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Die Hygiene in Selbstbedienungssolarien lässt zu wünschen übrig. Bei einer Stichprobe fand saldo zum Teil hohe Bakterienmengen sowie Spuren von Schimmel.
Die Schweizerinnen und Schweizer verlängern ihre Herbstferien gern im Solarium. Laut Photomed, dem Fachverband der Sonnenstudios, legen sich rund 15 Prozent der Bevölkerung regelmässig unter die künstliche Sonne, am liebsten in einem der rund 400 Selbstbedienungssolarien. Diese haben im Gegensatz zu den 100 bedienten Lokalen fast rund um die Uhr geöffnet. Die Preise sind bescheiden, sie liegen zwischen 5 und 10 Franken für zehn Minuten Bestrahlung.
Gemäss der Hauttyptabelle der Krebsliga Schweiz bekommt der hellste Hauttyp ungeschützt bereits nach etwa zehn Minuten in der Sonne einen Sonnenbrand. Seinen Hauttyp ermitteln kann jeder im Internet unter www.hauttyp.ch.
Viele Studios werben mit einer tadellosen Hygiene. saldo wollte Genaueres wissen und prüfte die Ausrüstung und die Sauberkeit in zwölf Selbstbedienungssolarien. Die Kriterien: Hygienischer Gesamtzustand der Räumlichkeiten, greifbare Desinfektionsmittel und Sauberkeit der Liegeflächen.
Das Positive: In allen getesteten Studios waren ausreichend Desinfektionsmittel, Reinigungspapier und Schutzfolien vorhanden. Die Filterscheiben der Geräte waren intakt. Gesundheitsgefährdende Fäkalbakterien fanden sich auf keiner Liege. Acht Sonnenbänke waren fast keimfrei. In drei dieser acht Fälle fanden sich aber Schimmelpilze in geringer Anzahl.
Hygiene: Eine Liege des Sun-Star-Studios schnitt am schlechtesten ab
Erhöhte Bakterienzahlen stellte das Zürcher Labor Veritas in vier Solarien fest. Gesetzliche Grenzwerte für Solarien fehlen in der Schweiz. saldo orientierte sich deshalb am Massstab des deutschen ADAC. Dieser führt regelmässig Hygienetests auf Wickeltischen, WC-Türgriffen und WC-Brillen in Autobahnraststätten durch. 30 Kolonien bildende Keime (KBK) pro 25 Quadratzentimeter (cm2) Fläche betrachtet der ADAC als Hinweis auf mangelnde Hygiene.
Weit darüber liegen die von saldo auf einer Sonnenbank des Studios Sun Star in St.Gallen gefundenen Bakterienzahlen: mehr als 100 KBK auf 25 cm2. Auf einer Liege im Studio Mega Sun in Zürich waren es 48, im Zürcher Studio At the Beach 32 KBK. Mit einer Gesamtkeimzahl von 30 und geringem Schimmelpilzbefall ist auch die Liege des SB Solariums in Frauenfeld zu beanstanden. Dort fielen zudem der verschmutzte Boden des Empfangsraumes und die abgewetzten Wände negativ auf.
«30 Sekunden warten, damit das Desinfektionsmittel einwirken kann»
Peter Schmid von der Firma Sun Star AG sieht keinen Handlungsbedarf: Räumlichkeiten, Geräte und Liegeflächen würden zweimal täglich gereinigt und desinfiziert. «Vor und nach dem Sonnenbad sind unsere Kunden selbst für die Liegefläche verantwortlich», sagt er.
At the Beach in Zürich reinigt die Räumlichkeiten gemäss Beat Rusterholz einmal im Tag, zusätzlich gebe es einen Kontrollgang. Chantal Heller vom Zürcher Studio Mega Sun vertraut nicht auf die Selbstreinigung durch die Kunden: Mindestens 50 Prozent würden nach dem Sonnenbad die Liege nicht desinfizieren. Aus diesem Grund lasse sie ihre Studios zweimal im Tag komplett reinigen.
Den Kunden, die mehr Wert auf Sauberkeit legen, empfiehlt sie die Benutzung der bereitgestellten Abdeckungsfolie oder die gründliche Reinigung vor dem Sonnen. «Nach dem Besprühen der Liegefläche sollte man 30 Sekunden bis zur Reinigung mit Papier warten, damit das Desinfektionsmittel einwirken kann.»
SB Solarium spricht von Problemen mit Vandalismus
Petra Gutmann vom SB Solarium in Frauenfeld will die Testergebnisse mit ihrem Chef besprechen und Verbesserungen ins Auge fassen. Das Studio werde einmal im Tag gereinigt, an den Wochenenden häufiger. Gutmann weiss, dass die Räumlichkeiten nicht in einem Top-Zustand sind. «Wir hatten Vandalismus», sagt sie. Sie glaubt, dass der versteckte Standort ein Problem ist. In einem zweiten Studio an der Frauenfelder Bahnhofstrasse sei alles besser.
Untaugliche Werbung
Solarienbetreiber werben damit, dass die UV-Strahlung eine Synthese von Vitamin D in der Haut ermöglicht. Im Winter reiche die natürliche Sonnenstrahlung im Flachland nicht aus, um den Vitamin-D-Mangel zu decken. Dank der Solarien sei eine dosierte Besonnung möglich.
Der Fachverband der Solariumbranche, Photomed, hat unter dem Titel «Ohne Sonne kein Leben» eine Broschüre herausgegeben und zitiert über 50 Studien, die eine segensreiche Wirkung der UV-Strahlung belegen. So soll Vitamin D gegen Osteoporose helfen, entzündungshemmend wirken und sogar Tumore verhindern. Photomed-Pressesprecher Detlef H. Hubbert sagt: «Viele Mitbürger benötigen die Sonne daheim oder im Studio unbedingt als Überlebenshilfe, sehen sie das natürliche Sonnenlicht doch oftmals wochenlang nicht.» Zudem sei die Bergsonne im Januar und Februar zu aggressiv.
Experten des Universitätsspitals Zürich widersprechen: «UV-Strahlung ist nicht geeignet, um Vitamin-D-Defizite zu decken.» Reinhard Dummer, leitender Arzt der dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich, präzisiert: «Solarien arbeiten in der Regel mit UV-Strahlung, die nicht zur Vitamin-D-Bildung beiträgt. Sie erzeugt im Wesentlichen Hautalterung und Hautkrebs.»
Auch die Schweizer Krebsliga, die Weltgesundheitsorganisation und das Bundesamt für Gesundheit empfehlen den Solariumsbesuch wegen der krebserregenden Wirkung von UV-Strahlung nicht. Bei Mangelerscheinungen raten sie zur Vitamin-D-Einnahme über Nährstoffpräparate.
02. November 2008 | Andreas Schildknecht
