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Die Schweiz hat Nonylphenol verboten. Doch über ausländische Textilien gelangt das Hormongift noch immer in Schweizer Haushalte. Eine Stichprobe zeigt: Es steckt in zwei Strandtüchern von SportXX Migros und Globus.
Textilfabriken verwenden Nonylphenol beim Waschen und Entfetten von Fasern. Doch die Chemikalie wirkt wie weibliche Hormone: Männchen werden verweiblicht oder zu Zwittern und können sich nicht mehr fortpflanzen. Das haben Forscher bei Wassertieren beobachtet. Sie vermuten, dass Nonylphenol auch für Menschen riskant ist. In der Schweiz und in der EU dürfen Produzenten die Chemikalie deshalb nicht mehr verwenden.
Trotzdem gelangt Nonylphenol noch immer in Schweizer Haushalte: mit Textilien, die in Ländern ausserhalb Europas hergestellt werden. Denn das Importieren belasteter Produkte ist nach wie vor erlaubt.
Der Gesundheitstipp liess 15 Strandtücher auf das Hormongift testen und auf dessen Ausgangsprodukte – die Nonylphenol-Ethoxylate. Das Resultat: Zwei Tücher enthielten den bedenklichen Stoff. Das En-vogue-Tuch von Globus war mit rund 20–30 Milligramm pro Kilo Tuch belastet (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Hergestellt wurde es in Brasilien. Im chinesischen Badetuch Speedo von SportXX fand das Labor gar 95 Milligramm der Substanz.
Fachleute kritisieren, dass Nonylphenol noch immer in Textilien zu finden ist. So der Zürcher Professor Walter Lichtensteiger, Experte für hormonaktive Stoffe: «Wenn man das Badetuch wäscht, gelangt der schwer abbaubare Stoff ins Wasser. Dort belastet er die Umwelt und wird über das Trinkwasser und die Nahrung auch vom Menschen aufgenommen.» Der direkte Hautkontakt sei hingegen weniger problematisch, sagt Lichtensteiger.
T-Shirts aus China und der Türkei können belastet sein
Die Hersteller der Strandtücher berufen sich darauf, dass die Nonylphenol-Werte nicht gegen das Gesetz verstossen. Globus will aber trotzdem seinen Lieferanten anweisen, der Sache nachzugehen und die Chemikalie aus den Tüchern zu eliminieren.
SportXX Migros erklärt, sie sei sich «der Problematik bewusst» und habe deshalb viele Textilien mit dem Eco-Label im Angebot. Diese enthielten kein Nonylphenol. Ihr britischer Lieferant Speedo wolle sich aber dem Thema annehmen. Er habe erst vor kurzem von der Nonylphenol-Problematik erfahren, behauptet dieser.
Nicht nur Strandtücher, auch andere Textilien können die Substanz enthalten. Die schwedische Gesellschaft für Naturschutz fand das Hormongift auch in Handtüchern und T-Shirts. Betroffen waren vor allem Produkte aus China und der Türkei.
30. Juni 2008 | Sonja Marti
