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Nach wie vor gilt: Generali-Angebote für ältere Menschen sind sehr teuer – insbesondere wenn keine Gesundheitsprüfung stattfindet.
Der Werbebrief endete mit einem Ausrufezeichen. «Zögern Sie nicht – handeln Sie jetzt!», schrieb die Versicherungsgesellschaft Fortuna im Jahr 1998. Adressatin war Margrit Gerletti aus Thun BE – und sie handelte.
Die damals 66-jährige Gerletti unterschrieb den Antrag für einen «Senioren-Anlageplan mit kapitalen Vorzügen». Sie tat es auch deshalb, weil es unter PS hiess: «Ist es nicht schön, zu wissen, schon in 10 Jahren mehr von den Ersparnissen zu haben?»
Heute weiss es Gerletti besser. Sie zahlte Jahr für Jahr ein – insgesamt 56 603 Franken. Ausbezahlt wurden ihr zehn Jahre später nur 54 795 Franken. «Ein genialer Anlageplan», kommentiert Gerletti sarkastisch.
Auch der heute 72-jährige Hans Lehnherr aus Uttigen BE ist wütend. Er hat der Fortuna (heute Generali) 22 641 Franken anvertraut. Auch ihm hatte man «gute Renditeaussichten» vorgegaukelt. Zehn Jahre später erhielt er 21 081 Franken ausbezahlt. «Diese Leistung ist miserabel. Eine Minus-Rendite habe ich wirklich nicht erwartet», bilanziert er.
Der Hintergrund: Die beiden Sparer haben ihren Sparbatzen einer Versicherung anvertraut – und das ist im Grundsatz immer ein Fehler.
«Anlageplan» war eine Lebens-Versicherung
Die Minus-Rendite resultierte im Wesentlichen aus der Tatsache, dass der «Anlageplan» zwar nach einem reinen Geldinvestment klang, jedoch eine Lebensversicherung war. Damit war auch ein Todesfallkapital versichert: Wäre die versicherte Person innerhalb der zehnjährigen Vertragsdauer gestorben, hätten die Erben eine garantierte Summe bar ausbezahlt erhalten. In beiden Fällen wäre es exakt die Summe gewesen, die am Schluss effektiv ausbezahlt wurde.
Nur: Das Sterberisiko ist bei älteren Menschen naturgemäss grösser und versicherungstechnisch entsprechend teuer. Zumal die Fortuna auf eine Gesundheitsprüfung verzichtete. Die garantierte Todesfallsumme wäre also auch ausgezahlt worden, wenn der Kunde beispielsweise nach drei Jahren an einer Krankheit gestorben wäre, die bei Vertragsabschluss schon bestand. Das verteuert die Risikoversicherung enorm und geht auf Kosten des Sparteils.
Deswegen zog die Fortuna von den einbezahlten Prämien rund 20 Prozent für diese und andere Kosten ab. Es wurden also nur 80 Prozent des eingezahlten Prämiengeldes investiert.
Meist ist es für ältere Menschen sinnlos, ein solches Todesfallkapital zu versichern. Denn der überlebende Ehegatte erzielt mit AHV und Pensionskassen-rente meist ein ausreichendes Einkommen. Oft sind auch weitere Ersparnisse vorhanden.
Die Generali verkauft solche teuren Seniorenprodukte mit Versicherungsschutz munter weiter. Vom Produkt «Fokus90» heisst es beispielsweise unter dem Motto «finanziell sorgenfrei», das sei «eine sichere Vermögensanlage». Und das Geld gehe in Fonds – so wachse es «mit vielversprechenden Renditeaussichten».
Das Produkt «Privileg» bewirbt die Generali unter dem Motto «Ihr Geld vermehrt sich – sicher» und verspricht «attraktive Gewinnaussichten». Wie fraglich das angesichts der hohen Kosten ist, zeigt folgende aktuelle Offerte der Generali für Fokus90: Ein 50-Jähriger zahlt ab heute 15 Jahre lang jeden Monat 250 Franken ein. So kommt er auf ein Prämientotal von 45 000 Franken. Wie andere Produkte ist auch dieses Angebot fondsbasiert, das Geld wird also in ausgewählte Anlagefonds investiert.
In der Offerte sagt Generali, bei einer angenommenen Fondsrendite von 5 Prozent pro Jahr resultiere nach 15 Jahren ein Schlusstotal von 50 352 Franken. Das ist angesichts der hochtrabenden Versprechen eine äusserst bescheidene Rendite von nur 1,49 Prozent pro Jahr – und es verdeutlicht, wie gross der Anteil der Prämie ist, der für die Kosten weggeht. Bei einer angenommenen Fondsrendite von 3 Prozent resultiert gar ein Minus-Resultat.
Stirbt jemand zu früh, gibts nur die verzinste Prämie
Fazit: Die Generali-Produkte ohne Gesundheitsprüfung sind nur für Leute geeignet, die relativ sicher sind, dass sie in drei, vier oder fünf Jahren sterben und etwas für die Hinterbliebenen tun wollen. Aber wer kennt seinen Todeszeitpunkt schon so genau? Denn zu früh sterben geht auch nicht: Stirbt die versicherte Person innerhalb von zwei Jahren, erhalten die Hinterbliebenen nicht die garantierte Summe, sondern nur die einbezahlten und mit 10 Prozent verzinsten Prämien zurück.
18. Oktober 2008 | Ernst Meierhofer
