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Artikel | Gesundheits-Tipp 03/2009

42’000 wollen keine künstlichen Farbstoffe

Künstliche Farbstoffe in Lebensmitteln für Kinder sollen verboten werden: Das fordern über 42’000 Leserinnen und Leser des Gesundheitstipp.

Der Briefträger war nicht zu beneiden. Über zwei Monate lang musste er für den Gesundheitstipp viel mehr Post schleppen als sonst. Grund war die Petition des Gesundheitstipp, die ein Verbot von schädlichen Farbstoffen in Kindernahrung fordert. Tag für Tag schickten Hunderte Leserinnen und Leser die unterschriebenen Petitionsbögen ein. Am Schluss waren es zwölf Schachteln voll.

Die Petition überwand sogar den Röstigraben: Auch die Leserschaft des Westschweizer Konsumentenmagazins «Bon à savoir» machte mit. Der gemeinsame Einsatz hat sich gelohnt: Ende Februar konn-ten die beiden Zeitschriften exakt 42’293 Unterschriften einreichen. Alle diese Personen fordern, dass sechs gefährliche Farbstoffe in Lebensmitteln für Kinder verboten werden (siehe unten). Diese sechs Stoffe stehen gleich mehrfach in der Kritik: Zum einen können sie bei empfindlichen Menschen Allergien und asthmaähnliche Anfälle auslösen. Zum anderen fördern sie Hyperaktivität bei Kindern, wie eine britische Studie herausfand.

In Tier- und Laborversuchen stellten Forscher zudem noch weit grössere Gefahren fest: Mehrere dieser Farbstoffe können in hohen Dosen das Erbgut schädigen. Tartrazin und Chinolingelb stehen sogar im Verdacht, Krebs auszulösen. Hersteller und Behörden leugnen das Problem der Farbstoffe. In der Sendung «Espresso» von Radio DRS vertrat Michael Beer vom Bundesamt für Gesundheit die Ansicht, die britische Studie gebe «keine wissenschaftlich fundierten Hinweise, dass diese Farbstoffe ein Problem wären». Und Beat Hodler vom Dachverband der Nahrungsmittelindustrie behauptete gar: «Diese Farbstoffe werden in der Schweiz nicht mehr verwendet.» Doch das stimmt nicht. In einer Stichprobe im letzten November fand der Gesundheitstipp die Farbstoffe in zahlreichen Produkten. Darunter waren auch mehrere, die in der Schweiz hergestellt werden, etwa die Feuersteine und Fruchtbonbons der Rupperswiler Bonbonfabrik Zile oder der Orangensirup von Migros und Coop.

Im Gegensatz zur Schweiz hat die EU bereits reagiert: Ab Sommer 2010 müssen alle Produkte mit diesen Farbstoffen einen Warnhinweis tragen, dass sie sich «nachteilig auf die Aktivität und Konzentration von Kindern auswirken» können. Die Petition des Gesundheitstipp liegt jetzt bei Bundesrat Pascal Couchepin. Er hat die Kompetenz, die Farbstoffe zu verbieten. Auf Anfrage wollte Couchepin zur Petition nicht Stellung nehmen. Sein Sprecher sagte bloss, man nehme die Petition zur Kenntnis.

Doch im Nationalrat findet ein Verbot breite Unterstützung. Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel sagt zum Beispiel: «Ich sehe nicht ein, wieso man Lebensmittel mit diesen Stoffen anreichert, wenn gesundheitliche Bedenken bestehen.» Der grüne Waadtländer Nationalrat Christian van Singer hat zudem eine Motion eingereicht, die ein Verbot fordert. 53 Nationalrätinnen und Nationalräte haben sie unterzeichnet. Noch hat das Parlament über die Motion nicht abgestimmt. Doch auch hier zeigt sich der Widerstand des Bundesrates: Er empfiehlt dem Parlament, die Motion abzulehnen.


Tipps: Meiden Sie diese Farbstoffe!

Um diese sechs Farbstoffe geht es:

  • E 102 Tartrazin (gelb)
  • E 104 Chinolingelb
  • E 110 Gelborange-S
  • E 122 Azorubin (rot)
  • E 124 Cochenillerot A
  • E 129 Allurarot AC

15. März 2009 | Christian Egg, Redaktor


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