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Das Nintendo-Spiel Wii-Sports kann kein Training ersetzen. Das belegen deutsche Wissenschafter.
Die Kids stehen vor dem Bildschirm und halten die Steuergeräte der Spielkonsole wie einen Tennisschläger. Das Steuergerät simuliert Vorhand, Volley und Slice. Das Videospiel Nintendo Wii-Sports bringt den Tennisplatz nach Hause. Oder die Boxhalle, das Fussballstadion, den Golfplatz. Hersteller Nintendo ver- spricht ein «natürliches Spielerlebnis». Die Spieler würden sich bei Wii-Sports so bewegen, «wie sie es auch auf dem Tennisplatz täten», wirbt zum Beispiel Nintendo-Verkäufer Ex Libris im Internet.
Das ist ein Irrtum, sagen jetzt deutsche Wissenschafter in einer Studie. Klaus Völker, Direktor des Instituts für Sportmedizin an der Wilhelms-Universität Münster (D): «Das Spiel kann fehlende sportliche Betätigung nicht ausgleichen.» Es könnte allenfalls zu mehr Bewegung animieren. Völker hatte 40 ungeübte Sportstudenten die Disziplinen Boxen, Tennis und Vierkampf spielen lassen. Jede Disziplin dauerte 15 Minuten, dazwischen gab es 20 Minuten Pause. Während des Spiels erfassten die Forscher unter anderem Herzfrequenz und Blutwerte der Testpersonen. Diese mussten zudem einschätzen, wie stark sie sich angestrengt hatten. Völker verglich die Werte der Nintendo-Spieler mit jenen von realen Sportlern.
«Beim Boxen könnte der Spieler profitieren»
Fazit: Nintendo-Spieler wurden in allen drei Disziplinen bei Weitem nicht so gefordert wie in den richtigen Sportarten. Auch der Trainingseffekt war gering. Einige der Gründe: Von den jeweils 15 Minuten spielten die Studenten nur 7 Minuten Tennis. Sie boxten auch nur 9 Minuten und liefen nur 5 Minuten lang. Der Rest war Unterhaltung.Auch sind die Sensoren der Steuergeräte so empfindlich, dass die Spieler mit der Zeit ihre Bewegungen reduzieren konnten und dennoch Erfolg hatten.
Immerhin: Das virtuelle Boxen bewirkte eine moderate Belastung. Die Teilnehmer bewerteten es als «etwas anstrengend». Wissenschafter Völker sagt: Würden Spieler regelmässig mit vollem Einsatz boxen und nicht nur kräftesparend den Unterarm bewegen, «könnte der Körper tatsächlich etwas profitieren». Bei Ungeübten könne sich durch das Training sogar ein Muskelkater einstellen.
Alexa Doerr von Nintendo schreibt dem Gesundheitstipp: «Das Spiel will die sportlichen Aktivitäten nicht ersetzen, sondern ergänzen.» Der Spass solle Lust an der Bewegung wecken und motivieren. Das Nintendo-Spiel Wii-Fit testeten die Forscher nicht. Es funktioniert mit einer Unterlage, dem Balance-Board, die die Bewegungen des Spielers registriert. Im Programm stehen Yoga, Balanceübungen, Aerobic und Muskelübungen.
29. November 2009 | Andreas Grote
