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Ein Kunde der Pax war mit der Kürzung beim Überschuss unzufrieden und wollte die Gründe wissen. Er erfuhr praktisch nichts.
Mit dieser Enttäuschung hatte Heinrich Stamm aus Domat/Ems GR nicht gerechnet. Als er 1992 der Pax-Versicherung 200’000 Franken anvertraute, stellte ihm die Pax eine Auszahlung von 454’103 Franken nach 16 Jahren in Aussicht. Effektiv waren es dann fast 100’000 Franken weniger. Stamm hat eine Einmaleinlage gemacht. 1992 hatte er also 200’000 Franken aufs Mal eingezahlt. Wäre Stamm vor Ablauf, also vor dem Jahr 2008, gestorben, hätten seine Angehörigen 279’620 Franken erhalten. Doch dieser Schutz für die Hinterbliebenen war nicht entscheidend für Stamms Entschluss, die Einmaleinlage zu tätigen. Denn Versicherungen versprechen bei solchen Geldanlagen jeweils auch, das Geld tüchtig zu vermehren.
Auch Stamm wurde mit einer tollen Rendite geködert. Das garantierte Erlebensfallkapital bei Ablauf im Jahr 2008 lag bei 279’620 Franken – doch die Pax stellte ihm zusätzlich nicht garantierte Überschüsse von 174’483 Franken in Aussicht. Zusammen hätte das ein Schlusskapital von 454’103 Franken ergeben. Das hätte einer jährlichen Rendite von 5,26 Prozent entsprochen.
Die Antworten der Pax blieben ausweichend
Doch statt der prognostizierten 174’483 Franken erhielt der heute 66-jährige Stamm im Jahr 2008 nur Überschüsse in der Höhe von 77’735 Franken ausbezahlt. Total also nur 357’355 Franken, was einen Vermögenszuwachs von 3,69 Prozent pro Jahr ausmacht. Warum diese rabiate Kürzung?, wollte Stamm wissen. Er bat die Pax, ihm die Berechnungsgrundsätze für die Überschüsse offenzulegen.
Die Antworten der Pax blieben unbestimmt und ausweichend. Die Überschüsse seien damals in einer Hochzinsphase prognostiziert worden. Und: Im aktuellen Zinsumfeld seien sie nicht zu erzielen gewesen. Aus diesem Grund seien ihm ab 2004 keine Überschüsse mehr zugewiesen worden. Mehr Substanz enthielt die Antwort nicht.
Auch der Anwalt, den Stamm einschaltete, erhielt keine präzisen Informationen. Er fragte zwar nach der «genauen Berechnungsweise», erhielt aber ebenfalls nur allgemeine Aussagen ohne nähere Begründung. Die Pax erläuterte zwar die Basis für die Überschussberechnung: Risikoverlauf (wie oft muss die Pax im Todesfall zahlen?), Ertrag aus den Kapitalanlagen sowie Kosten.
Doch Infos über genau diese Entwicklungen blieb sie schuldig: Wie waren der Risikoverlauf und die Sterbewahrscheinlichkeit genau? Keine Antwort. Welche Erträge wurden mit dem eingesetzten Kapital effektiv erwirtschaftet? Stillschweigen. Wie haben sich die internen Kosten der Pax entwickelt? Keine Angaben. Das zeigt: Überschuss-Berechnungen sind und bleiben für Kundinnen und Kunden in keiner Weise nachvollziehbar. Denn die Gesellschaften legen die Grundlagen nicht offen. «Überschüsse sind ein Witz», bilanziert Heinrich Stamm bitter.
Aufsichtsamt kritisiert die Pax-Versicherung
Auch das Bundesamt für Privatversicherungen (BPV) konnte Stamm nicht helfen. Es schrieb ihm, bis 2005 habe es die Überschussbeteiligung der Pax genehmigt. Doch seither habe das Aufsichtsamt keine entsprechende Genehmigungspflicht mehr. Immerhin: Dem Antwortschreiben ist auch eine Kritik an der Pax zu entnehmen. Das Amt schreibt: «In den Jahren 2002 und 2003 hat unser Amt in dem sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld eine starke Reduktion der Überschusssätze genehmigt. In der inzwischen wesentlich verbesserten wirtschaftlichen Situation wurden die Sätze aber nicht wieder angehoben.»
Tipp: Wer eine Versicherung mit Überschussbeteiligung abschliesst (zum Beispiel Leibrente) oder einer Versicherung Spargelder anvertraut (etwa Einmaleinlage oder Sparversicherung), sollte nur mit dem garantierten Teil rechnen. Denn bei den Überschüssen herrschen Willkür und Intransparenz.
29. März 2009 | Ernst Meierhofer, Redaktion K-Tipp
