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Artikel | saldo 10/2009

Berufsleben

Bruno Weber, 40, selbständiger Geschäftsführer des Volg-Ladens in Näfels GL

Verkaufen ist mehr als einfach Ware an die Frau oder den Mann zu bringen. Verkaufen ist eine Kunst. Und das gefällt mir an der Arbeit in meinem Dorfladen. Eigentlich habe ich ja Bäcker/Konditor gelernt. Aber das wollte ich nicht ewig bleiben. Als Bäcker war ich abends im Bett, wenn alle Kollegen ausgingen, weil ich morgens früh raus musste. Also schaute ich mich nach etwas anderem um und landete durch Zufall als Verkäufer in einem Modefachgeschäft.

Dort habe ich von meinem Vorgesetzten gelernt, was Verkaufen heisst. Dann habe ich in ein anderes Modegeschäft gewechselt, wo ich den Beschaffungsmarkt kennenlernte – und die Welt der Fashionshows, Models und Promis. Das war spannend, aber ich wollte irgendwann wieder etwas Handfesteres tun. Darum habe ich mich als selbständiger Franchisenehmer von Volg beworben. Seit vier Jahren habe ich nun den Dorfladen hier in Näfels. Nebst den Volg-Produkten führe ich viele regionale Spezialitäten, etwa Käse und Weine. Und Fleisch vom Metzger im Ort sowie Brot vom Bäcker.

Bei mir ist alles frisch, und man weiss, woher es kommt. Beim Käse machen wir drei Viertel des Umsatzes mit den verschiedenen Sorten der kleinen Käsereien aus der Gegend. Darum habe ich keine Angst vor Aldi, der nächstes Jahr in der Nähe eine Filiale eröffnen will. Eine solche Vielfalt an regionalen Produkten findet man dort nicht. Und es wird immer Leute geben, die für gute Qualität einen angemessenen Preis bezahlen. Ausserdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Konsumenten «Gewohnheitstiere» sind: Man weiss, wo was steht und was man fürs Geld bekommt. Und will daran nichts ändern, wenn es nicht zwingende Gründe dafür gibt.

Natürlich merken auch wir, dass manche Kunden wegen der Finanzkrise mehr auf den Preis schauen. Aber es gibt auch andere, die eher mehr einkaufen als früher, weil sie öfter zu Hause statt auswärts essen. Mein Arbeitstag beginnt morgens um sechs, wenn die Lieferanten Frischprodukte anliefern. Eine halbe Stunde später öffnen wir. Die Büezer sind unsere ersten Kunden. Sie kaufen sich ihren Zmorge, Zigaretten oder den Znüni. Bis um etwa halb acht ist alles eingeräumt, und bald danach kommen die ersten Hausfrauen und die älteren Leute zum Einkaufen.

Viele unserer Kunden sind Stammkunden. Ich und mein zehnköpfiges Team kennen sie beim Namen und wissen auch einiges aus ihrer Lebensgeschichte. Bei uns kann man sich Zeit nehmen fürs Einkaufen und auch mal für einen kleinen Schwatz. Um halb eins schliessen wir bis um zwei. Aber richtig los geht es erst wieder etwa um drei Uhr. Dann aber geht es rund, bis um halb acht Ladenschluss ist.

Es sind lange Tage, aber meistens auch gefreute. Ärger gibt es wenig, mit dem Personal nicht und mit der Kundschaft nur ganz selten. Einmal erwischte ich einen über 70-jährigen Kunden beim Ladendiebstahl. Er packte im Geschäft immer alle Ware in seine Einkaufstasche, an der Kasse aber nicht mehr alles aus. Seinen Tabak schmuggelte er wohl seit einiger Zeit auf diese Weise aus dem Laden. Für mich war es sehr unangenehm, den alten Mann beim Diebstahl zu ertappen. Ihm hingegen schien es nicht besonders peinlich. Er ist heute noch Kunde – nur bezahlt er jetzt immer alles. Ein anderes Mal bin ich einem Burschen hinterhergerannt, der Zigaretten klaute. Dabei bin ich nicht mal so sportlich. Ich engagiere mich lieber kulturell als Mitglied des Fasnachts- und des Verkehrsvereins. Und ich bin gerne in der Natur.

23. Mai 2009 | Marianne Siegenthaler


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