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Kopfwehpillen, Blutdrucksenker, Diabetesmittel – viele Medikamente können sich gegenseitig gefährlich beeinflussen. Der Gesundheitstipp sagt, bei welchen Mitteln Vorsicht geboten ist.
Ursula Müller (Name geändert) aus Zürich nahm regelmässig die Anti-Baby-Pille. «Ich wollte meine Lebensplanung nicht dem Zufall überlassen», erinnert sie sich. Trotzdem geschah es: Als 21-Jährige war sie plötzlich schwanger. Der Grund: Ursula Müller hatte gegen eine schwere Blasenentzündung das Antibiotikum Noroxin genommen. Was sie nicht wusste: Es macht die Pille unwirksam.
Wenn Medikamente sich gegenseitig beeinflussen, kann aber auch das Gegenteil passieren: Das Medikament wirkt zu stark und kann heftige Nebenwirkungen wie zum Beispiel Darmbluten auslösen.
Besonders ältere Menschen sind von solchen Wechselwirkungen betroffen. Medikamente wirken bei ihnen ohnehin schon stärker. Hinzu kommt, dass sie oft viele Medikamente einnehmen. Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser sagt: «Ich verschreibe wenn möglich nicht mehr als vier Medikamente aufs Mal.»
«Auch scheinbar harmlose Mittel können sich gegenseitig beeinflussen», warnt der Arzt Etzel Gysling, der die unabhängige Zeitschrift «Pharma-Kritik» herausgibt. Zum Beispiel die Medikamente Brufen und Aspirin cardio. Viele Menschen müssen täglich eine kleine Dosis Aspirin einnehmen, um das Blut flüssig zu halten. Doch der Rheuma-Wirkstoff Ibuprofen verhindert dies.
Etzel Gysling empfiehlt Betroffenen, möglichst kein Ibuprofen zu nehmen. «Falls sie es doch einmal benötigen, dürfen sie es frühestens zwei Stunden nach dem Aspirin einnehmen.» Liliane Pieters vom Pharmakonzern Bayer bestätigt: «Patienten sollten darauf verzichten, diese Medikamente dauerhaft zu kombinieren.»
Auch andere Blutverdünner wie zum Beispiel Marcumar wirken nicht richtig, wenn man sie zusammen einnimmt mit Ibuprofen oder auch Diclofenac, dem Wirkstoff von Voltaren. Aber auch die Nebenwirkungen von Brufen und Voltaren können sich durch andere Medikamente verstärken: Sie verursachen öfter Darmblutungen, wenn man zusätzlich bestimmte Mittel gegen Depressionen einnimmt. Dazu gehören Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer wie Cipralex. Simone Lütolf vom Cipralex-Hersteller Lundbeck bestätigt: «Nimmt man beide Mittel zusammen, so ist Vorsicht geboten.»
Sogar Medikamente, die gegen dasselbe helfen sollen, vertragen sich oft nicht. Dies kommt bei bestimmten Blutdruckmitteln wie Triatec und Diovan vor. «Ärzte verschreiben diese sogar gern zusammen», sagt Etzel Gysling. Doch Studien haben gezeigt: Dann gibt es deutlich öfter Nebenwirkungen. Häufig wurde der Blutdruck zu niedrig. Auch die Nieren funktionierten häufig schlechter.
Gysling warnt daher: «Wer beide Blutdrucksenker einnimmt, sollte Herz und Nieren immer wieder vom Arzt überprüfen lassen.» Der Diovan-Hersteller Novartis bekräftigt, dass dies für Patienten mit Herzinsuffizienz gilt.
So entschärfen Sie den Pillen-Cocktail
Mehr Infos: Gesundheitstipp-Ratgeber «Gute Pillen – schlechte Pillen», zu bestellen auf www.gesundheitstipp.ch/buchshop
Ines Vogel
16. Januar 2009
