|
(0) |
Wer Bio kauft, unterstützt laut Bio Suisse den «achtsamen Umgang mit Ressourcen». Doch Schweizer Bio-Bauern lassen ihre Lehrlinge unerbittlich schuften.
Max-Havelaar-Produkte versprechen faire Arbeitsbedingungen. Wer Bananen mit diesem Label kauft, hat Gewähr, dass etwa bei den Bauern in Mittelamerika eine maximale Arbeitszeit von 48 Stunden pro Woche eingehalten wird. Dieser Standard gilt laut der Schweizer Fairtrade-Organisation für alle Beschäftigten in Max-Havelaar-Betrieben der Dritten Welt.
Davon können Lehrlinge auf Schweizer Bio-Höfen nur träumen. Denn das Gütesiegel Bio Suisse sagt über die Arbeitsbedingungen nichts aus. «Ich muss 65 bis 70 Stunden pro Woche arbeiten», sagt ein 17-jähriger Freiburger, der eine Lehre als Bio-Landwirt absolviert. Frei gibt es nur jedes zweite Wochenende, auch an Feiertagen muss er arbeiten, ohne Kompensation. «Wenn ich mal frei habe, bin ich viel zu kaputt, um mich mit Kollegen zu treffen. Ich schlafe nur noch.» Verstösse gegen Arbeitsgesetze sind in der Bio-Branche nicht selten. «Alle Lehrlinge, die ich kenne, schaffen ebenso lange», erzählt der 17-Jährige.
Bauernverband findet die langen Arbeitszeiten üblich und notwendig
Lehrlinge in der Landwirtschaft sind ohnehin schlechter gestellt als in allen anderen Berufen, weil der Bauernverband die Kantone zu Sonderregelungen drängte. So erlauben die Normalarbeitsverträge in den Deutschschweizer Kantonen den Landwirten, ihre Lehrlinge 55 Stunden pro Woche ackern zu lassen. Nur einzelne Westschweizer Kantone beschränken die Arbeitszeit: Waadt etwa auf 52 Stunden, Genf auf 49 und das Wallis auf 48 Stunden.
Die meisten Bauernlehrlinge schuften daher mindestens 10 Stunden mehr pro Woche als Auszubildende in anderen Berufen. Laut dem Schweizerischen Bauernverband sind lange Arbeitszeiten auf Schweizer Bauernhöfen üblich und ökonomisch notwendig. Pressesprecherin Sandra Helfenstein: «Ein Lehrling lernt so die Realität seines Berufs kennen.»
Der Konsument kann wenig dagegen tun, dass Lehrlinge für seine Lebensmittel aus Schweizer Produktion zu viel schuften. Bio-Produkte sind da keine Alternative. «Bei den Arbeitszeitregelungen stützen wir uns auf die Gesetzgebung», sagt Bio-Suisse-Sprecherin Jacqueline Forster,«eine spezielle Bio-Regelung gibt es nicht.»
23. August 2009 | Eric Breitinger, Redaktion saldo
