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Artikel | K-Tipp 16/2008

«Nichts kaufen, das lohnt sich»

Die 84-jährige Rentnerin Lena Schwendeler nimmt seit Jahren an Gewinnveranstaltungen teil. Sie kauft nichts und unterschreibt keine Verträge. Aber sie geniesst das gratis servierte Mittagessen.

Viele Haushalte in der ganzen Schweiz haben in den letzten Wochen «Gewinnbriefe» einer «Buchungszentrale Emmetten» erhalten. Dahinter steckt die Firma HSE mit Sitz in Emmetten NW.

Der Preis: eine Espresso-Kaffeemaschine im Wert von angeblich Fr. 949.–. Zur Preisübergabe bitten die Veranstalter in ein Restaurant. Dabei soll ein Gratisessen serviert werden.

Die meisten Leute werfen solche Lockangebote in den Papierkorb. Nicht so K-Tipp-Leserin Lena Schwendeler: Sie nimmt regelmässig an solchen Veranstaltungen teil. «Ich will nichts kaufen, sondern von einem günstigen Mittagessen und Geschenken profitieren. Zudem ist das Ganze für mich als Rentnerin eine Abwechslung», erklärt die 84-Jährige.


Ein «Klaus» redet Rentern ins Gewissen
Eine Verkaufsveranstaltung als Zeitvertreib? Im Säli des Restaurants Ochsen in Niederurnen konnte sich der K-Tipp davon überzeugen. Dort redet der smarte deutsche Verkäufer «Klaus» von der Firma HSE auf Lena Schwendeler und etwa 20 Rentnerinnen und Rentner ein: «Die Gesundheit ist kein Kapital, von dem man ewig abbuchen kann, oder?» Niemand antwortet. Klaus doppelt lauter nach: «Oder?!» Schwendeler und ein paar andere murmeln «nein», der Rest schweigt.

Rückenschmerzen, Wadenkrämpfe oder Schlafstörungen heilen könne er nicht, gibt Klaus treuherzig zu. Er beteuert aber, Linderung zu verschaffen. Zum Beispiel mit einer Matratze. Deren Magnete im Inneren würden wahre Wunder wirken. Obwohl der Preis von ursprünglich 4000 auf «weit unter 2000 Franken» fällt, zeigen sich keine Kaufinteressenten.  Klaus gerät in Rage: Wer nicht bereit sei, in seine Gesundheit zu investieren, werde die Rechnung irgendwann vorgesetzt bekommen.

Zwei Stunden redet der Deutsche den Rentnern ins Gewissen und lockt mit «tollen Rabatten». Bis zum Schluss wird er nur ein mit Magneten bestücktes Sitzkissen für Fr. 199.– los. Entnervt packt er zusammen und lässt seine Assistentin die versprochenen Preise verteilen.

Und siehe da: Alle bekommen den versprochenen Preis. Allerdings nicht eine Espresso-Kaffeemaschine, sondern eine simple Filtermaschine, die es im Internet für 14 Euro gibt. Zudem hat sie einen Stecker, der nicht an Schweizer Steckdosen passt. Schliesslich habe der beigelegte Gutschein für eine Reise in die Türkei einen Wert von 949 Franken, meint die Assistentin. Der K-Tipp weiss: Wer die Reise antritt, bezahlt kräftig drauf.


«Die angebotene Ware ist überteuert»

Lena Schwendeler ist zufrieden: «Das Mittagessen schmeckte sehr gut.» In den letzten zehn Jahren hat sie an Dutzenden Verkaufsveranstaltungen und Werbefahrten teilgenommen. Sie weiss aus Erfahrung: «Die angebotene Ware ist überteuert, und die Geschenke sind zu 90 Prozent unbrauchbar.» Trotzdem will sie weiterhin dabei sein.
Ihr Motto: «Nichts unterschreiben und nichts kaufen – dann lohnt sich das Ganze auch.»

 

Augen auf an Verkaufsveranstaltungen

Vorsicht vor Gewinnversprechungen im Briefkasten: Mit diesen locken Firmen wie derzeit HSE Emmetten und «Win4you» an Verkaufsveranstaltungen und Werbefahrten. Dort versuchen Verkäufer den Anwesenden überteuerte Ware aller Art anzudrehen. Der K-Tipp warnt seit Jahren vor solchen Machenschaften und den dubiosen Firmen, die dahinterstecken.

Bei Geschenken und vermeintlichen Gratisferien müssen meist im Voraus hohe Gebühren bezahlt werden. Oft versuchen Veranstalter mit solchen Offerten, abgelegene Hotels ausserhalb der Hauptsaison zu füllen. Die versprochenen Ausflüge entpuppen sich oft als Verkaufsveranstaltungen, bei denen man Ihnen Ramsch andrehen will.

30. September 2008 | Darko Cetojevic


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