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Artikel | Haus & Garten 04/2008

Gehirnjogging für Hunde

Denkaufgaben und Geschicklichkeitsspiele: Fallen im Winter die täglichen Spaziergänge etwas kürzer aus, bieten Spiele im Haus eine ideale Abwechslung für Hunde.

Warik ist ein passionierter Spieler: Voller Eifer stösst der irische Schäferhund mit seiner Schnauze eine mit Löchern versehene Kartonröhre vor sich her. Statt Chips enthält die Packung Hundeguetsli, die in regelmässigen Abständen auf den Boden rieseln, während sich die Rolle dreht. Warik freuts, und Martin Sailer lobt seinen Vierbeiner. Der Halter von zwei Hunden entwickelt und vertreibt Hundespiele aus Holz. Zudem bietet er Kurse in der ganzen Schweiz an.

Nun machen sich auch die anderen vierbeinigen Teilnehmer von Sailers Kurs «Sinnvolle Beschäftigungsspiele für den Hund» ans Werk. Sie sind äusserst konzentriert, während sie Guetslibomben zerpflücken, in mit Korken gefüllten Kisten nach Happen wühlen und in Schachteln kriechen, um den Leckerbissen zu erreichen.  Spielen sei mehr als nur Stöcke oder Bälle zu werfen. Sailer: «Spannender sind Denkspiele, die den Hund nicht nur körperlich ermüden, sondern eben auch geistig fordern.»


Animiert zum Spielen: Buddelkiste mit Korkzapfen

Die sogenannte Nasenarbeit fordert dem Vierbeiner viel
Energie ab: So benötigt ein Hund während einer zehnminütigen Suche nach Leckerli ebenso viel Power wie während eines einstündigen Spaziergangs. «Gerade für ältere Hunde, die sich nicht mehr so gut bewegen können, sind Denkaufgaben und Suchspiele eine ideale Beschäftigung», sagt Martin Sailer. Meist könne man den Hund mit ganz alltäglichen Gegenständen animieren. Hier einige Ideen:

  • Buddelkisten: Eine grosse, flache Kiste mit Korkzapfen oder zerknüllten Zeitungen füllen und das Futter darin verstecken.
  • Guetslibomben: WC- oder Haushaltspapierrollen mit Leckerli füllen, die Öffnungen mit Malerklebeband verschliessen.
  • Handtuchübungen: In alten, zusammengerollten Handtüchern oder Jeans Leckerbissen verstecken.
  • Versteckspiel: Futter in Schachteln aller Art geben, diese verschliessen und ineinander stapeln.


Im Spiel lassen sich auch das Selbstvertrauen des Hundes stärken und sein Reaktionsvermögen verbessern. Der tägliche Spaziergang allein genügt nicht. «Erwachsene Tiere setzen das Spielen unter anderem als Strategie zum Austragen von Konflikten ein und bauen somit Stress ab», sagt Andrea Klein, Hundeinstruktorin und Übungsleiterin im Kynologischen Verein A–Z Basel und Umgebung.


Das Tier niemals zum Spielen zwingen

Beim Spielen mit dem Vierbeiner ist auch der Halter gefordert, denn sinnvolle Spiele brauchen Zeit, Geduld und Fantasie. Wichtig ist, den Hund beim Lösen einer Denkaufgabe nicht unter Druck zu setzen und ihm keine Befehle zu erteilen. «Vielmehr sollte man das Tier mit viel Lob und Geduld unterstützen und ihm Lösungswege ansatzweise aufzeigen», rät Klein.  Häufig seien die Erwartungen zu hoch, der Hund ist überfordert und gibt auf.

Zu Beginn sollte das Spiel nicht allzu kompliziert sein. Folgende Regeln sollte man im Spiel mit dem Hund beachten:

  • Leiten Sie das Spiel immer auf die gleiche Weise ein. Ihr Hund muss deutlich erkennen, wann gespielt und wann geübt wird. Sprechen Sie deshalb beim Spielen locker und freudig, bei Unterordnungsübungen freundlich, aber streng.
  • Zwingen Sie das Tier nie zum Spielen. Sonst verknüpft es negative Erfahrungen damit.
  • Machen Sie nicht immer mit, wenn Ihr Hund Sie zum Spielen auffordert. Sonst ziehen Sie einen Tyrannen heran.
  • Lassen Sie nicht zu, dass er gelernte Benimmregeln ausser Acht lässt. Er darf z. B. nie scherzhaft nach Ihnen schnappen.
  • Beenden Sie das Spiel immer dann, wenn es dem Hund am meisten Spass macht. Wenn er von sich aus aufhört, ist es ihm langweilig geworden.


Unterhaltung für die Katz

Nicht nur Hunde, auch Katzen sind wahre Spielernaturen. Sehr wichtig ist das Spielen für Wohnungskatzen, da sie ihre natürlichen Verhaltensweisen nur sehr begrenzt ausleben können.

Katzen sind neugierig und benutzen gerne ihre sehr beweglichen Pfoten, um  ihre Umgebung zu erkunden. Dies hat Helena Dbaly auf eine Idee gebracht: Die Halterin von zwei Stubentigern entwickelte Katzenfummelbretter. Auf einem stabilen Boden werden Aufsätze angebracht, die der Katze den direkten Zugriff auf hineingelegte Leckereien oder Spielzeug erschweren.

 «Einfache Spielstationen, die für Katzen lange interessant bleiben, kann man mit wenig Aufwand aus Haushaltsgegenständen selber herstellen»,  sagt Dbaly. «Die Katzen können sich damit auch in Abwesenheit des Besitzers beschäftigen.» Auf ihrer Homepage (siehe Internet-Tipps) finden sich viele Ideen und verschiedene Anleitungen, um ein geeignetes Katzenfummelbrett zu basteln.


BUCH- und Internet-TIPPs

Hunde

  • Christiane Blenski: «Hundespiele – freche Spielideen für fröhliche Hunde», Kosmos Verlag 2007, Fr. 27.90.
  • Christina Sondermann: «Das grosse Spielebuch für Hunde», Cadmos Verlag 2005, Fr. 41.50.
  • Gerd Ludwig: «Hunde Spiele-Box, 40 Trainingskarten mit Begleitbroschüre», Gräfe & Unzer 2007, Fr. 25.50.


Katzen

  • Helena Dbaly, Stefanie Sigl: «Das Spielebuch für Katzen: Spielend durchs Katzenleben», Cadmos Verlag 2008, Fr. 35.90.

 

23. November 2008 | Helen Weiss


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