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Artikel | Gesundheits-Tipp 10/2009

«Sanatop hätte mich im Voraus informieren müssen»

Medikamente auf Rezept verrechnen Apotheken meist direkt mit der Krankenkasse. Doch bei einigen Kassen müssen Patienten Medikamente bar zahlen. Für chronisch Kranke wird das zum Problem.

Als die 42-jährige Yvonne Hügli aus Buchs AG letztes Jahr zur Krankenkasse Sanatop wechselte, freute sie sich noch: Die Prämie war deutlich günstiger. Die böse Überraschung kam, als sie ihre Magentabletten in der Apotheke abholen wollte. «Ich musste das Medikament bar bezahlen.» Der Grund: Sanatop hat keinen Vertrag mit dem Apothekerverband – im Gegensatz zu den meisten anderen Kassen. Deshalb müssen ihre Versicherten die Medikamente erst mal selber berappen und warten, bis die Kasse das Geld zurückzahlt.

Hügli ärgert sich: «Darüber hätte mich Sanatop im Voraus informieren müssen.» Auf das nächste Jahr will sie deshalb die Krankenkasse wieder wechseln. Nur wenige Kassen verlangen von ihren Versicherten einen Vorschuss. Neben der Sanatop gehören auch die Supra und die Assura dazu. Für Menschen mit chronischen Krankheiten ist dies fatal. Sie können dadurch in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Wer regelmässig teure Medikamente braucht, sollte eine andere Kasse wählen.

Die Sanatop sagt, dass ihre Berater alle neuen Kunden auf das Vergütungssystem aufmerksam machten. Ebenso würde dies schriftlich mitgeteilt, wenn jemand einen Versicherungsantrag stelle. Das System biete den Kunden «Kostentransparenz», so Sanatop-Direktor Tiziano Liniger.

Die Assura rechtfertigt ihre Praxis auf der Webseite als kostensparend und behauptet: «Sie können von Ihrem Apotheker eine Rechnung verlangen, falls Sie die Medikamente nicht sofort bezahlen wollen», und verweist auf das Krankenversicherungsgesetz. Allerdings: Die Apotheken können sich auch weigern, Medikamente auf Rechnung abzugeben. «Das von der Assura zitierte Gesetz verpflichtet die Apotheken zu nichts», sagt Marcel Wyler vom Apothekerverband.

Wer die Grundversicherung wechselt, sollte nicht nur die Höhe der Prämie vergleichen. Ebenso wichtig ist ein Blick auf den Service des Versicherers. Der K-Tipp hat diese Leistungen kürzlich in einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Am besten schnitten Visana, Sanitas und KPT ab (siehe auch «Prämienrechner» unter www.gesundheits tipp.ch).


Tipps: Das müssen Sie beim Kassenwechsel beachten

  • Ab sofort finden Sie die definitiven Prämien aller Kassen an Ihrem Wohnort unter www.gesundheitstipp.ch. Sie sehen dort auch, wie zufrieden die Kunden mit dem Service ihrer Kasse sind.
  • Fragen Sie Ihre Bekannten und lesen Sie Foren mit Erfahrungsberichten, zum Beispiel auf www.gesundheitstipp.ch.
  • Vorsicht: Bei den Krankenkassen Assura, Supra und Sanatop müssen Sie die Medikamente vorschiessen.
  • Klären Sie ab, ob der Kontakt zur Kasse gut funktioniert (Telefon, E-Mail, Regionalagentur).
  • Sie haben freie Wahl bei der Franchise (Fr. 300.– bis 2500.–).
  • Jede Kasse muss Sie in die Grundversicherung aufnehmen, unabhängig vom Alter. Sie müssen auch keine Gesundheitsfragen beantworten.
  • Melden Sie sich schriftlich und per Einschreiben an.
  • Schicken Sie Ihrer alten Kasse die Kündigung per Einschreiben bis zum 30. November.

04. Oktober 2009 | Sonja Marti, Redaktion Gesundheitstipp


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