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Die Preise sind angeschrieben, doch die Qualität der Ware ist unbekannt. Hier bringen Tests Licht ins Dunkel. Eine saldo-Umfrage zeigt: Mehr als ein Drittel der Kunden beachtet Testresultate beim Einkauf regelmässig.
Immer mehr Waren drängen in die Regale, immer mehr Grossverteiler entdecken die Schweiz. Das stetig wachsende Sortiment geht jedoch zu Lasten der Übersichtlichkeit: Der Kunde hat die Qual der Wahl – und sucht in Testberichten nach Orientierung. Auf der Suche nach dem besten Produkt ziehen immer mehr Konsumenten – ob zufällig, sporadisch oder bewusst und systematisch – Produkttests zu Rate. Statt mühsame und kostspielige Selbstversuche durchzuführen, studieren sie Tests, wie sie K-Tipp oder saldo als einzige Zeitschriften in der Schweiz ihren Lesern anbieten.
Lebensmitteltests werden am meisten beachtet
Laut einer im Auftrag von saldo vom Institut Link durchgeführten Erhebung kauft rund ein Drittel der Befragten häufig einen Artikel, der in einem Test gut abgeschnitten hat. Über 40 Prozent tun dies ab und zu. Nur jeder fünfte Konsument gab an, nicht auf Tests zu achten. Diese Gruppe greift nach eigenen Aussagen entweder immer nach dem gleichen oder dem günstigsten Produkt.
Die Bedeutung der Tests für die Kunden ist je nach Produktgruppe unterschiedlich (siehe Grafik im pdf-Artikel). Am meisten beachtet werden Lebensmittelanalysen (von knapp 37 Prozent). Ähnlich häufig helfen Tests bei Einkaufsentscheiden in den Bereichen Unterhaltungselektronik (35 Prozent) und vor den Regalen mit Körperpflege- oder Kosmetikprodukten (33 Prozent). Auch beim Kauf von Haushaltsgeräten spielen sie für fast jeden dritten Befragten (28 Prozent) eine wichtige Rolle. Insgesamt informieren sich laut Umfrage 45 Prozent der Konsumenten immer wieder über Tests, 42 Prozent suchen vor bestimmten Einkäufen gezielt nach Testresultaten.
Testsieger-Produkte verkaufen sich deutlich besser
Dass die Kundinnen und Kunden bewusster einkaufen als früher, haben auch einzelne Grossverteiler bemerkt. Immer mehr Läden bieten Produkte an, die mit dem Aufkleber «Testsieger» versehen sind. Zurzeit sind das vor allem Kosmetik- und Pflegeprodukte sowie Reinigungsmittel. Der Grund dafür liegt laut Migros-Mediensprecher Urs Peter Naef einerseits in der längeren Haltbarkeit dieser Produkte, andererseits in der zum Teil geringen Unterscheidbarkeit: «Jedes Putzmittel putzt sauber, jedes Waschmittel wäscht sauber», so Naef. Da sei ein unabhängiges Gütesiegel sehr hilfreich. Es fördere den Verkauf solcher Produkte um 5 bis 10 Prozent.
Dies ist laut der saldo-Befragung recht plausibel: Immerhin 22,2 Prozent gaben an, auf jeden Fall nach dem «Testsieger» zu greifen, wenn dieser im Laden speziell kenntlich gemacht wird. Jeder Zweite (54 Prozent) baut dagegen eher auf eigene Erfahrungen oder Gewohnheiten. Er kauft das bekannte Produkt, egal ob es sich dabei um den Testsieger handelt oder nicht. Rund 10 Prozent der Befragten wollen oder müssen beim Einkaufen möglichst viel sparen. In ihrem Einkaufswagen landet stets das günstigste Angebot.
Die Akzeptanz der Aufkleber bei den Kunden ist also unterschiedlich. Dies sind auch die Erfahrungen von Coop. Zwar gebe es dazu keine internen Erhebungen, so Mediensprecher Karl Weisskopf. «Der Einfluss hängt aber stark vom Produkt und von der Glaubwürdigkeit der Auszeichnung ab.»
