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Das Medikament Alli enthält den gleichen Wirkstoff wie Xenical. Aber es darf ohne Rezept verkauft werden. Experten finden das fragwürdig.
Bereits drei Monate im Voraus verschickte die Pharma-Firma Glaxo Smith Kline die erste Medienmitteilung: Ab Januar soll in der Schweiz eine neue Abspeck-Pille auf den Markt kommen. Das Medikament heisst Alli. Wirklich neu ist Alli nicht. Die Pille enthält den gleichen Wirkstoff wie das Roche-Medikament Xenical – einfach nur halb so viel davon. Der Wirkstoff sorgt dafür, dass der Darm weniger Fett aufnimmt. Anders als Xenical dürfen Apotheken Alli ohne Rezept verkaufen. Für den Hersteller hat das einen entscheidenden Vorteil. Er darf für Alli im grossen Stil Werbung machen. Für rezeptpflichtige Medikamente ist dagegen Publikumswerbung verboten.
Pillen schlucken allein bringt keinen Erfolg
Fachleute kritisieren, dass Alli ohne Rezept erhältlich sein wird. Laut Urspeter Masche, Arzt und Redaktor der Fachzeitschrift «Pharmakritik», sollten sich Übergewichtige beim Abnehmen begleiten lassen – von einem Arzt, einer Ernährungsberaterin oder einer Selbsthilfegruppe. Das erhöhe die Aussicht auf Erfolg. Masche: «Im Alleingang diese Pille schlucken verspricht dagegen keinen dauerhaften Erfolg.» Masche bezeichnet es deshalb als «fragwürdig», dass das rezeptpflichtige Xenical jetzt unter dem Namen Alli ohne Rezept verkauft werden soll: «Dies nützt nur dem Hersteller – er kann dadurch zusätzliches Geld verdienen.» Noch gibt Glaxo Smith Kline nicht bekannt, wie teuer Alli in der Schweiz wird.
Laut Studien ist die Wirkung des neuen Schlankheitsmittels äusserst bescheiden: Nur gerade zwei bis zweieinhalb Kilo nahmen übergewichtige Testpersonen in einem halben Jahr dank Alli ab. Laut Wolfgang Becker-Brüser vom Fachblatt «Arznei-Telegramm» hat Alli zudem den gleichen Nachteil wie Xenical: «Wenn man das Medikament absetzt, steigt das Gewicht wieder an.» Auch Alice Rüegsegger machte mit Xenical enttäuschende Erfahrungen. Im Rahmen der Aktion «Fett weg» des Gesundheitstipp schluckte sie 2007 das Medikament. Nach einem halben Jahr hatte sie von ihren 107 Kilo nur gerade zweieinhalb verloren. Zu wenig, fanden sowohl Rüegsegger selber als auch der Arzt, der sie betreute. Deshalb brach sie den Versuch vorzeitig ab.
Der Wirkstoff kann zudem lästige Nebenwirkungen haben. Weil der Darm weniger Fett aufnehmen kann, leiden Patienten häufig unter fettigem, öligem Stuhl oder Blähungen. Häufig kommt es zu ungewolltem Abgang von Stuhl. Und in seltenen Fällen hat Xenical schwere Leberschäden zur Folge.
«Für Menschen, die Lebensgewohnheiten umstellen»
Glaxo Smith Kline schreibt dem Gesundheitstipp, Alli alleine werde Übergewichtigen «tatsächlich kaum weiterhelfen». Die Pille sei für Menschen entwickelt worden, «die bereit sind, ihre Lebensgewohnheiten umzustellen». Alli werde mit einem «umfassenden Begleitprogramm» lanciert, das auch Rezepte für kalorienarme Mahlzeiten und Tipps für mehr Bewegung enthalte. Alli könne «helfen, 50 Prozent mehr abzunehmen als mit einer Diät allein». Die Nebenwirkungen wie plötzlicher Stuhldrang «sollten gut kontrollierbar sein», solange man nicht zuviel Fett isst. Leberschäden seien in Studien nicht aufgetreten und deshalb vermutlich «selten oder sehr selten».
Tipps: So werden Sie überflüssige Kilos los
In der Aktion «Fett weg» des Gesundheitstipp testeten Leserinnen und Leser Methoden, um abzunehmen. Bewährt haben sich drei Diäten:
Mässig erfolgreich waren:
Wenig oder kein Erfolg:
Die detaillierten Berichte finden Sie auf www.gesundheitstipp.ch
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01. November 2009 | Christian Egg, Redaktor
