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Mit einer Operation will der Schönheitschirurg Thomas Muehlberger Migräne heilen. Doch Experten sind skeptisch: Die Wirkung des Eingriffs ist nicht belegt.
Mit einem kleinen Schnitt über der Lidfalte gelangt der Chirurg zum Gesichtsmuskel, der für die Zornesfalte verantwortlich ist. Er entfernt ihn – und weg ist die Migräne. Kein hämmernder Schmerz mehr, keine Sehstörungen und keine Übelkeit. Das verheisst der deutsche Schönheitschirurg Thomas Muehlberger. Er besitzt mehrere Kliniken in Europa, eine davon in Zürich.
Für Muehlberger liegt die Ursache für Migräne-Attacken häufig in einer verkrampften Zornesfalte. 400 Menschen hat er nach eigenen Angaben mit der Operation geholfen, 40 davon in Zürich. Muehlberger sagt, dass er auf diese Weise «bei rund der Hälfte der Patienten eine deutliche Besserung» erziele. 5000 Franken verlangt er für einen Eingriff, die Kosten trägt der Patient. Im Internet bezeichnet sich der Arzt als «medizinischer Pionier».
Das sehen renommierte Fachleute anders: Peter Sandor, Oberarzt der Neurologie des Universitätsspitals Zürich, sagt, Muehlbergers Methode sei «nicht genügend wissenschaftlich fundiert und von experimentellem Charakter». Es gebe keine Untersuchung, welche beweise, dass der Eingriff bei Migräne wirke. Gemäss Peter Sandor spielt ein einzelner Gesichtsmuskel beim Entstehen von Migräne keine wesentliche Rolle. Das sagt auch Ethan Taub, Neurochirurg am Universitätsspital Basel und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft. Beide raten Migräne-Patienten davon ab, sich unters Messer zu legen. Sie müssten sich bewusst sein, dass das Gesicht nach dem Eingriff weniger Ausdruck besitze. Sandor kritisiert auch den «hohen Preis» für die Operation.
Thomas Muehlberger verweist auf die «vielen erfolgreichen Eingriffe». Die Migräne-Operation sei aber kein Allheilmittel, räumt auch er ein. Doch er kläre die Beschwerden der Patienten vor einer Operation genau ab: Bei Betroffenen, die in Frage kommen, simuliere er den Eingriff durch einen Test: Er spritzt Botox in den Muskel, um diesen für sechs bis acht Wochen zu lähmen. Der Patient führt während dieser Zeit ein Migräne-Tagebuch. «Werden die Schmerzattacken eindeutig weniger stark und häufig, operieren wir.» Muehlberger verweist auch auf eine kürzlich erschienene Studie. Sie beweise, dass die Operation wirke. Für Neurochirurg Taub ist der wissenschaftliche Wert dieser Studie jedoch «gleich null.»
Für Migräne-Patienten gibt es andere Therapien, die helfen. Diese stützen sich ab auf Verhaltensänderungen, vorbeugende Massnahmen und Medikamente. Sandor rät Migräne-Patienten, den Auslöser ihrer Attacken zu suchen: Stress, Menstruation oder Alkohol können Gründe für eine Migräne sein. Um einer Migräne-Attacke vorzubeugen, sind frische Luft und regelmässige Bewegung hilfreich. Hinzu kommen Ruhe, genügend Schlaf und regelmässige Mahlzeiten. Auch Magnesium, Coenzym Q10 oder hochdosiertes Vitamin B2 nützen. Sandor: «Diese Substanzen sind wissenschaftlich untersucht, und wir machen damit gute Erfahrungen.»
In Einzelfällen helfen auch Medikamente gegen Epilepsie und Depressionen. Medikamente können auch dann helfen, wenn sich eine Migräne ankündigt: Je nach Heftigkeit können Patienten ihr pulsierendes Kopfweh mit unterschiedlichen Schmerzmitteln lindern. Diese reichen vom Migräne-Aspirin bis zu rezeptpflichtigen Triptanen. Peter Sandor: «Die Medikamente nützen am besten, wenn man sie frühzeitig einnimmt.» Der Migräne-Experte warnt jedoch vor zu häufigem Gebrauch: «Man sollte nicht an mehr als zwei Tagen pro Woche Migräne-Medikamente einnehmen.» Andernfalls bestehe das Risiko, dass sich die Migräne-Attacke in einen dauernden Spannungskopfschmerz umwandle. Zudem könne man von diesen Medikamenten abhängig werden.
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04. Oktober 2009 | Gabriela Braun, Redaktion Gesundheitstipp
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