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Artikel | saldo 09/2009

Die Axpo macht Stimmung für neue Atomkraftwerke

Der Energiekonzern Axpo behauptet, dass das Atomkraftwerk Beznau kaum CO2 ausstösst. Für AKW-Gegner ist die Kampagne irreführend.

Der Axpo Strommix schont das Klima», verkündet das Energieunternehmen in ganzseitigen Zeitungsinseraten. In einer redaktionell aufgemachten Anzeige behauptet die Axpo, dass sie mit ihrem Strommix aus Wasserkraft, Kernenergie und erneuerbaren Energien nur wenig an Kohlendioxid (CO2) ausstosse. Dieser «konkurrenzlos klimafreundliche Strommix» sei aber längerfristig nicht gesichert. Begründung: Zum einen nehme der Stromverbrauch in der Schweiz ständig zu. Zum andern würden die Strombezugsverträge mit Frankreich auslaufen. Und die ältesten Schweizer AKWs hätten nach 2020 das Ende ihrer Betriebsdauer erreicht.


Laut Axpo ist AKW-Strom «klimafreundlich»

Die Axpo präsentiert auch gleich die Lösung gegen die angeblich drohende Stromlücke: Die beiden ältesten AKWs Mühleberg und Beznau sind zu ersetzen. Der Strom aus Atomkraftwerken sei «klimafreundlich». Laut einer Analyse stosse das AKW Beznau nur 3,04 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilowattstunde (kWh) aus. Die Axpo liefert in der Anzeige Vergleichszahlen: Demnach entstünden bei Windkraftwerken 15,9 Gramm CO2-Äquivalent pro kWh, bei Photovoltaik-Anlagen 59,8 und bei Gaskombikraftwerken 423 Gramm.

Jürg Buri, Leiter der Schweizerischen Energiestiftung, bezeichnet die Anzeigen der Axpo als «Frechheit». Er bezweifelt den tiefen CO2-Wert, den die Axpo für das AKW Beznau ausweist. «Wer viel Geld hat, kann sich die entsprechenden Studien leisten», meint er. Seiner Meinung nach will die Axpo Stimmung machen für den Bau neuer AKWs. Voraussichtlich 2013 wird das Volk darüber abstimmen. Auch der grünliberale Nationalrat Martin Bäumle (ZH) ist überzeugt: «Das ist eine Abstimmungsvorkampagne.» Und der Basler SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner spricht von einer «systematischen Irreführung» durch die Axpo: «Das Problem ist nicht das CO2, sondern die radioaktive Gefährdung und die ungelöste Entsorgungsproblematik.»

Wie viel CO2 AKWs tatsächlich produzieren, ist umstritten. Die eigentliche Erzeugung von Atomenergie ist tatsächlich fast kohlendioxidfrei. Dennoch wird viel CO2 freigesetzt: Beim Abbau von Uran in Minen, dem Transport, der nachfolgenden Aufbereitung für die AKWs, dem Bau der Kraftwerke sowie der Entsorgung der Atomabfälle. Wenn nun die Axpo für das AKW Beznau nur 3,04 Gramm ausweist, ist das im Vergleich zu anderen Studien sehr niedrig. Das atomenergiefreundliche Paul-ScherrerInstitut in Villigen AG hat für die Schweizer Atomkraftwerke einen Durchschnitt von 6 Gramm pro kWh errechnet. Auf höhere Werte kommen ausländische Studien: Das Öko-Institut in Darmstadt beziffert den Ausstoss deutscher Atomkraftwerke mit 32 Gramm, der holländische Forscher Jan Willem Storm van Leeuwen kommt auf bis zu 125 Gramm pro kWh.

Stefan Hirschberg, Leiter des Labors für Energiesystem-Analysen am Paul-Scherrer-Institut, erklärt die Differenzen unter anderem damit, dass je nach Gewinnung des Urans und dessen Aufbereitung andere CO2-Ausstösse resultieren. Den tiefen Wert der Axpo erklärt er sich mit den in Beznau verwendeten Brennstäben: Unter anderem wird rezykliertes Uran aus alten Atombomben verwendet. Die Gewinnung des Urans wird in der CO2-Rechnung dem Erstprodukt zugeschrieben, also den Atomwaffen.


Streit um Notwendigkeit neuer Atomkraftwerke

Axpo-Sprecherin Daniela Biedermann sagt, der CO2-Ausstoss des AKWs Beznau sei nach international anerkannten Kriterien berechnet. Für die Axpo sei der Ersatz veralteter AKWs durch neue die praktikabelste Lösung, um die Stromsicherheit nach 2020 zu garantieren. AKW-Gegner widersprechen: Sie verweisen auf Berechnungen des Bundesamtes für Energie, wonach sich die Strom-Produktion der AKWs Beznau 1 und 2 sowie Mühleberg mit erneuerbaren Energien wie Geothermie, Biogas oder Wind ersetzen lässt.

10. Mai 2009


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