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Jährlich 18 bis 22 Prozent Rendite stellte U. S. einem Anleger in Aussicht. Bezahlt hat er bisher bloss 0,3 Prozent.
Eine Lebensversicherung ist in den USA frei handelbar. Wer sie nicht mehr braucht oder die Prämien nicht mehr aufbringt, kann sie nicht nur seiner Versicherungsgesellschaft zurückverkaufen, wie in der Schweiz üblich. Er kann sie auch dem Meistbietenden verhökern und löst so mehr als beim normalen Rückkauf.
Darauf haben sich gewisse Händler spezialisiert: Sie kaufen solche «Second Hand»-Policen auf, bündeln und verscherbeln sie an andere Anleger. Stirbt der ursprünglich Versicherte früher als erwartet, machen die Spekulanten einen satten Gewinn, lebt er länger, sinkt die Rendite auf die ursprüngliche Versicherungssumme. Nach Abzug aller Gebühren resultiert für die Anleger dann meist ein Verlust.
So zynisch das Geschäft mit dem Tod, so todsicher die Gewinnchancen. Das dachte wenigstens Markus Keller (Name geändert) aus Zürich. Schliesslich stellte ihm U. S. (Name der Redaktion bekannt), Alleingesellschafter und Geschäftsführer der Develop Management GmbH in Dietlikon ZH, einen Gewinn von sagenhaften 18 bis 22 Prozent jährlich in Aussicht, wenn Keller in solche Anlagen investiere. Keller kaufte vor einem guten Jahr für 65 000 Euro (gut 100 000 Franken) Anteile der Capital Secured Fonds II Ltd.
Da es sich um US-Policen und somit um Dollar-Anlagen handelt, werden die Policen über Fonds gebündelt und dann an der Devisenbörse Forex gegen Kursverluste abgesichert. Doch so richtig funktioniert hat das wohl nicht. Statt der Superrendite erhielt Keller im Januar 2008 bescheidene 0,3 Prozent. Grund: «Die Vielzahl der Feiertage» habe «die Handelstage stark eingeschränkt».
Im April vermeldete U. S. dann volle 13 Prozent Gewinn. Doch zu früh gefreut: Diesmal könne er «trotz hervorragender Rendite im 1. Quartal» gar nichts auszahlen, weil sich «aufgrund der massiven Dollarabwertung gegenüber dem Euro ein buchhalterisches Defizit» ergeben habe. Das identische Lied ertönte im Juli (Quartalsrendite angeblich 7,9 Prozent). Dieses Mal lieferte die Develop Management GmbH gar keine Begründung.
Und U. S. kann oder will keine Fragen beantworten. Er reagiert weder auf E-Mails noch auf Einschreibebriefe. Er liege im Krankenbett und sei nicht zu sprechen, lässt seine Assistentin ausrichten.
K-Geld rät Kleininvestoren von solchen «Second Hand»-Policen und ähnlichen Produkten ab.
18. Oktober 2008 | Fredy Hämmerli
