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Artikel | Gesundheits-Tipp 10/2008

Je leichter der Thek, umso besser

Eine neue Studie will beweisen, dass Kinder problemlos schwere Theks schleppen können. Schweizer Fachleute bezweifeln die Aussagekraft der Studie.

Zehn Kilo – das könne man problemlos in den Thek eines Drittklässlers packen, behaupten Forscher der Uniklinik des Saarlandes in Homburg (D).

In einer Studie liessen sie sechzig Primarschüler mit vollgepacktem Thek einen 15-Minuten-Parcours absolvieren. Danach massen die Forscher, wie stark die Rumpfmuskeln der Kinder beansprucht wurden. Fazit: Die Kinder würden die Muskeln erst dann «nennenswert» anstrengen, wenn der Thek einen Drittel ihres Körpergewichts wiege. Und: Die Forscher halten schwere Theks sogar für ein gutes Fitnesstraining für faule Fernseh-Kids.

Doch jetzt kommt die Studie bei Fachleuten unter Beschuss. Bernhard Lohri, Chiropraktor in Zürich, hält die Aussagekraft der Studie für begrenzt. «Es gibt bisher keine vergleichbaren Studien, die die Resultate bestätigen.» Zudem widerspiegle die Studie nicht den normalen Schulalltag. Ein Kind mache den Schulweg mit dem Thek zum Beispiel mehrmals pro Tag und dieser dauere manchmal länger als eine Viertelstunde.


Nicht schwerer als ein Achtel des Körpergewichts

Das bestätigt Silke Schmitt Oggier, stellvertretende Leiterin des Schulärztlichen Dienstes der Stadt Zürich: «Die Studie beweist bloss, dass die Kinder in einer Akutsituation keine besondere Muskelkraft aufbringen mussten.» Im Alltag trage das Kind den Thek aber oft nicht so «aktiv gespannt» wie auf einem interessanten Parcours.

Silke Schmitt Oggier bleibt deshalb bei der bewährten Empfehlung: «Ein Thek soll möglichst wenig, höchstens aber einen Achtel des Körpergewichts wiegen.» Bei einem durchschnittlich schweren Drittklässler von 30 Kilogramm sind das also maximal viereinhalb Kilo.


Ein zu schwerer Schulthek kann die Atmung behindern

Zu schwere Schultheks belasten Wirbelsäule und Schultern des Kindes und sind einer der Risikofaktoren für Rückenweh. Laut den Experten der deutschen Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung drückt ein schwerer Schulthek das Kind so zusammen, dass es nicht mehr richtig atmen kann. Das passiere bereits, wenn der Thek einen Fünftel des Körpergewichts wiege.

«Besonders problematisch ist ein schwerer Thek für Kinder mit Haltungsschäden», sagt Chiropraktor Lohri. Solche gebe es immer mehr. Wenn das Kind über Rückenschmerzen klagt, solle man es deshalb von einem Spezialisten untersuchen lassen.

Viel Bewegung stärkt den Rücken des Kindes und beugt Schmerzen vor. Doch ein 10-Kilo-Thek sei keineswegs das geeignete Fitnesstraining, sagt Silke Schmitt Oggier. Im Gegenteil: «Je leichter der Thek, desto aktiver ist das Kind auf dem Schulweg», ist die Schulärztin überzeugt.


So trägt Ihr Kind den Schulthek richtig

Um den Rücken des Kindes zu schützen, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Kaufen Sie einen leichten, aber stabilen Thek mit breiten Gurten und Rückenpolster. Das Kind sollte ihn immer über beide Schultern tragen. Umhängetaschen sind nicht geeignet.
  • Der Thek sollte nicht zu weit oben oder unten am Rücken hängen. Sonst trägt das Kind ihn schief, macht ein Hohlkreuz oder einen Buckel.
  • Überprüfen Sie das Gewicht des gefüllten Theks. Es sollte nicht mehr als einen Achtel des Körpergewichts betragen.
  • Viel Bewegung und Sport stärken die Rückenmuskeln. Das beugt Schmerzen und Haltungsschäden vor.

 

06. Oktober 2008 | Sonja Marti


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