Artikel | K-Tipp 11/2009
Der Bund ist kein leuchtendes Beispiel
Krise hin oder her: Gewisse Bundesbetriebe wollen nicht mal die Hälfte ihrer Lehrabgänger weiterbeschäftigen.
Doris Leuthards Appell war fast schon flammend: Man möge doch in diesen Krisenzeiten Jugendliche nach dem Lehrabschluss bitte nicht auf die Strasse stellen, forderte die Bundesrätin die Arbeitgeber Ende April eindringlich auf. Tatsächlich ist die Lage sehr ernst: Falls keine Gegenmassnahmen ergriffen werden, rechnet der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) für 2010 mit rund 35’000 als arbeitslos registrierten und 50’000 bis 60'000 effektiv erwerbslosen Jugendlichen unter 25 Jahren. Doch wie gut befolgen der Bund selber und seine Betriebe den Aufruf der Volkswirtschaftsministerin?
- Swisscom: Der Telecomriese will diesen Sommer wie vor einem Jahr rund 44 Prozent seiner Lehrabgänger anstellen: 97 Jugendliche – gegenüber 106 im Sommer 2008.
- Ruag: Beim bundeseigenen Technologiekonzern plant man, 30 der 70 Lehrabgänger (43 Prozent) zu behalten. Vor Jahresfrist waren es sogar nur 28 von 75 (37 Prozent).
- SBB: Die Bundesbahnen beschäftigten letztes Jahr knapp zwei Drittel ihrer Lehrabgänger weiter. Wie viele der 350 Abschliessenden es in diesem Jahr sein werden, lassen die SBB noch offen.
- Post: Bei der Post sollen – wie im vergangenen Sommer auch – rund 90 Prozent oder knapp 450 der fast 500 Lehrabgänger bleiben können.
- Skyguide: Die Flugsicherung verzeichnet wie im Sommer 2008 nur 2 Lehrabgänger – und wird erneut keinen behalten.
- Bundesverwaltung: Vor einem Jahr konnten knapp 40 Prozent der insgesamt 270 Lehrabgänger (inkl. Praktikanten) bei der Bundesverwaltung bleiben. Zahlen für diesen Sommer erhielt der K-Tipp noch keine. Man arbeite am Aufbau des Programms «Ponte», mit dem Lehrabgänger der Bundesverwaltung die Möglichkeit erhalten sollen, ein befristetes Praktikum zu absolvieren.
Gewerkschaftssekretär Jean Christophe Schwaab, Präsident der SGB-Jugendkommission, spricht von einer mageren Bilanz. Er fordert: «In dieser schweren Krise darf es für öffentliche Betriebe und Verwaltungen bezüglich ihrer Lehrabgänger nur ein Ziel geben: alle, die bleiben wollen, weiterzubeschäftigen.» Die Post zeige, dass das möglich wäre.
01. Juni 2009 | Gery Schwager, Redaktion K-Tipp
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Der Bund ist kein leuchtendes Beispiel
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