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Reiseveranstalter werben schon jetzt mit günstigen Sommerangeboten für Frühbucher. Doch die Kunden können nicht wissen, ob sie tatsächlich günstiger fahren.
Mit dem ersten Schnee locken Reiseveranstalter mit Angeboten für den Sommer 2009. Tui Schweiz, 1-2-Fly, FTI und zum ersten Mal auch ITS Coop Travel sind seit Anfang November mit ihren Frühbucherangeboten auf dem Markt.
Die Werbetexte in den Vorab-Katalogen auf den Internetseiten versprechen viel. Da ist von «Frühbucher-Rabatten mit Tiefstpreisen» oder von «Best-Price Garantie» die Rede. Coop Travel wirbt in seinem Vorab-Katalog für den Sommer 2009 mit Frühbucherpreisen, die «wesentlich unter den üblichen Preisen liegen».
Doch die Reiseveranstalter werden in den kommenden Monaten mehrmals neue Preislisten veröffentlichen. Die jetzt angebotenen Tiefpreisgarantien und Frühbucher-Angebote gelten indes nur bis Ende 2008, danach kommen neue Preislisten für die Sommerkataloge heraus – ein klarer Vergleich ist daher nicht möglich. Zumal in den Frühbucher-Katalogen von Coop und 1-2-Fly nirgends steht, wie hoch die versprochenen Rabatte in Prozent oder Franken tatsächlich sind.
Tui Schweiz gibt zwar die Ermässigungen für Frühbucher in seinen Preislisten in Franken pro Person oder in Prozent an. Nur nützt das nicht viel, weil keiner weiss, wie die Preislisten zwei Monate später aussehen. Martin Wittwer, Geschäftsführer von Tui Schweiz, versichert: «Es ist nicht unsere Strategie, die Frühbucher zu bestrafen.» Im Gegenteil: Man kaufe die Flug- und Hotelkapazitäten im Vorjahr jeweils für die ganze kommende Saison ein und gelange früher als die Konkurrenz mit den günstigsten Preisen auf den Markt. Danach würden die Preise steigen. In den vergangenen Jahren veröffentlichte Tui insgesamt drei verschiedene Preislisten für die Sommerangebote.
Frühbucher-Rabatte sind klein – sofern es solche überhaupt gibt
Einen Anhaltspunkt, wie attraktiv die aktuellen Frühbucherangebote wirklich sind, gibt ein Vergleich mit den Katalogangeboten für den Sommer 2008 bei verschiedenen Reiseanbietern. Die Resultate sind unterschiedlich. Einige Beispiele:
Wer früh bucht, kommt also nicht automatisch in den Genuss besonders günstiger Konditionen. Laut Coop-Travel-Geschäftsführer Andi Restle seien die Verträge für die Hotelleistungen im Vorab-Katalog 2009 bereits im letzten Frühling unterschrieben worden, als die Treibstoffpreise höher lagen. Laut Restle beträgt der Frühbucherrabatt im Vergleich zum Sommer-Katalog 2009, der im Januar erscheinen soll, «bis zu 9 Prozent». Das wäre bei einer Reise für 1000 Franken ein Preisvorteil von maximal 90 Franken.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Untersuchung der deutschen Stiftung Warentest von letztem Jahr. Sie verglich für 85 Reisen die Preise jeweils zweimal – einmal als Frühbucherangebot im Januar und einmal 14 Tage vor Reisebeginn.
Ergebnis: Nur gerade bei knapp der Hälfte der Reisen waren die im Januar ermittelten Preise etwas billiger als die Spätbucherpreise. Der Preisvorteil betrug im Schnitt gemäss Warentest zwischen 75 und 135 Franken pro Person. Fast alle Reisen waren zudem im Mai noch kurzfristig zu buchen. Fraglich ist, ob sich bei solch geringen Preisvorteilen die frühe Bindung und eine Anzahlung zwischen 20 und 40 Prozent lohnt.
«Kunden möchten sich bestimmte Hotelzimmer frühzeitig sichern»
Frühbucher-Angebote können vor allem für Familien sinnvoll sein, da spezielle Familienzimmer oft schnell vergriffen sind. Gemäss Andi Restle ist die Wunschunterkunft ein wichtiges Argument für Frühbucher-Angebote. Das betont auch Tui Schweiz: «Bei einer frühzeitigen Buchung steht dem Kunden eine grössere Auswahl an Flugtagen, Abflughäfen und Zimmerkategorien zur Verfügung.»
Und Verena Wefers von FTI bestätigt: «Viele Kunden möchten sich bestimmte Hotels und Zimmerkategorien frühzeitig sichern.» Auch Kuoni und M-Travel Switzerland empfehlen Familien, frühzeitig zu buchen. Vorab-Kataloge sind bei diesen beiden Reiseanbietern aber kein Thema. Ihre Sommerangebote werden schrittweise zwischen Dezember und Januar veröffentlicht.
Reiseverhalten: Die Hälfte der Kunden bucht nicht früh
Jedes Jahr führt die Reiseversicherung Elvia eine repräsentative Erhebung zum Reise- und Buchungsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer durch. Die diesjährige Untersuchung hat ergeben, dass frühes Ferienbuchen nicht sehr beliebt ist. Nur 44 Prozent der Befragten gaben nämlich an, sie würden ihr Arrangement mehr als zwei Monate im Voraus buchen. Wie viele davon gar vier oder sechs Monate im Voraus buchen, weist die Studie nicht aus. In der Reisebranche wird der Begriff «Frühbucher» sehr weit ausgelegt. So werden in der Elvia-Erhebung auch Personen dazu gezählt, die ihre Reise zwischen vier und acht Wochen vor Abflug buchen.
01. Dezember 2008 | Andreas Schildknecht