Hersteller ziehen oft Konsequenzen aus den Testresultaten
Auch wer beim Einkaufen nicht besonders auf Testresultate achtet, profitiert von den Investitionen der Konsumentenpresse. Das zeigen die Erfahrungen der Testredaktion von «K-Tipp» und saldo: Nicht selten ziehen die Händler nach der Information über die Testergebnisse bestimmte Waren aus den Regalen zurück. Häufig werden aufgrund der Testergebnisse die Rezepturen geändert – vor allem im Bereich der Lebensmittel und Kosmetika. Eine nicht repräsentative Umfrage bei rund 100 Händlern und Herstellern hat denn auch ergeben: Zwei Drittel davon begrüssen die Warentests der Konsumentenzeitschriften und erkennen darin eine Chance, rund ein Drittel sieht in den unabhängigen Analysen vor allem ein (Geschäfts-)Risiko.
«Tests zeigen immer wieder: Teuer kann gut sein, muss aber nicht»
saldo hat in verschiedenen Läden Kundinnen und Kunden gefragt, wie häufig sie Tests von Konsumentenzeitschriften beachten.
«Ich kaufe immer nur Produkte, bei denen gerade eine Aktion läuft.»
Vezire Cerkezi, 38, Hausfrau, Denner Rapperswil SG
«Ich lese manchmal Tests. Sie zeigen immer wieder: Teuer kann gut sein, muss aber nicht.»
Elsbeth Skonnord, 78, Rentnerin, Migros Rapperswil SG
«Wir haben zu Hause den K-Tipp abonniert. Meine Mutter liest die Testberichte und kauft auch Produkte mit dem Testsieger-Aufkleber.»
Manuela Hatt, 20, Bürokauffrau, Coop Rapperswil SG
«Ich habe nicht immer Zeit, Tests zu lesen. Als ich aber kürzlich einen Drucker-Scanner suchte, wollte ich ein Gerät mit möglichst günstigem Unterhalt. Im Geschäft hat man mir dann den Testsieger von K-Tipp empfohlen. Dieser Auszeichnung habe ich vertraut und das Gerät gekauft. Auch bei einer Grossanschaffung wie zum Beispiel einem Auto würde ich Tests studieren.»
Daniela Lee, 52, Personalleiterin, Coop Rapperswil SG
«Ich finde Tests interessant und orientiere mich manchmal auch daran. Ich lese sie immer wieder gerne, um mich darin bestätigt zu wissen, dass billig nicht gleich schlecht ist.»
Werner Fuchs, 38, arbeitet im Gastgewerbe, Aldi Wädenswil ZH
«Ich lese Tests nur bei Grossanschaffungen. Zum Aldi gehe ich bei Aktionen wie bei technischen Geräten, Möbeln etc. Bin immer wieder überrascht von der guten Qualität.»
Roger Häusler, 43, Treuhänder, Aldi Wädenswil ZH
«Ich lese Tests, kaufe danach ein und mache dann den Selbsttest. Was Aldi angeht, haben mich Tests davon überzeugt, dass die Produkte genauso gut oder besser sind als die von Coop oder Migros.»
Leonor Gmür, 43, Kosmetikerin, Aldi Wädenswil ZH
«Bei Anschaffungen für die Kinder richte ich mich nach Tests, bei Lebensmitteln
weniger. Hier kaufe ich eher Aktionsangebote.»
Bettina Feusi, 27, Sachbearbeiterin, Aldi Wädenswil ZH
Die Umfrage
Das Luzerner Link Institut für Markt- und Sozialforschung führte im Frühjahr im Auftrag von saldo eine repräsentative Umfrage zum Thema «Testnutzung» durch. Dazu wurden 1028 Personen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren aus der ganzen Schweiz interviewt. saldo wollte wissen, wie weit Tests in Konsumentenzeitschriften beachtet werden und Kaufentscheide beeinflussen.
23. August 2009 | Gertrud Rall
