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Artikel | Gesundheits-Tipp 07+08/2009

Verseuchtes Poulet-Fleisch

Die Infektionen mit Campylobacter nehmen von Jahr zu Jahr zu. Die Behörden haben das Problem nicht im Griff – Fleischliebhaber müssen selber aufpassen.

Vor zwei Jahren waren es noch knapp 6000, letztes Jahr bereits 8200 Fälle – immer mehr Leute erkranken an Campylobacter. Die Betroffenen klagen über Durchfall, Erbrechen, Bauch- und Gelenkschmerzen. Der Keim schlummert vor allem im Pouletfleisch. Eine Stichprobe der Zeitschrift «Saldo» hat Anfang Jahr gezeigt: Jedes dritte Poulet aus dem Laden ist mit Campylobacter verseucht. Und das Bundesamt für Veterinärwesen (Bvet) stellte in einer Untersuchung fest: Im Sommer sind bis zu 90 Prozent des Geflügels in Mastbetrieben vom Keim betroffen. Campylobacter kommt zwar auch in Schweine- und Rindfleisch vor. Doch die Produzenten lassen das Fleisch einige Tage abhangen, bevor es in den Verkauf kommt. Dabei sterben die Campylobacter-Keime ab. Poulet hingegen kommt rasch in den Verkauf.


Norwegen: Nur 5 Prozent Pouletfleisch ist infiziert

Andere Länder haben das Problem besser im Griff: In ihrem letzten Bericht meldete die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, dass in den letzten fünf Jahren in Norwegen gerade mal 5 Prozent des Pouletfleisches infiziert waren, in Belgien 6 Prozent. Die Schweizer Behörden geloben Besserung. Ende 2008 rief das Bvet die «Campylobacter-Plattform» ins Leben. Laut Bvet sind sich die Experten einig, dass die Anstrengungen in der Produktionskette «intensiviert» werden müssen. Bisherige Massnahmen, die bei Salmonellen gewirkt haben, konnten die Campylobacter-Infektionen nicht eindämmen. Das heisst: Solange Behörden die Konsumenten nicht schützen können, müssen sie dies selber tun. Das Campylobacter-Risiko kann man massiv senken, wenn man mit dem Fleisch richtig umgeht (siehe unten).


Beschwerden klingen meist von alleine wieder ab

Falls jemand doch krank wird, gilt vor allem: viel Ruhe, viel trinken. Denn der Körper verliert viel Wasser. Die Beschwerden klingen nach einigen Tagen meist von alleine wieder ab. Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser: «Wenn Durchfall und Erbrechen allerdings länger als eine Woche anhalten, Bauch- und Gelenkschmerzen sowie Fieber hinzukommen, dann sollten die Patienten zum Arzt.»


Tipps: Campylobacter – Das müssen Sie beim Grillieren wissen

Passen Sie auf, dass rohes Fleisch  nicht mit Saucen und Beilagen in Kontakt kommt.
In gefrorenem Fleisch und in Pouletfleisch ohne Haut kommt Campylobacter weniger vor.

  • Braten Sie das Fleisch immer vollständig durch. Durchgebratenes Pouletfleisch hat keine roten Stellen mehr und löst sich gut von den Knochen.
  • Braten Sie Bratwürste, bis sie auch innen heiss sind.
  • Lecken Sie nach dem Berühren des marinierten Fleisches die Finger nicht ab
  • Werfen Sie die restliche Marinade weg.
  • Waschen Sie Ihre Hände gründlich mit Warmwasser und Seife, nachdem Sie Fleisch berührt haben. Falls kein Wasser da ist: Wischen Sie die Hände an einer Papierserviette ab.
  • Reinigen Sie auch Schneidebrett, Besteck und Grillzangen mit Papier.
  • Rotes Fleisch wie Rind- und Schweinefleisch enthält weniger Campylobacter-Keime.

29. Juni 2009 | Andreas Grote


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