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Jede zweite Lebensmittelvergiftung passiert zu Hause. Der Grund: mangelnde Hygiene. Auch viele Prominente nehmen es damit nicht so genau. Dies zeigt eine Analyse ihrer Küchenlappen.
«Meine Frau wechselt den Abwaschlappen täglich und reinigt ihn in der Waschmaschine», sagt Bauchredner Kliby. «Wir haben es gern, wenn in unserem Haus alles sauber und aufgeräumt ist.» Der Thurgauer steht selten in der Küche. Und wenn er kocht, bereitet er immer sein Lieblingsgericht zu: Wurstsalat mit Rösti.
Kein Wunder hat Kliby auch einen sauberen Abwaschlappen: Lediglich 8000 Keime befinden sich darauf. Dies zeigt eine Stichprobe des Gesundheitstipp. Er liess den Abwaschlappen von zehn prominenten Schweizerinnen und Schweizern auf Krankheits- und andere Keime untersuchen. Denn rund die Hälfte aller Lebensmittelvergiftungen passieren zu Hause. Sie sind die Folge mangelnder Hygiene in der Küche, haben deutsche Wissenschaftler herausgefunden. Umgerechnet auf die Schweiz, sind das rund 50’000 Lebensmittelvergiftungen pro Jahr. Schuld daran sind Bakterien, zum Beispiel Salmonellen, Campylobacter und Staphylokokken. Sie lösen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass vor allem auf Abwaschlappen besonders viele Bakterien leben.
Die gute Nachricht der Stichprobe: Das Labor fand auf allen Abwaschlappen der zehn Prominenten keine Krankheitserreger. Doch die meisten Lappen waren stark mit anderen Keimen belastet. Andreas Baumgartner, Spezialist für Mikrobiologie beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), erklärt: «Diese Keime gefährden die Gesundheit nicht. Die Anzahl der Keime zeigt aber, wie sauber die Küche ist.»
«Eine Küche muss nicht keimfrei sein»
Auch die Basler Märchenerzählerin Trudi Gerster erzielte ein gutes Resultat: Auf ihrem Lappen zählte das Labor rund 30’000 Keime. Baumgartner hält die Testresultate von Kliby und Trudi Gerster für «sehr gut». Es sei unmöglich und auch unnötig, die Küche keimfrei zu halten: «Keime sind überall, auch in der Luft.» Auf den anderen acht Abwaschlappen fand das Labor viel mehr Keime. So tummelten sich auf dem Lappen des Zürchers Helmi Sigg 91 Millionen Keime. Der Komiker, der zurzeit als Murmeltier im Musical «Ewigi Liebi» auftritt, nahm das Resultat mit Humor: «Ich esse den Abwaschlappen ja nicht.» Dennoch will er den Lappen künftig täglich auswechseln.
Am meisten Keime fanden sich auf den Küchenlappen der Orientierungslauf-Weltmeisterin Simone Niggli und des Zürcher Sängers Nöggi sowie auf einem Schwamm von Walter Andreas Müller. Der Schauspieler putzt mit ihm seine Pfannen. Alle drei Küchenutensilien enthielten gut 300 Millionen Keime. «Ich habe dieses Resultat geahnt», sagt Müller. «Der Schwamm war nicht neu. Ich verwende Schwämme, bis sie auseinanderfallen.» Nöggi bat den Gesundheitstipp: «Schreiben Sie nicht, ich sei ein Grüsel. Ich bin im Sternzeichen der Jungfrau geboren. Deshalb bin ich ein pedantischer Mensch.»
Bakterien-Spezialist Baumgartner sagt: «300 Millionen Keime sind viel. Diese Abwaschlappen waren zu lange im Gebrauch.» Zwar seien so stark verkeimte Abwaschlappen nicht gefährlich für die Gesundheit, denn: «Krankheitserreger stammen nicht von Abwaschlappen, sondern von bestimmten Lebensmitteln.» Aber mit einem verkeimten Lappen verteile man die Keime in der ganzen Küche: «Dabei besteht die Gefahr, dass man auch gefährliche Bakterien verbreitet, falls solche auf den Abwaschlappen gelangen.»
Tipps: So lagern Sie Lebensmittel richtig
So viele Keime waren in den Küchenlappen
Literatur
15. März 2009 | Andreas Gossweiler
