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Wer ein Bankprodukt kauft, möchte den Preis kennen. Bei 100 Gramm Gold ist er klar, bei einem Anlagefonds weniger. K-Geld zeigt, wie sich Fondskosten zusammensetzen und vergleichen lassen.
Statt auf die Kosten zu achten lassen sich Fondskäufer oft durch die gute Rendite der Fonds blenden. Doch die rückblickend erzielte Performance ist keine Erfolgsgarantie für die Zukunft. Jedes Jahr fallen Fondskosten an, die sogenannten indirekten Gebühren. Und diese beeinflussen die Anlagebilanz über die – meist langen – Laufzeiten oft stärker.
Ein Beispiel: Ein Käufer investiert 75’000 Franken in Fonds. Die jährlichen Gesamtkosten betragen 1 Prozent. Bei einer Durchschnittsrendite von 6 Prozent erhält der Anleger nach 15 Jahren knapp 156’000 Franken. Fallen aber 2 Prozent Fondsgebühren an, reduziert sich die ausbezahlte Summe auf rund 135’000 Franken. Die um 1 Prozent höheren Kosten fressen also über 20’000 Franken weg. Wer einen Fonds kaufen will, sollte zuerst die jährlichen Gebühren prüfen (siehe «Checkliste» unten). Beim Auswählen unter Tausenden von Fondsprodukten kann der Vergleich zu einer Herkulesaufgabe werden.
Direkte Kosten merkt der Anleger im Portemonnaie
Wer Fondsanteile kauft, zahlt direkte und indirekte Kosten (Details siehe im Beispiel «Gebühren bei einem 10’000-fränkigen Fondskauf» im pdf-Artikel):
Bei einigen Fonds wird dem Fondsinhaber beim Verkauf eine Rücknahmegebühr belastet: Die Höhe weiterer direkter Fondskosten, wie zum Beispiel Vermögensverwaltungs- und Depotgebühren, bestimmt die Bank, bei der die Fonds im Depot liegen. Um die eigenen Produkte zu fördern, belasten viele Banken für diese Fonds keine oder stark reduzierte Depotgebühren (siehe auch K-Geld 2/09, «Börselen im Internet»).
Indirekte Kosten senken den Wert der Fondsanteile
Alle Verwaltungskosten, die dem Fonds innerhalb eines Jahres belastet werden, fallen unter die indirekten Kosten. Sie werden dem Anleger nicht direkt belastet, sondern drücken den Wert der Anteile nach unten. Deshalb beeinflussen indirekte Kosten die Rendite langfristig am stärksten.
Den grössten Posten bilden dabei die Managementgebühr (Management Fee) und die Vertriebsentschädigung. Die Management Fee behält der Fondsmanager als Entgelt für die Fondsverwaltung. Weiter stecken die Fondshäuser viel Geld in Marketing und Vertrieb, damit sie ihre Produkte verkaufen können. Diese Kosten berappt indirekt ebenfalls der Kunde.
Ein ganzer Korb voller versteckter Kosten
Zusammen mit den Gebühren für Administration, Depotbank und den sonstigen Kosten werden diese indirekten Kosten meist mit der Kennzahl TER (Total Expense Ratio) bezeichnet und gemessen. Sie bezeichnet in Prozenten den jährlichen Verwaltungsaufwand des durchschnittlichen Fondsvermögens. Berechnungsgrundlage bilden die effektiven Werte der vergangenen Rechnungsperiode.
Die TER umfasst Fonds-Depotgebühr, Entschädigungen fürs Portefeuillemanagement, den Vertrieb sowie für die Fondsadministration. Dazu kommen Kosten für Wirtschaftsprüfung, Aufsichtsbehörden und für Mitteilungen an die Anteilsinhaber.
Kennzahl TER: Je tiefer, desto besser
Die TER eignet sich nur für Vergleiche von Fonds derselben Fondskategorie. Je tiefer die Kennzahl ist, desto besser (siehe unten «Fondsanbieter im Kostenvergleich»). Wo keine TER ausgewiesen ist, gibt die pauschale Verwaltungs- oder Managementgebühr einen Anhaltspunkt über die Höhe der indirekten Kosten. Angaben zur TER finden sich im Jahresbericht oder auf dem Fonds-Factsheet. Und unter www.swissfund data.ch finden Sie in der Schweiz zugelassene Fonds mit Fondsbeschrieb und Angabe der TER.
Zur TER zählt auch die Performance-Gebühr. Sie geht an den Fondsmanager respektive an die Fondsgesellschaft und ist die Belohnung für eine gute Leistung. Verbreitet ist die Performance-Gebühr vor al-lem bei hochspekulativen Hedge-Fonds. Die Gefahr dabei: Fondsmanager erhalten durch die Performance-Gebühr Anreize, hohe Risiken einzugehen, um viel zu verdienen.
Matthias Weber von der Fondsanalyse-Firma ifund Services betont, dass die TER nicht sämtliche indirekten Kosten abdeckt: «Sie berücksichtigt nicht, was der Fonds für den Kauf und Verkauf von Wertschriften und Devisen ausgibt.» Weber spricht die sogenannten Transaktionskosten an. Im Vergleich zur TER sind sie aber meist gering.
Trotz Finanzkrise: Keine tieferen Fondsgebühren
Fondsanbieter haben ihre Management- und Vertriebskosten trotz Finanzkrise nicht gesenkt. Ed Moisson von der Fonds-Research-Gesellschaft Lipper sagt: «Über die vergangenen Jahre sind die Managementgebühren der Fonds kontinuierlich gestiegen. Diese Bewegung hat sich nun verlangsamt, ein Rückgang ist jedoch nicht festzustellen.» Nach Untersuchungen von Lipper sind die durchschnittlichen Managementgebühren für einen europäischen Aktienfonds im Laufe der letzten 15 Jahre von 1,3 auf 1,6 Prozent pro Jahr gestiegen.
Jakob Baur vom Internetinformationsdienst Fundexplorer ergänzt: «Obwohl insbesondere beim Markteintritt neuer Anbieter immer wieder das Argument von sinkenden Kosten bei mehr Wettbewerb hervorgehoben wird, hat sich das für den Anleger nicht bestätigt.»
Checkliste
Fondsanbieter im Kostenvergleich
Die Tabelle im pdf-Artikel zeigt, wie viel Verwaltungsgebühren Fondsanbieter im Durchschnitt für in der Schweiz zugelassene Aktienfonds kassieren. Dargestellt ist die durchschnittliche Total Expense Ratio (TER), also der Löwenanteil der indirekten Kosten. Berücksichtigt wurden Anbieter mit Aktienfonds Schweiz, Europa, Nordamerika und Asien. Bei den günstigsten Anbietern handelt es sich um Fondsgesellschaften mit passivem Anlageansatz. Das heisst, sie versuchen bei Titelwahl und -gewichtung die Struktur eines Aktienindexes nachzubilden. Solche Indexfonds werden nicht aktiv gemanagt, die Kosten sind daher oft tiefer. Die meisten Indexfonds sind als Exchange Traded Fund (ETF) aufgelegt.
23. August 2009 | Werner Grundlehner, Bernhard Bircher-Suits