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Der Film «Home» macht auf die Ausbeutung der Natur durch den Menschen aufmerksam. Die Naturaufnahmen sind ein Erlebnis.
Umweltschutz fürs Auge
Der Film «Home» wurde diesen Sommer als Medienereignis inszeniert: Zeitgleich in weltweit über 50 Ländern lief er am 5. Juni in den Kinos und im Internet auf Youtube an. Der Rummel sollte die ernste, globale Botschaft des Films unterstreichen: Die Menschen müssen jetzt handeln, um etwas gegen die Klimaerwärmung zu unternehmen. Laut dem Filmemacher Yann Arthus-Bertrand (Fotograf der Reihe «Erde von oben») habe man dazu noch knapp zehn Jahre Zeit.
Es entstand ein eindrückliches Plädoyer für mehr Naturschutz und gegen die Ausbeutung der Erde. Ein Kommentar begleitet die Naturaufnahmen und gibt Hintergrundinformationen zur Umweltschutzproblematik. Leider ist der Kommentar die Schwachstelle des Films: Je länger «Home» dauert, desto moralisierender und pathetischer tönt der Text.
Die Dokumentation überzeugt trotzdem, was an den ausnahmslos eindrucksvollen Bildern liegt. Yann Arthus-Bertrand gelingen Luftaufnahmen von selten gesehener Schönheit. Wenn er neben den Naturwundern die Spuren der menschlichen Zerstörung der Landschaften zeigt, braucht es keinen Kommentar, um die Botschaft des Filmes zu verdeutlichen. Neben Bildern der arktischen Eislandschaft und argentinischen Wasserfälle stehen abgeholzte Wälder oder die bizarre «Plastikküste» vom spanischen Almería, wo 36’000 Hektar Agrarfläche mit Plastik überzogen sind.
Fazit: Wer den Kommentar nicht mag, lege einfach seine eigene Musik auf, lasse die Bilder auf sich wirken und mache sich seine eigenen Gedanken zum Umweltschutz.
«Home.» Ein Film von Yann Arthus-Bertrand. Frankreich 2009. 90 Min. Anbieter: JMH Distributions, 2009.
CD-Tipps
Pop/Rock: Neue Leichtigkeit
Viele erinnern sich noch an die markante Stimme im Superhit «Zombie» der irischen Band Cranberries. Der modulierte Gesang nervte manche, die meisten liebten aber die Stimme von Dolores O’Riordan. Nach einer Auszeit wandelt die Singer/Songwriterin auf Solopfaden. Die Zutaten auf dem Album «No Baggage» bestehen immer noch aus rockigen Gitarren, Ohrwurm-Melodien und einem Schuss Irish Folk. Die frühere Schwermut ist indes neuer Leichtigkeit gewichen. Die 38-Jährige flirtet mit dem Pop, ohne in Belanglosigkeit abzugleiten. Auch scheut sie sich nicht vor Experimenten wie indianischen Rhythmen oder Beatles-Zitaten. Wer die Cranberries mochte, dem wird auch das Solowerk gefallen.
Dolores O’Riordan, «No Baggage», Phonag
Klassik: Richard Strauss kompakt
Viel Drive, dafür wenig Bombast: Dirigent Fabio Luisis Interpretation von Richard Strauss’ Tondichtungen setzt neue Akzente. Zusammen mit der Staatskapelle Dresden präsentiert er «Don Juan», «Aus Italien» und «Don Quixote». Extreme – sei es im oberen oder unteren Spektrum der Skala – prägen die Aufnahme ebenso wie eine differenzierte Tempogestaltung, die den spätromantischen Charakter der am Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Kompositionen besonders betont. Dabei dominiert ein kompakter Gesamtklang, der verhindert, dass die Musik ob all der dynamischen und rhythmischen Feinhei-ten je auszufransen droht.
Richard Strauss, «Don Juan», «Aus Italien», «Don Quixote», Staatskapelle Dresden, Fabio Luisi, Sony, 2 CDs
Jazz: Schlauer Kopf
Vijay Iyer ist ein musikalischer Detektiv, der verborgene Zusammenhänge zwischen Avantgarde-Jazz und Pop aufspürt. Seine neue CD hat er mit dem agilen Bassisten Stephan Crump und dem phänomenalen Schlagzeuger Marcus Gilmore eingespielt. Der indo-amerikanische Pianist präsentiert neben Eigenkompositionen vielschichtige Bearbeitungen eher obskurer Jazz-Nummern («Smoke Stack» von Andrew Hill; «Dogon A.D.» von Julius Hemphill) und einprägsame Songs von M.I.A. und Stevie Wonder. Aber Achtung: Iyer ist alles andere als ein Populist, er gibt sich nicht mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner zufrieden, sondern favorisiert komplexe, manchmal etwas kopflastige Lösungen.
Vijay Iyer Trio, «Historicity», Act
07. September 2009 | Marc Mair-Noack, thl, trü, tom
