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saldo-Recherchen zeigen: Tausende von Schlüsseln bleiben auf den Fundbüros liegen, weil die Zusammenarbeit mit den Herstellern nicht klappt.
Wer auf der Strasse oder im Zug einen Schlüsselbund mit der Plakette einer Schlüsselfundstelle findet, braucht ihn bloss in den nächsten Briefkasten zu werfen. Über die Post und den Fundservice findet der wertvolle Bund seinen rechtmässigen Eigentümer wieder. Finder von Schlüsseln ohne Plakette geben sie in der Regel im nächsten Fundbüro ab. Zehntausende von Schlüsseln landen jährlich dort. Allein die Stadt Zürich spricht von etwa 2700 Schlüsselbunden pro Jahr, Basel von 1600. Bei den SBB sind es rund 5000.
Der weitere Ablauf scheint einfach: Das Fundbüro vermittelt den Schlüssel dem rechtmässigen Besitzer, tatkräftig unterstützt vom Schlüsselhersteller, bei dem die Adresse des Eigentümers hinterlegt ist.
Schlüsselhersteller geben nur der Polizei Auskünfte
Bloss im Alltag funktioniert das oft nicht. Der Grund: Immer weniger Fundbüros sind der Polizei unterstellt. Und die Schlüsselhersteller sagen nur der Polizei, wem ein registrierter Schlüssel gehört. «Aus Sicherheitsgründen», wie sie betonen. Folge: Immer weniger Schlüssel finden zurück zum Eigentümer. Die Schlüsselfirmen schlagen deshalb einen anderen Weg vor. «Jede Privatperson, jede Firma und jedes Fundbüro können uns die Schlüssel direkt zusenden. Wir leiten sie dann an den Kunden weiter oder vernichten nicht registrierte Exemplare», sagt Gary Miller vom Schlüsselunternehmen Keso in Richterswil ZH. Einen vergleichbaren Service bietet auch die Konkurrenz Kaba in Wetzikon ZH oder Sea in Zollikofen BE.
Fundbüros wollen Schlüssel nicht an Hersteller geben
Doch nicht alle Fundbüros wollen den Herstellern die Schlüssel zur Weitergabe an die Besitzer zustellen. Sie bevorzugen es, dem Hersteller nur die Nummer des Schlüssels zu melden. Damit dieser in seinen Unterlagen den Namen des Eigentümers eruiert und ihm einen Brief zustellt mit der Angabe, bei welchem Fundbüro er den Schlüssel abholen kann. Aber nur wenige Fundbüros kooperieren auf diese Weise mit den Herstellern: Kaba gewährt diesen Spezialservice den Fundbüros von Post, SBB und der Stadt Zürich, Keso einzig dem Fundbüro der SBB.
Die Auswahl erscheint willkürlich: Warum kann das Stadtbasler Fundbüro nicht Schlüssel auf diesem Weg vermitteln? Warum verwehrt Keso der Stadt Zürich diesen Weg, während Kaba dort Unterstützung leistet? Die Antwort ist einfach: Dieser Service verursacht zusätzlichen Aufwand. Deshalb wollen ihn die Hersteller nicht weiter ausbauen. René Glocker von Kaba betont, dass «der Grossteil der gefundenen Schlüssel» – insgesamt rund 10'000 jährlich – nicht über die Fundbüros vermittelt, sondern Kaba direkt zugeschickt werde. Bei Keso wiederum wurden im Jahr 2008 gemäss Sprecher Gary Miller 1430 Schlüssel vermittelt.
Viel mehr gefundene Schlüssel könnten zugeordnet werden
Das ist wenig. Daniela Baldauf, Leiterin des Stadtzürcher Fundbüros: «Hängt ein Kaba-Schlüssel am Bund, können wir ihn in mindestens drei von vier Fällen dem Eigentümer vermitteln. Ist es aber ein Schlüssel von Keso, sinkt die Chance auf 10 bis 20 Prozent.» Der Keso-Anteil liesse sich auf rund 80 Prozent steigern. Denn so hoch liegt bei Keso die Vermittlungsquote im laufenden Jahr bei den direkt erhaltenen Schlüsseln. Allein in der Stadt Basel könnten 2500 Schlüssel pro Jahr zusätzlich vermittelt werden, wenn das Fundbüro vom Spezialservice profitieren würde. Oder wenn es die Schlüssel ganz einfach dem Hersteller zum weiteren Versand an die Eigentümer zustellen würde.
Auf die ganze Schweiz bezogen sind es Tausende von Schlüsseln, die den Weg zurück zu ihren Eigentümern fänden. Stattdessen landen sie am Ende der Lagerzeit im Altmetall und werden eingeschmolzen. Und die Verlierer müssen unnötigerweise neue Schlüssel kaufen.
19. Oktober 2009 | Thomas Müller
