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Artikel | saldo 16/2008

CD-/DVD-Tipps: Ein Grad Celsius und seine Folgen

Sechs Grad bis zur Klimakatastrophe? Eine Dokumentation veranschaulicht, welche weltweiten Folgen die Klimaerwärmung haben kann.

Weltweit soll die Durchschnittstemperatur in den nächsten Jahrzehnten wegen des Klimawandels um ein paar Grade steigen. Das klingt nicht dramatisch. Doch der Dokumentarfilm von National Geographic zeigt, welche Folgen der Anstieg von nur einem Grad Celsius haben kann: Vermehrte Hurrikans an den Atlantikküsten, Nahrungsmittel-Engpässe wegen Dürre oder das Abschmelzen des arktischen Eises.


Der Film ist keine Ansammlung komplexer wissenschaftlicher Informationen, sondern punktet dank Computersimulationen mit anschaulichen Bildern und Modellen. So zeigt er Schritt für Schritt, welche Folgen jedes zusätzliche Grad Erwärmung in den Weltregionen haben kann.


Weinbauklima in England, Trockenheitim Amazonasgebiet

Nicht überall sind sie negativ: Grossbritannien profitiert kurzfristig von der Erwärmung, da für den Weinanbau vorübergehend optimale klimatische Bedingungen herrschen. Gleichzeitig kämpfen Viehzüchter im Westen der USA mit ausgetrockneten Feldern. Wird das Klima um 2 Grad wärmer, übersäuern die Meere wegen des Kohlendioxids. Bei 3 Grad mehr sind die Alpen permanent schneefrei und das Amazonasgebiet verödet zur Steppenlandschaft. Die Prognosen bei einer Erwärmung um 5 oder 6 Grad rütteln besonders auf, sind allerdings spekulativ, wie die Filmemacher betonen: Ausgedehnte Wüstenregionen, Massensterben sowie Kriege um die letzten Ressourcen sind denkbare Folgen.

Die amerikanische Herkunft des Films ist offenkundig: Die meisten Einzelbeispiele stammen aus den USA, ausserdem sind die Szenen zeitweise unnötig dramatisch umgesetzt. Mit ihren packenden Bildern ist die Produktion dennoch eine sehenswerte Illustration des brisanten Themas.    


CD-tipps

Pop/Rock:Kreuzung aus Rock und Maschine
In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre bewegten sich Electronica und Rock aufeinander zu. Big Beats hiess der neue aufregende Musikstil, der Techno-Fans und Stromgitarrenanhänger gleichermassen faszinierte. Das englische Duo The Chemical Brothers, die Pioniere des Genres, ist bis heute zusammen. Auf ihrem Best-of-Album «Brotherhood»  zeigen sie die Bandbreite ihres Könnens: Druckvolle Rockriffs, psychedelische Hippieklänge, schräges Computergefiepse und arabische Volksmusik sind mit tanzbaren Rhythmen unterlegt. Mal handelt es sich bei den Tracks um Soundcollagen, mal um richtige Songs. Stets bleiben die zwei DJs aber unberechenbar und voller Rafinesse. Die gelungene Kreuzung aus Rock und Maschine.

The Chemical Brothers, «Brotherhood», EMI


Klassik: Elastisch im Ton
Mit seiner «Symphonie Fantastique» stellte Héctor Berlioz 1830 – erst 27-jährig – die symphonische Musik auf den Kopf. Statt der musikalischen Konstruktion setzte er neu die Kunst des Instrumentierens an oberste Stelle. Möglichst bunt und schillernd sollte es aus dem Orchester tönen. Die Einspielung des Werks durch den Dirigenten Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker erfüllt diesen Anspruch trefflich. Rattle legt sein Augenmerk auf einen gerundeten, transparenten Orchesterklang. Als Resultat ergibt sich eine oberflächlich wenig aufregende, aber in hohem Masse auf instrumentale Vielfalt bedachte Aufnahme.  

Berlioz, «Symphonie Fantastique/La Mort de Cléopâtre», Berliner Philharmoniker/Simon Rattle, Susan Graham, EMI Classics


Jazz: Deutscher Expressionismus
John Schröder ist ein Tausendsassa. Er brillierte bereits als Gitarrist und Schlagzeuger. Jetzt legt er eine fulminante CD vor. Damit beweist Schröder, dass er auch als Pianist und Komponist zur tollkühnen Kreativabteilung der Berliner Szene gehört. Die Besetzung seines Quartetts, zu dem Christian Weidner (Altsax), Oliver Potratz (Bass) und Oliver Steidle (Schlagzeug) gehören, ist zwar konventionell. Doch die Musik ist alles andere: Fabulöse Verschlingungen von formaler Komplexität und freier Expressivität sind nicht alle Tage zu hören. Diese Musik ist zum grössten Teil dicht und turbulent, aber trotzdem kaum je hektisch oder zerfahren. Action mit Tiefgang.    

John Schröder, «Sir Lemuel’s Dance», Pirouet

 

06. Oktober 2008 | mmn, thl, trü, tom


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