie die Verantwortung den Lieferanten zu: Diese sollten Kunden offen über den Einsatz der Nanotechnologie informieren.

saldo hat bei Beiersdorf Schweiz nachgefragt, welche konkreten Produkte Nanopartikel enthalten. Antwort: «Wir können keine weiterführenden Aussagen machen.»

Das ist kein Einzelfall. Synthetische Nanomaterialien sind in vielen weiteren Markenartikeln enthalten: Manor verkauft etwa das Sonnenschutzmittel Daylong Microsun der Spirig Pharma AG aus Egerkingen SO, das Zink- und Titanoxid enthält; Nano steckt in Jovial-Sonnenschutzprodukten bei Denner. Migros führt Kärcher Stein- und Fassadenpflege sowie Holzpflege – Nano inklusive.

Die Grossverteiler erklären, immerhin bei Eigenmarken mehr Transparenz schaffen zu wollen. Aber selbst dort hapert es damit. Zwar tragen einige Migros-Artikel das Signalwort Nano im Namen. Der Grossverteiler führt jedoch auch nanohaltige Sonnenschutzmittel aus eigener Produktion, ohne jeden Nano-Hinweis für etwaige Käufer: So etwa Sun-Look-Produkte wie Sport Sun Mousse und Care Tan Protector.


Charles Vögele: Nanopartikel klar deklariert

Mit einem Extra-Etikett macht Charles Vögele auf den Einsatz von Nanotechnologie aufmerksam: Die Modekette hat vier Hosen mit schmutzabweisenden Nanopartikeln im Sortiment, auf jeder prangt das Sonderetikett Nanotechnologie.

Auch Coop kennzeichnet Eigenprodukte mit «Nano» im Artikelnamen. Auf Anfrage nennt der Detaillist 30 Produkte. Zugleich räumt Coop laut Sprecher Karl Weisskopf ein, «noch über keine abschliessende Übersicht all seiner Nanoprodukte zu verfügen».


Nanopartikel in Kosmetika und Putzmitteln

Nanoteilchen sind künstliche Partikel, die kleiner sind als 100 Nanometer, ein Milliardstel Meter. Sie sollen, so die Hersteller, den Produkten einen Zusatznutzen verleihen: Sporthemden stinken dank Silberpartikeln nach dem Tragen nicht mehr. Winzige Noppen auf den Badezimmerkacheln lassen Schmutz abperlen. Zum Einsatz kommt Nanotechnologie bisher vor allem bei Kosmetikartikeln wie Sonnencremes, bei Reinigungs- und Imprägniermitteln.

23. Juni 2008 | Eric Breitinger


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