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Artikel | saldo 03/2009

Post: Pakete sollen teurer werden

Trotz hohem Gewinn hat die Post angekündigt, dass sie die Preise für leichte Pakete um 1 Franken erhöhen will. Die Konkurrenten erbringen die gleiche Leistung künftig deutlich günstiger.

Wer ein Buch versenden will, muss dafür bei der Post ab 1. April 2009 mindestens 7 Franken bezahlen, bei der Auslieferung innerhalb eines Tages sogar 9 Franken. Künftig kosten Pakete bis 5 Kilogramm einen Franken mehr, sofern der Preisüberwacher dem Vorschlag der Post zustimmt. Laut der Post sind die Einnahmen beim Paketversand nicht mehr kostendeckend: Wegen der Erhöhung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) sowie gestiegener Lohnkosten. Trotzdem liegt allein im ersten Halbjahr 2008 noch immer ein Gewinn von 18 Millionen Franken im Bereich Post Logistics vor. Post-Sprecher Richard Pfister erklärt dies damit, dass andere Bereiche von Logistics, etwa Kurier- und Expressdienste oder Transport und Lager, rentabler seien. Zahlen für den Paketbereich will er nicht bekanntgeben.


«Der Preisüberwacher dürfte der Preiserhöhung nicht zustimmen»

Die Post klagt auf hohem Niveau: In den letzten Jahren wies sie einen Konzerngewinn von 909 Millionen Franken aus, im ersten Halbjahr 2008 sind es immerhin 419 Millionen Franken. Der ehemalige Postregulator Martin Kaiser folgert daraus: «Der Preisüberwacher dürfte einer Preiserhöhung bei der Paketpost nicht zustimmen. Die Verfassung verlangt angemessene Preise in der Grundversorgung, also keine übermässigen Gewinne.» Der Bereich Logistics schreibe schwarze Zahlen und die ganze Grundversorgung inklusive Netzkosten sei eine Goldgrube: «Die Argumentation der Post basiert auf einer intransparenten Kostenrechnung.» Kaiser, seit 2008 Mitglied der Geschäftsleitung bei Economiesuisse, will in
diesem Sinne mit einer Wirtschaftsdelegation das Gespräch mit dem Preisüberwacher führen.


Deutschland und Österreich im Vergleich günstiger

Die Post beruft sich darauf, im internationalen Vergleich gut dazustehen. Doch die ehemals staatliche Post in den Nachbarländern Deutschland und Österreich befördert zumindest leichte Pakete innerhalb des Landes künftig deutlich günstiger. In Deutschland kosten Pakete bis 2 Kilogramm (am nächsten Tag zugestellt) umgerechnet knapp 6 Franken. In Österreich verlangt die Post Fr. 6.20 und nimmt sich zwei Werktage Zeit. Der Aufschlag der Schweizer Post um einen Franken betrifft Pakete bis 5 Kilogramm, schwere Pakete werden ab April einen Franken billiger. Doch gemäss der Post sind rund drei Viertel der über den Schalter abgewickelten Pakete leichter als 5 Kilogramm. Die meisten Kunden werden die Preiserhöhung zu spüren bekommen. Die gute Nachricht: Es geht günstiger. Im nationalen Versand sind neben der Post DPD und DHL Express tätig. Beide planen vorläufig keine Preiserhöhungen. Ihre Preisstruktur ist etwas anders: DHL Express errechnet den Preis nach Volumen, die Vorgaben sind eher unflexibel. Bei DPD wird nach Gewicht abgerechnet, dafür sind Kunden bei der Verpackungsauswahl frei.


Post-Konkurrenz versendet alle Pakete in einem Werktag

Der konkrete Vergleich zeigt, dass leichte Pakete fast immer günstiger sind als bei der Post (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Die Konkurrenten bieten jedoch nur den Versand innerhalb eines Werktags an. Eine langsamere Beförderung, ähnlich dem Post-Economy-Paket, ist nicht möglich. Doch selbst im Vergleich mit den Economy-Preisen haben die Post-Mitbewerber teilweise die Nase vorn. Der Versand eines 2,5 Kilogramm schweren Lexikons kostet bei DPD Fr. 8.80. Mit dem Economy-Paket der Schweizer Post dauert der Versand mindestens zwei Werktage und kostet 9 Franken.


Je nach Anbieter unterschiedliche Aufgabezeiten

Das Netz der Annahmestellen der Konkurrenz ist jedoch beschränkt. DPD nimmt die Pakete an rund 70 Stellen, vor allem Papeterien, entgegen. DHL Express verfügt über etwas mehr als 200 Annahmestellen, weitere sollen folgen. Viele der DHL-Aufgabestellen finden sich an Bahnhöfen, was für Pendler attraktiv ist. Bei DHL Express variieren die Abgabezeiten. Am Bahnhof Basel beispielsweise können bis 19.15 Uhr Pakete aufgegeben werden, in Sargans bis 16.45 Uhr und in Fribourg bis 15.45 Uhr. Bei DPD gelten Annahmezeiten zwischen 13 und 17 Uhr. Bei der Post können an 150 grösseren Poststellen Pakete bis 16 Uhr aufgegeben werden. Ansonsten müssen sie bereits um 12 Uhr am Schalter sein. Ein weiterer Unterschied: Die Post-Konkurrenten stellen Pakete immer gegen Unterschrift zu, und zwar ohne Aufpreis. Bei der Post kostet die Option Signature derzeit Fr. 1.50 zusätzlich.

15. Februar 2009 | Mirjam Fonti, Redaktion saldo


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