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Die Dokumentation «Your Mommy kills Animals» zeigt eindrücklich, wie der Kampf um die Rechte von Tieren aus den Fugen gerät.
Für den US-amerikanischen Unfallchirurgen und Tierrechtsaktivisten Jerry Vlasak ist klar, wie man Tierversuche stoppen könnte: «Es genügt, wenn man 10 bis 15 Verantwortliche für Tierversuche umbringt.» Mit dieser Aussage steht er nicht allein. Die Dokumentation «Your Mommy Kills Animals» porträtiert eine ganze Bewegung extremer US-Tierrechtsgruppierungen. Für sie sind Attentate auf Forscher, die Tierversuche durchführen, moralisch legitime Aktionen.
Terrorist aus Tierliebe
Die Idee zu seiner Dokumentation hatte Filmemacher Curt Johnson aufgrund einer Meldung des FBI, die Tierrechtsaktivisten als «grösste terroristische Bedrohung für die USA» bezeichnete. Die Methoden von Gruppen wie SHAC oder der «Animal Liberation Front» basieren laut Johnson vor allem auf psychischem Terror und Blossstellung. Die Mitglieder beschimpfen Pelzträger auf der Strasse, demonstrieren lautstark vor den Wohnungen der Forscher oder verteilen Zündholzschachteln mit der Aufforderung, das nächste Tierversuchslabor anzuzünden. Auch die grösste internationale Tierrechtsorganisation Peta kommt im Film schlecht weg. Sie lässt in den USA nicht vermittelbare Tiere töten. Daneben kommen auch gemässigte Tierschützer sowie Pelzfarmer zu Wort.
Dieser Film ist keine einseitige Propaganda gegen die Aktivisten. Die Filmsequenzen aus den Tierlabors, Hundeheimen und Pelzfabriken, in denen man Tiere quält, sind harte Kost. Curt Johnson stellt diese Bilder den Taten der Aktivisten gegenüber, ohne sie zu werten. Es bleibt den Zuschauern überlassen, die Interviews einzuordnen, in denen Pelzfarmer wie Tierrechtler ihre Taten rechtfertigen. Dabei führt der Film nach und nach zur zen-tralen Frage hin, wo die Grenzlinie zwischen freier Meinungsäusserung und Gewaltanwendung liegt.
«Your Mommy Kills Animals». Ein Film von Curt Johnson. USA 2008. 108 Min. Englisch mit deutschen Untertiteln. Anbieter: Max Vision AG, 2008.
Pop/Rock: Schweisstreibender Tanzmarathon
Mit ihrem fünften Album «Invaders must die» greifen die Techno-Chaoten The Prodigy ihren innovativen Sound der 90er auf, als sie Raver und Rockfans gleichermassen begeisterten. Wiederum kombinieren sie fette Breakbeats mit wildem Punk. Wummernde Synthie-Bässe, verzerrte Gitarrenfetzen, quietschende Sirenen und parolenhafte Vocals setzen sie zu einem futuristisch-lärmigen Soundtrack zusammen. Die Musik animiert fast zwingend zum schweisstreibenden Tanzmarathon. Für kurze Verschnaufpausen sorgen Tempi-Wechsel und Passagen mit etwas ruhigeren Klängen. Originalität, Abwechslung und überraschende Stilfusionen kennzeichnen Prodigys Werk. Ein gelungenes Comeback.
The Prodigy, «Invaders Must Die», Universal
Klassik: Romantische Luftlinien
Eine Dreiviertelstunde dauert Edward Elgars Violinkonzert – eine lange Dauer für ein Werk dieser Art. Langeweile ist da nicht von vornherein ausgeschlossen. Die neue Einspielung durch den Geiger Gil Shaham und das Chicago Symphony Orchestra bringt aber niemanden zum Gähnen. Der Orchesterpart erklingt unter Dirigent David Zinman in schillernder Farbigkeit. Shaham seinerseits konversiert in einem gelösten und klangschönen Tonfall mit dem Orchester: Selbst die vertracktesten Läufe erscheinen dank Shahams stupender Technik als präzise, aber locker gezeichnete Linien, die sich um den Orchesterpart ranken.
Gil Shaham, David Zinman, Chicago Symphony Orchestra, «Elgar Violin Concerto», Canary Classics
Jazz: Ohrwürmer in Aufruhr
Es gibt Melodien, von denen man in Jazzkreisen einfach nicht genug bekommen kann – Standards, die Keith Jarrett als «Stammessprache des Jazz» bezeichnet. Dazu gehören zum einen Broadway-Hits aus dem «Great American Songbook». Zum anderen Jazzklassiker von Duke Ellington & Co. Die muntere Querfeldein-Pianistin Aki Takase und der einzigartige Rudi Mahall spielen auf ihrer neuen Duo-CD fast ausschliesslich solche Ohrwürmer. Wobei Mahalls quirlig-turbulentes Bassklarinettenspiel einen gleichzeitig an den visionären Modern-Jazz-Virtuosen Eric Dolphy und das Geschnatter von Donald Duck denken lässt. Das Duo geht mit unbändigem Spielwitz zu Werke.
Aki Takase/Rudi Mahall, «Evergreen», Intakt
01. März 2009 | Marc Mair-Noack, thl, rü, tom
