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Artikel | K-Tipp 17/2009

Viel Geld für nichts

Auf Werbefahrten werden auch Reisen angepriesen. Nur: Die Angebote von Jasmin Reisen und Möven Touristik sind keineswegs günstig.

Eine viertägige Türkeireise für 900 statt 1500 Franken: Magie Pfund (67) und Lebenspartner Hans Frehner (74) aus Schaffhausen konnten dieser Verlockung auf der Werbefahrt nicht widerstehen. Tags darauf bereute das Paar den Entscheid. Gleich nach Vertragsunterzeichnung musste es weitere 150 Franken für «Beratung und Umbuchungsversicherung» hinblättern. Frehner: «Das machte uns skeptisch.» Laut Vertrag wären noch Kosten wie «Flughafentaxen» dazugekommen.

Als Frehner vom Vertrag zurücktrat, verlangte die fürs Inkasso zuständige Buchungszentrale24 GmbH in Bremen (D) weitere 180 Franken. Insgesamt kostete Frehner seine Unterschrift  320 Franken. Allerdings hätte er fürs Stornieren der Reise nichts zahlen müssen: Wer an einer Werbefahrt einen Vertrag unterschreibt, kann ihn innert 7 Tagen widerrufen – und das kostenlos.

Das ist kein Einzelfall. Dem K-Tipp liegen viele Beschwerden von Werbefahrt-Teilnehmern vor. Es geht stets um die gleichen Firmen: Möven Touristik AG in Neuenhof AG, Jasmin Reisen und Jasmin Touristik. Alle drei verkaufen Reisen der Firma Sonne, Meer & Berge Reisen Ltd. in Amstelveen (NL).


Fast doppelt so teuer wie normal

Der K-Tipp weiss dank mehrerer Quellen: Dahinter dürfte Peter Schwarze stehen. Der Deutsche ist in seiner Heimat wegen Betrugs zu Gefängnis verurteilt worden und hat Berufsverbot (siehe unten). Vielleicht arbeitet er deshalb in der Schweiz. Der Verkaufstrick auf den Werbefahrten ist bei allen drei Firmen derselbe: Die Teilnehmer erhalten Reisegutscheine, die beim Buchen angerechnet werden. So entsteht der Eindruck besonders günstiger Angebote. Dabei ist der reale Preis fast doppelt so hoch wie bei vergleichbaren Angeboten seriöser Anbieter. Beispiel: Für vier Tage Paris verlangt Jasmin Reisen 522 Franken. Bei Suter Busreisen in Würenlingen AG kostet ein ähnliches Angebot 390 Franken.

Besonders verlockend sind auf Werbefahrten angebotene mehrtägige Busreisen ins nahe Ausland. Einzelne sollen weniger als 150 Franken kosten oder sind gar «gratis». Wer aber das Kleingedruckte liest, stellt fest:

  • Pro Person müssen Ausflüge im Wert von mindestens 260 Franken gebucht werden.
  • «Gratisangebote» kosten pro Person 75 Franken Kaution.
  • Je nach Reisedatum sind 100 bis 220 Franken «Saisonzuschlag» fällig.
  • Weiter sind am Ferienort 22 Franken «Dieselzuschlag» zu zahlen – weshalb, ist nicht ersichtlich.
  • Kaum zu glauben: In einigen Verträgen steht nicht einmal das genaue Reisedatum. Unbekannt sind auch das definitive Reiseziel und die Unterkunft. Es wird nur von «guten Hotels» gesprochen. Sogar die Dauer der Reise bleibt offen: «4/5 Tage» steht in der Anmeldung. Mit all diesen Ungereimtheiten wollte der K-Tipp Peter Schwarze konfrontieren. Auf entsprechende Anfragen hat er nicht reagiert. 



Schwarze: Kein unbeschriebenes Blatt

Hinter den Reisevermittlern Möven Touristik AG (Neuenhof AG), Jasmin Reisen und Jasmin Touristik steckt wahrscheinlich Peter Schwarze. Der Deutsche ist 2001 vom Landgericht Bremen wegen Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Dies bestätigt Landgericht-Sprecher Enzo Vial. Schwarze hatte als Geschäftsführer der Firma Vossnet 27 000 Kleinkunden Billig-strom verkauft und bei Vertragsabschluss 60 Franken Anschlussgebühr verlangt. Strom lieferte das Unternehmen aber nie.

2007 klagte die Verbraucherzentrale Bremen gegen die Kaffeefahrt-Firma SaxxaiR. Geschäftsführer war – Schwarze. Die Staatsanwaltschaft Bremen nahm ihn erneut fest. Jurist Lovis Wambach von der Verbraucherzentrale Bremen: «Es zeigte sich, dass Herr Schwarze Busreisen verkauft und Bearbeitungsgebühren kassiert hatte, ohne die Fahrten durchzuführen.» Wegen betrügerischer Werbung wurde Schwarze daraufhin zu einem Jahr Haft auf Bewährung und einem vierjährigen Berufsverbot verurteilt. Seither sei es Schwarze in Deutschland untersagt, «zur Erzielung von Einkünften Gewinne oder Gegenleistungen in Aussicht zu stellen», so Vial.

11. Oktober 2009 | Daniel Jaggi, Redaktor K-Tipp


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