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Artikel | K-Tipp 20/2008

In der Werbung schummeln alle kräftig

Im Kampf um Kunden schnüren die Telecomanbieter Pakete aus Festnetz-, Internetanschluss, Handy und allenfalls TV. Die vollmundig angekündigten Kombirabatte verraten aber wenig über die tatsächlichen Kosten.

Festnetz, Handy, Internet und TV: Dafür zahlt man pro Jahr schnell einmal über 3000 Franken. Telecom-Abonnenten, die mehrere Dienste bei einem Anbieter beziehen, werden mit einem Rabatt belohnt. Die offerierten Pakete und Konditionen hängen vom Anbieter ab und machen einen Preisvergleich schier unmöglich.

Sunrise zum Beispiel bietet mit «Click&Call 5000+» Festnetz und Internet  für total 30 Franken, falls sich der Kunde entschliesst, zusätzlich das Mobilabo «Sunrise zero plus» für monatlich 50 Franken zu nehmen. In grossen Lettern wird argumentiert, man sei damit aufs Jahr gerechnet 348 Franken günstiger als die Swisscom.

Die Swisscom ihrerseits hat «DSL und Natel» lanciert:  Wer nebst Internet (49 Franken/Monat) ein Mobilabo mit mindestens 25 Franken Grundgebühr bestellt – z. B. Swiss Liberty –, zahlt nichts für den Festnetzanschluss. Nur steht in einer Fussnote: «Bitte beachten Sie, dass Ihr Festnetzanschluss stumm geschaltet wird.» Im Klartext:  Telefonieren via Festnetz ist beim Kombi DSL und Natel nicht mehr möglich. Swisscom-Sprecher Olaf Schulze: «Mit diesem Angebot sprechen wir genau jene Kunden an, die ausschliesslich mobil telefonieren und daheim den Internetzugang wünschen.»


Pro Tag Internet kostets zusätzlich 1 Franken

Einen Haken hat auch Click&Call 5000+: Das Paket ist erst in bestimmten Regionen, für rund 30 Prozent der Haushalte, verfügbar. Bis Ende 2009 sollen  es laut Sunrise-Sprecher Konrad Stokar 80 Prozent sein. Zurzeit müssen 70 Prozent potenzieller Kombi-Kunden auf das teurere Click&Call 5000 (ohne Plus) ausweichen, was pro Monat 69 statt 30 Franken kostet. 

Mit Kombis locken auch Orange und Cablecom: Orange wirbt in seinem «Home Pack» mit einem Internetanschluss für monatlich 19 Franken. Pro Tag Surfen wird aber zusätzlich 1 Franken berechnet. Wenn sich Nutzer fast täglich ins Internet klicken, wird das Surfen bei Orange nicht günstiger als bei den Konkurrenten.

Cablecom rühmt sich, mit dem Kombi Festnetz/ Internet/TV knapp 220 Franken günstiger zu sein als die Swisscom. Nicht erwähnt sind die Kosten für den Kabelfernsehanschluss – Fr. 26.45 pro Monat bzw. Fr. 317.40 pro Jahr.

Der K-Tipp wollte wissen, was Festnetz, Handy und Internet (bei Swisscom und Cablecom zusätzlich auch TV-Empfang) aus einer Hand mitsamt Gesprächsgebühren wirklich kosten. Comparis hat nachgerechnet.

Ergebnis, bezogen auf das Beispiel in der Tabelle (siehe «Nutzerprofil»): Cablecom ist am teuersten. Das Paket Festnetz, Internet, Mobil kostet fast doppelt so viel wie bei Sunrise. Cablecom ist auch beim Viererpaket mit TV etwas teurer als die Swisscom (siehe Tabelle im pdf-Artikel).

Erstaunt haben Ralf Beyeler von Comparis vor allem die hohen Kosten bei Cablecom: «Sie werden vor allem durch die Tarife für Anrufe aus dem Cablecom-Festnetz auf Handys verursacht.» Cablecom-Sprecher Hugo Wyler dazu: «Unser Mobilfunkangebot ist für Gelegenheits-, nicht für Vielnutzer gedacht.»

Tipp: Bevor Sie ein Kombi-Angebot bestellen, vergleichen Sie die verschiedenen Anbieter – mit Blick auf Ihre eigenen Nutzungsgewohnheiten.


Sparen mit einem Kombi

Sparmöglichkeiten mit dem «Paket» Festnetz/ Telefon und Internet, bei Swisscom und Cablecom mit TV-Empfang:

  • Sunrise: Keine Abogebühren  für Internet-Anschluss – das sind 39 Franken pro Monat.
  • Orange: Sparen lässt sich nur, wenn man nicht ins Internet geht – pro Tag ist das 1 Franken.
  • Swisscom: Wer kein Festnetz braucht, spart jährlich 303 Franken. 
  • Cablecom: Neuabonnenten fahren mit dem Kombi Festnetz, Internet und TV im ersten Jahr total Fr. 97.50 günstiger.



Nutzerprofil

Um die Gesprächskosten zu berechnen, wurde ein Nutzerprofil erstellt.

  • Festnetz-Anschluss: Telefoniert wird pro Monat 6 Stunden – 5 ins Festnetz, 1 Stunde auf Handy-Anschlüsse (60 % Swisscom, je 20 % Sunrise und Orange). 30 % der Anrufe wochentags zwischen 17 und 19 Uhr, 35 % nach 19 Uhr und 35 % am Wochenende.
  • Handy-Abos: Je 3 Stunden/Monat, 80 SMS. 90 Anrufe à 2 Min., wovon je ein Drittel ins Festnetz, zum Partner und zu Mobilfunk-Netzempfängern gehen.

 

24. November 2008 | Pirmin Schilliger


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