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Artikel | K-Tipp 03/2009

Teurer Vertrag statt Beratung

Bevor man einen Computerkurs bucht, sollte man einige wichtige Punkte beachten. Sonst droht ein teurer Reinfall wie im Fall von Renter Hermann Kleeb.

Hermann Kleeb aus Bigenthal BE erhielt von der Firma Ausbildungsinstitut Franchi SA einen Werbeanruf für einen Computerkurs. Der pensionierte Landwirt willigte ein, sich in einem Restaurant für ein «Beratungsgespräch» zu treffen. Zu diesem Treffen erschienen zwei Vertreter von Franchi. Auf die Fragen des 71-Jährigen gingen sie kaum ein. Auch bei den Kurskosten blieben sie vage: 350 Franken müsse er anzahlen und alles Weitere mit dem Kursleiter besprechen. Am Schluss habe ihm einer der Vertreter ein Papier hingehalten, das er leider unterschrieben habe. Im Kleingedruckten stand, dass Kleeb sich verpflichtet, über 4000 Franken für einen Computerkurs zu bezahlen.


Profis werben nicht per Telefon

Ruth Jermann vom Schweizerischen Verband für Weiterbildung warnt: «Hände weg von solchen Angeboten! Professionelle Anbieter werben nicht per Telefon. Sie machen auch keine Hausbesuche oder Beratungsgespräche in Restaurants.» Ein Computerkurs für Anfänger kostet laut Jermann zwischen 30 und 50 Franken pro Stunde. Bei Franchi zahlt man pro Stunde hingegen mehr als 100 Franken. Denn von den 174 Kurseinheiten sind laut Kleingedrucktem gerade mal 32 von einem Kursleiter betreut.

Auch Matteo Cheda vom Tessiner Konsumentenmagazin «Spendere Meglio» äussert sich negativ zu Franchi mit Sitz in Bellinzona TI: «Die Preise sind überrissen und die Verkaufsmethode sowie die Durchführung des Kurses zweifelhaft.» Matteo Cheda weiss zudem, dass die Telefonisten und Berater von Franchi auf Provisionsbasis arbeiten und daher möglichst viele Kurse verkaufen wollen. Finden sie genügend Teilnehmer, würden sie irgendeinen Raum in der Gemeinde mieten. Die Kursleiter seien oft unerfahren und die Kursteilnehmer müssten sich mitunter einen Computer teilen. Robert Willi vom Ausbildungsinstitut Franchi SA sieht kein Fehlverhalten seiner Berater und bietet Kleeb lediglich an, mit 1700 Franken «Strafzahlung» aus dem Vertrag auszusteigen oder den Kurs nachzuholen.


Kurs könne man kostenlos wiederholen

Willi bestätigt, dass die Firma Franchi Hausbesuche macht. Die Kurskosten rechtfertigt er damit, dass die Teilnehmer verpasste Lektionen als Einzellektion nachholen könnten. Zudem könne jeder den Kurs kostenlos wiederholen. Laut Willi ist es auch zutreffend, dass die Angestellten eine Provision erhalten. Sie bekämen aber auch einen Fixlohn. Die Kursleiter bezeichnet Willi als «erfahren, gut ausgebildet und geprüft».


So finden Sie einen guten Computerkurs:

  • Information: Lernmethode, Lernschritte und Lernziele müssen detailliert beschrieben sein.
  • Fachwissen: Aus den Kursunterlagen sollten die fachlichen Qualifikationen der Kursleiter hervorgehen.
  • Kosten: l30 bis 50 Franken pro Anfänger-Lektion.
  • Zertifikat: Achten Sie auf das Zertifikat «Eduqua». Es zeichnet geprüfte Weiterbildungsinstitutionen aus.
  • Tipps für Seniorinnen und Senioren: Die meisten Regionalstellen der Pro Senectute bieten Computerkurse an. Erkundigen Sie sich direkt bei Ihrer örtlichen Pro Senectute.
    Ein Projekt namens «Compisternli» ist in Davos GR entstanden: Primarschüler im Alter zwischen 9 und 12 Jahren bieten in ihrer Freizeit Computerkurse für ältere Menschen an. Die Kinder erhalten vorher eine Schulung und betreuen danach je einen Kursteilnehmer. Pro Stunde kostet dieser Kurs 10 Franken. Dieses Angebot gibt es bisher nur in Davos GR, Gossau SG, Oberrohrdorf AG, Schmerikon SG, Solothurn, Uster ZH, Aarau und im Kreis 4 der Stadt Zürich. Weitere Informationen unter Tel. 081 413 11 17 oder im Internet unter www.compisternli.ch

07. Februar 2009 | Beatrice Walder, Redaktion K-Tipp


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