|
(0) |
Spiegel sind mehr als Hilfsmittel beim Schminken oder Rasieren. Sie können Räumen Weite verleihen oder Licht in dunkle Ecken lenken. Und so funktionierts.
Spiegel sind zwar nur mit Metall beschichtete Glasplatten, haben aber erstaunliche Qualitäten. Je nach Anordnung scheint ein kleiner Raum x-fach grösser. Der Badezimmer-Spiegel zum Beispiel verdoppelt den visuellen Eindruck des Raumes. Und wer schon in einem Spiegelkabinett war, weiss: Mit mehreren Spiegeln lässt sich diese Verdoppelung fast unendlich erweitern. Spiegel können auch «entmaterialisieren», wie es Innenarchitekt Christof Hindermann nennt. Ein Beispiel sind Hochhäuser mit verspiegelter Fassade: Ein Klotz scheint dank der grossflächigen Reflexion des Himmels luftig und leicht.
Haus & Garten zeigt, was sich mit Spiegeln alles zaubern lässt:
1. Räumliche Vergrösserung
Was Profis schon lange mit Spiegeln erreichen, können auch Laien: Ein Mini-Bad wirkt plötzlich nicht mehr beengend, wenn es dank Spiegel(n) doppelt so gross wirkt. Und ein schmaler Korridor gewinnt mit demselben Trick auf wundersame Weise an Weite. Am einfachsten gelingt die optische Täuschung mit einem Spiegel, der vom Boden bis zur Decke reicht. Oft verspiegeln Profis auch eine ganze Wand. Es muss nicht zwingend ab Boden sein. Sehr gut wirkt es zum Beispiel auch, wenn man weiter oben beginnt – etwa an der Oberkante eines Lavabos im Bad.
Aber: Wer mit einem Spiegel räumlich vergrössern will, muss sich gleichzeitig bewusst sein, dass damit allenfalls auch unattraktive Objekte reflektiert und verdoppelt werden. Tipp: Es lohnt sich, vorher genau abzuklären, was durch das Spiegelbild wiedergegeben wird. Wird zum Beispiel die gegenüberliegende Wand von Röhren verunstaltet, sollten diese zuvor optisch aufgepeppt oder abgedeckt werden. Auch Kenntnisse der Geometrie sind gefragt. Denn Spiegel reflektieren wahrheitsgetreu – und zwar nach dem Grundsatz: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel.
2. Weite simulieren
Platziert man zwei Spiegel einander gegenüber, kann man unendliche Weite simulieren. Das kann durchaus reizvoll sein, etwa im Korridor oder im Bad (etwa vis-à-vis vom Lavabo einen zweiten Spiegel an der Wand). Tipp: Mehrere Verdoppelungen eignen sich weniger für Küche und Wohnzimmer. Grund: Zu viele Spiegel in Räumen, in denen man länger verweilt, können verwirrend wirken – und bald an den Nerven zerren. Ein mitten in der Wand montierter Spiegel gaukelt in engen Räumen Weitsicht vor. Im besten Fall wirkt er wie ein offenes Fenster, im schlechtesten wie ein Loch. Auch hier gilt es zu überlegen, was der Spiegel am geplanten Standort reflektieren wird. Hängt er hinter dem Esstisch oder in einer Sofa-Ecke, erblickt man je nach Sitzposition ständig sein Spiegelbild, das kann irritieren. Tipp: Spiegel über der Kopfhöhe platzieren oder leicht nach oben kippen.
3. Licht reflektieren
Spiegel reflektieren nicht nur Gegenstände, sondern auch Licht. Diese Eigenschaft kann man sich zunutze machen, um Sonnenstrahlen in dunkle Ecken umzulenken. Spezialisten wie die St. Galler Firma Heliobus haben aus Spiegeln raffinierte Systeme entwickelt und bringen damit das Tageslicht selbst in dunkle Untergeschosse (siehe auch Haus & Garten 2/09: «Zaubern Sie Tageslicht in düstere Räume»). Mit einfacheren Mitteln können auch Laien viel Licht ins Dunkle bringen. Der Trick: An einer gut besonnten Stelle an einer Wand oder Decke einen Spiegel aufhängen. Wird dieser leicht gekippt oder schräg gestellt, lässt sich auch der Ausfallwinkel des Lichts verändern. Es ist zudem möglich, den Lichtstrahl über einen zusätzlichen Spiegel weiterzuleiten.
Am besten probiert man dies mit einem Spiegel aus, bevor man ihn fix montiert. Denn auch dieser Trick hat seine Tücken: Das Licht kann blenden. Das gilt auch für das künstliche Licht einer Lampe, wenn sie unvorteilhaft reflektiert wird. Tipp: Lampen – vor allem Spots – nie direkt auf einen Spiegel richten. Und damit die reflektierte Umgebung nicht zu hart erscheint, empfiehlt Lichtexperte Hindermann eine möglichst warme Beleuchtung. Gerade in Bädern setzen viele Leute Leuchtstoffröhren mit kaltem Weisslicht ein. Die Folge: Die Gesichtshaut wirkt im Spiegelbild fahl. Tipp: Leuchtstoffröhren mit wärmerem Licht einsetzen. Damit ferner keine unvorteilhaften Schatten das eigene Antlitz verunstalten, die Lichtquellen links und rechts des Spiegels anbringen, allenfalls noch oberhalb.
4. Verspiegeln störender Elemente
Eine raffinierte Anwendung der Reflexion ist ferner, störende Elemente in der Wohnung mit Spiegeln zu kaschieren – etwa eine Maschine in Küche/Bad oder einen Mauervorsprung. Der Trick: Unattraktive Objekte, die man zum Verschwinden bringen will, mit Spiegeln verkleiden. So verschmelzen sie optisch mit ihrer Umgebung – man nimmt sie gar nicht mehr wahr. Soll die Täuschung gelingen, muss man bei Planung und Montage sehr sorgfältig vorgehen. Wichtig ist das speziell dann, wenn das Element eine gewisse Grösse und eine komplexe Form hat. Es kann sich lohnen, hier einen Fachmann beizuziehen: Grossflächige Spiegel sind nicht billig.
Spiegel: Was es kostet – und worauf Sie achten müssen
Kosten: Fürs Gestalten mit Spiegeln in der Wohnung kauft man meist normale Spiegel – also Glasplatten, die mit einer Silber- und einer Kupferschicht belegt sind. Bei grossflächigen fix montierten Spiegeln ist Massarbeit angesagt, und die hat ihren Preis. Dies zeigte ein Rundgang durch verschiedene Geschäfte. Für einen Boden-Decken-Spiegel in der Höhe zwischen 1,80 und 2,20 Meter muss man für einen Laufmeter rund 800 Franken budgetieren (Lieferung und Montage inklusive).
22. November 2009 | Bennie Koprio, Redaktion K-Tipp
