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Artikel | Gesundheits-Tipp 03/2009

Borreliose: Ärzte stellen falsche Diagnosen

Betroffene sind müde, die Gelenke schmerzen, der Kopf dröhnt – oft diagnostizieren Ärzte dann schnell eine Borreliose. Jetzt zeigen Experten, dass hinter den Beschwerden meist andere Krankheiten stecken.

Ein Waldspaziergang kann krank machen: Wenn Zecken in die Haut stechen, können sie gefährliche Krankheitskeime übertragen, zum Beispiel die Bakterienkrankheit Borreliose. Betroffene fühlen sich schwer krank: Sie sind unerträglich müde, die Gelenke schmerzen, der Kopf dröhnt. Der Arzt gibt ihnen Antibiotika. Doch viele Patienten mit solchen Beschwerden nehmen jahrelang Antibiotika und trotzdem geht es ihnen nicht besser.


Ärzte stellen häufig eine falsche Diagnose

Jetzt sagt eine britisch-amerikanische Experten-Gruppe: Die meisten Menschen, die scheinbar unter einer chronischen Borreliose leiden, haben eine andere Krankheit. Im Fachmagazin «New England Journal of Medicine» schreiben die Forscher: «Oft stellen Ärzte die falsche Diagnose.» Typisch ist für eine richtige Borreliose: Sie verläuft in drei Stadien. Die meisten Betroffenen bekommen zunächst einen kreisförmigen roten Ausschlag an der Stelle des Stichs, der sich langsam ausdehnt. Dann bekommen sie Fieberschübe, sind müde. Nachts bricht ihnen der Schweiss aus.

Hinzu kommen später eine Reihe von anderen Symptomen, wie heftige Kopfschmerzen, Schwindelattacken und entzündete Gelenke. Im späten Borreliose-Stadium können sogar Lähmungen und seelische Veränderungen auftreten. Doch die Borreliose lässt sich immer schwerer abgrenzen von anderen Krankheitsbildern, schreiben die Experten in der Fachzeitschrift. Der Grund: «Manche Ärzte ordnen immer mehr Beschwerden der chronischen Borreliose zu.»

Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft listet mehr als hundert Symptome auf, die manche Ärzte der Borreliose zuordnen. Viele davon sind Beschwerden an den Nerven – zum Beispiel bei Geruchsstörungen oder bei Ohrgeräuschen. Die Forscher kritisieren in der Fachzeitschrift: «Es ist nicht bewiesen, dass all diese Beschwerden wirklich von den Borreliose-Bakterien stammen.»

Die Experten-Gruppe hat beobachtet: Die meisten Patienten leiden zwar an Beschwerden wie bei einer Borreliose. Diese rühren jedoch von anderen Krankheiten wie Rheuma und Arthrose, Schilddrüsen-Störungen oder Depressionen. Bei vielen anderen Menschen zeigt ein Bluttest zwar an, dass sie Borreliose-Bakterien im Körper haben – sie haben jedoch keine Beschwerden. Die Betroffenen brauchen keine Behandlung.


Chronische Beschwerden haben oft andere Ursache

Nur bei einer kleinen Gruppe, die Beschwerden hat, ist es eine chronische Borreliose. Spezialisten wie der Zürcher Borreliose-Arzt Norbert Satz bestätigen dies. Immer wieder suchen Patienten bei Satz Hilfe, weil ihr Arzt ihnen sagt, sie hätten eine chronische Borreliose. Der Spezialist sagt: «Neun von zehn dieser Patienten haben keine Borreliose.»

Manche Ärzte halten trotzdem an ihrer Diagnose fest. Sie behaupten, mit Tests könne man die Bakterien oft nicht im Körper des Menschen nachweisen, weil die Erreger sich versteckten. Laborversuche haben gezeigt, dass die Bakterien im Reagenzglas eine Schutzkapsel bilden können. Dies könnten sie auch im Körper, glauben die Verfechter dieser Erklärung. Doch solche Bakterien-Kapseln haben Forscher nie im Körper gefunden.

Vielmehr beweisen Studien: Man kann die Bakterien im Blut nachweisen. Für den Borreliose-Experten Dieter Hassler aus Kraichtal (D) ist die Versteck-Erklärung daher «Unsinn». Er sagt: «Würden sich die Erreger im Körper verkapseln, so würden sie dem Menschen auch nicht schaden.» Wenn ein Betroffener Beschwerden habe, bewegten sich die Erreger im Körper. Gegen diese bildet der Körper Abwehrstoffe – umso mehr, je länger die Bakterien im Körper sind. Der Bluttest erkennt die Abwehrstoffe.

Auch die Schweizerische Gesellschaft für Infektiologie empfiehlt den Test: «Bei einer chronischen Borreliose sind so viele Abwehrstoffe im Blut, dass ein Bluttest sie anzeigt», schreiben die Fachleute der Gesellschaft in ihren Richtlinien für Ärzte. Experte Dieter Hassler: «Eine Borreliose ist heilbar» Es gibt einen weiteren Hinweis, ob ein Patient wirklich die Zecken-Krankheit hat, sagt Dieter Hassler: «Borreliose-Kranke wissen meist genau, wann sie krank geworden sind.» Sie erinnerten sich zwar nicht immer an den Zeckenstich – aber an den typischen Ausschlag oder das plötzliche Grippegefühl mit Fieber. Ist es wirklich Borreliose, so stehen die Chancen nicht schlecht. Dieter Hassler betont: «Eine Borreliose ist heilbar.»


Tipps: So schützen Sie sich vor Zecken

  • Tragen Sie im Gelände lange Kleider.
  • Stecken Sie die Hose in die Socken. Schutzcremen und Sprays genügen nicht.
  • Suchen Sie ihren Körper nach Zecken ab, wenn Sie in der Natur waren.
  • Ziehen Sie die Zecke mit einer Pinzette ruckartig heraus, ohne zu drehen.
  • Lassen Sie sehr kleine Zecken vom Arzt entfernen.
  • Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie einen Ausschlag an der Stichstelle bekommen.
  • Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie sich plötzlich sehr müde und krank fühlen wie bei einer Grippe oder Fieber bekommen.
  • Gegen Borreliose kann man sich nicht impfen. Antibiotika können die Krankheit heilen.
  • Zecken übertragen auch die Hirnhaut-Entzündung FSME. Gegen diese Krankheit gibt es eine Impfung.

 

15. März 2009 | Ines Vogel, Redaktion Gesundheitstipp


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