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Eine neue Studie zeigt: Vitamin E erhöht das Risiko für Prostatakrebs – statt es zu senken. Und der Mineralstoff Selen fördert Diabetes.
Eigentlich sollte die Studie zeigen, dass der Mineralstoff Selen und Vitamin E Männer vor Prostatakrebs schützen: Doch nach fünf Jahren brachen die Mediziner die Untersuchung ab. Das Gegenteil traf ein, wie eine Zwischenbewertung ergab: Männer, die Vitamin E eingenommen hatten, erkrankten häufiger an Prostatakrebs als die Kontrollgruppe. Bei Selen stieg die Zahl der Diabeteskranken.
Es war eine wichtige Studie des amerikanischen Krebsinstituts: Die Forscher untersuchten 35000 Männer im Alter von über 50 Jahren. Das Institut riet den Teilnehmern schliesslich, keine Selen- und Vitaminpillen mehr zu schlucken.
Der Körper braucht freie Radikale
Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass die künstliche Zufuhr von Vitamin E oder Selen mehr schadet als nützt. In einer finnischen Studie sollte Vitamin E Raucher vor Lungenkrebs schützen – doch die Raucher erkrankten nicht weniger an Krebs. Eine andere Untersuchung hoffte, dass Selen das erneute Auftreten von Hauttumoren verhindern könnte – stattdessen wucherten am Ende mehr Tumore.
Seit Jahren behauptet die Pharmaindustrie, dass Substanzen wie Vitamin E und Selen im Körper schädliche Stoffe neutralisieren, die sogenannten freien Radikalen. Diese würden uns schneller altern lassen und Leiden wie Krebs und Herzkrankheiten fördern. Die Industrie reichert deshalb Produkte, zum Beispiel Fruchtsäfte, mit Vitaminen an und verkauft Nahrungsergänzungspillen.
Doch jetzt ist klar: Die freien Radikalen schaden dem Körper nicht – er braucht sie vielmehr. So sagt die Ernährungswissenschafterin Mette Berger von der Universitätsklinik Lausanne, dass freie Radikale zum Beispiel Bakterien zerstören oder dem Stoffwechsel wichtige Informationen geben können.
Auch Krebstherapien basieren darauf, freie Radikale zu erzeugen, die Krebszellen schädigen. Ein Zuviel an künstlichen Vitaminen reduziert die freien Radikalen stark. Über Jahre hinweg kann das laut einer grossen dänischen Studie gar die Lebenserwartung verkürzen. Deshalb sollte man nur zu künstlichen Vitaminen greifen, wenn der Arzt ein Defizit diagnostiziert.
Wirksame Stoffe in Früchten und Gemüse
Hersteller von Vitaminpräparaten sehen keinen Grund, diese vom Markt zu nehmen. Glaxo Smith Kline, Hersteller der Abtei-Produkte, schreibt saldo: «Für Personen, die we-gen Krankheit, Diät oder anderen Gründen nicht optimal versorgt sind, können die Produkte eine sinnvolle Ergänzung sein.» Präparate in der Schweiz enthielten zudem weniger Vitamin E oder Selen, als in der Studie eingesetzt.
Selen und Vitamin E sind ausreichend vorhanden in Pflanzenölen und fetthaltigen Lebensmitteln. Der Zürcher Hausarzt Thomas Walser sagt: «In frischen Früchten und Gemüse stecken tausende Substanzen, die bei Heilungsprozessen hochwirksam sind.»
02. Dezember 2008 | Andreas Grote

