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Artikel | saldo 16/2009

Gefährliche Solarien: Behörden schreiten nicht ein

Experten warnen: Jugendliche sind in Solarien besonders gefährdet. Doch das Bundesamt für Gesundheit lässt sich für Massnahmen fünf bis zehn Jahre Zeit.

Ende Juni berichtete die SF-Newssendung «10 vor 10»: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) arbeite an einem Gesetz, das Jugendlichen unter 18 Jahren den Solariumbesuch verbieten soll. Die «Mittelland-Zeitung» zog mit der Schlagzeile «Solarien droht baldiges Aus» nach und berief sich dabei auf eine BAG-Ankündigung. Heute wissen die Verantwortlichen beim BAG nichts mehr von baldigen Verboten. BAG-Strahlenexperte Beat Gerber erklärt gegenüber saldo: «In fünf, eher aber in zehn Jahren, werden wir so weit sein, dass wir ein Solarienverbot für Minderjährige aussprechen können.»


«Je jünger die Haut, desto empfänglicher ist sie für Sonnenschäden»

Dabei wäre Handeln dringend nötig. Eine grosse Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung stellte kürzlich fest, dass das Hautkrebsrisiko um 70 Prozent grösser ist, wenn man sich vor dem 30. Lebensjahr regelmässig auf die Sonnenbank legt. «Je jünger die Haut ist, desto empfänglicher ist sie für Sonnenschäden», bestätigt Günther Hofbauer, Leitender Arzt an der Dermatologischen Klinik des Zürcher Unispitals: «Die Bräunung ist nur ein Verteidigungsschritt der Haut.»

Die Weltgesundheitsorganisation stufte Solarien inzwischen in die höchste Gefahrenstufe für Krebsrisiken ein. Hinzu kommt, dass laut Statistiken die Solarienbenutzer immer jünger werden. Die Betreiber verwenden gemäss BAG-Stichproben zudem heute stärkere UV-Röhren als früher. Deren UV-Intensität ist oft 1,5-mal so stark wie die Sonne an einem hochsommerlichen Mittag in der Schweiz. Die Betreiber haben dabei freie Hand. In keinem Kanton gibt es eine Bewilligungspflicht oder sonstige Richtlinien für Bräunungsgeräte.

Das wollen Dermatologen und die Schweizer Krebsliga schleunigst ändern. Experte Hofbauer befürwortet angesichts der «eindeutigen Datenlage» ein sofortiges Solarienverbot für Minderjährige. «Möglichst rasche» Regelungen der Behörden für den Jugendschutz bei Solarien fordert die Krebsliga Schweiz. Zugleich verlangt sie eine Ausbildungspflicht für das Personal sowie Richtlinien für Bräunungsgeräte. Auch will die Krebsliga Selbstbedienungsstudios verbieten, da dort keiner das Alter der Besucher überprüft. Laut BAG sind 300 der bis zu 800 Solarien unbeaufsichtigt. Zu Gesundheitsrisiken wollte sich der Solarien-verband Schweiz auf Anfrage nicht äussern.


Mehrere Länder in Europa haben ein Solariumverbot für Minderjährige

«Der Bedarf für solche Verbote ist da», sagt Mirjana Moser, Leiterin der Sektion nichtionisierende Strahlen beim BAG. Sie behauptet jedoch, dass für ein solches Einschreiten die gesetzliche Grundlage fehle. Moser zufolge erarbeitet das BAG daher einen Vorschlag für eine entsprechende gesetzliche Regelung. Diese muss dann noch die Zustimmung in Parlament oder Bundesrat finden.

Die Schweiz hinkt beim Gesundheitsschutz in Solarien international hinterher. In Deutschland verbietet ein neues Strahlenschutzgesetz seit August Kindern und Jugendlichen die Benutzung von Solarien. Zuvor haben schon Frankreich, Belgien und skandinavische Staaten Minderjährigen den Zutritt zu Sonnenstudios untersagt. Dabei könnte der Bundesrat schnell einschreiten. So legt laut «Bundesgesetz über die Sicherheit von technischen Einrichtungen und Geräte» der Bundesrat die grundlegenden Gesundheitsanforderungen an technische Geräte fest. Er könnte ein Solarienverbot für Minderjährige aussprechen. Denn ein technisches Gerät darf gemäss Bundesgesetz «Leben und Gesundheit der Benützer nicht gefährden». Genau das aber tun Solarien.

04. Oktober 2009 | Eric Breitinger, Redaktion saldo


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