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Rita Harb, 40, hat acht Kinder
Unsere Kleinen glauben noch ans Christkind. Mit glänzenden Augen stehen sie vor dem Weihnachtsbaum. Darunter stapeln sich die Päckli. Es sind bescheidene Geschenke – bei acht Kindern liegt nicht allzu viel drin. Umso mehr zelebrieren wir das Auspacken: Der Älteste darf beginnen. Erst wenn alle das Spielzeug, den Thek oder den neuen Pullover bewundert haben, ist das nächste Kind an der Reihe. Am Ende sitzen wir strahlend in einem Haufen Geschenkpapier.
Mein Mann und ich sind katholisch. Doch unser Glaube ist nicht der Grund, weshalb wir so viele Kinder haben. Ich wollte nie die Pille schlucken. Ich bin doch kein Chemie-Experimentierkasten! Mir ist wichtig, dass auch mein Mann Verantwortung trägt bei der Verhütung. Wenn ich dann trotzdem schwanger wurde, haben wir uns jedes Mal gefreut. Wir möchten keines der Kinder missen: Alois, unser Ältester, ist 14. Danach kommen Lukas (13), Maria (10), Pirmin (9), Anna (7), Nicolas (6) und Ida (5). Erst vor drei Monaten kam unser Nesthäkchen Barbara auf die Welt.
Ab und zu bekommen wir zynische Bemerkungen zu hören: «Was, schon wieder ein Kind? Seid ihr wahnsinnig?» oder «Das muss bei euch ja zugehen wie in einem Irrenhaus!» Früher schmerzten mich solche Sprüche – inzwischen bin ich gelassener. Wir haben uns gut eingerichtet mit unserer Grossfamilie. Dank meiner Schwiegereltern konnten wir im Toggenburg ein grosses Haus kaufen.
Es ist spannend zu erleben, wie unterschiedlich unsere Kinder sind. Lukas steckt voller Energie und ist manchmal kaum zu bändigen. Maria und Anna sind ruhiger. Die beiden Kleinen Ida und Nicolas hängen sehr aneinander und würden nie allein in den Kindergarten gehen. Bei diesen Unterschieden ist es uns wichtig, bei der Erziehung am selben Strick zu ziehen und alle möglichst gleich zu behandeln.
Trotz der Freude ist es manchmal mühsam. Vor allem morgens, weil alle Kinder unterschiedliche Schul- und Chindsgi-Zeiten haben. Um 6 Uhr hat das Baby Hunger. Um 7 Uhr müssen die Ersten aus dem Haus. Dann herrscht Hochbetrieb bis um neun. Die Kinder müssen selbständig sein – sonst geht es nicht. Jeder bereitet sich selbst sein Müesli zu. Auch die Kleinen ziehen sich alleine an. Trotzdem bin ich die ganze Zeit auf Trab. Ida würde zum Beispiel regelmässig ohne Schuhe aus dem Haus gehen, weil sie sich barfuss wohler fühlt.
Die Haushaltskasse muss ich immer im Auge behalten. Deswegen gibt es bei uns nur ab und zu Fleisch. Stattdessen kaufe ich kiloweise Teigwaren und Reis. Manchmal schenken uns Verwandte oder Bekannte Frisches aus dem Garten. Darüber freue ich mich, denn ich achte darauf, dass die Kinder jeden Tag Gemüse oder Salat essen. Den Haushalt mache ich allein. Ich halte mich an meine Tages- und Wochenpläne und die Kinder helfen inzwischen prima mit. Jedes hat sein Ämtli. Trotzdem kommt es vor, dass mir die Arbeit über den Kopf wächst. Zum Beispiel, wenn ich mit einem kranken Kind zum Arzt muss. Dann hole ich mir Unterstützung bei einer guten Kollegin.
Um nicht auszubrennen, schaffen mein Mann und ich Freiräume für uns. Vormittags, wenn die Kinder aus dem Haus sind, schalte ich ein wenig ab. Dann bastle ich gern. Freie Tage gibt es kaum. Materiell können wir unseren Kindern weniger bieten als kleine Familien. Dafür geben wir ihnen Wichtigeres: Wir lachen und singen viel und sie haben immer einen Spielgefährten. Vor allem aber lernen die Kinder soziales Verhalten. Wir wünschen uns, dass sie eines Tages humorvolle und grosszügige Erwachsene werden. Sie sollen glücklich sein im Leben.
Grossfamilien: Eltern fordern mehr Unterstützung
Die Statistik zeigt: Immer weniger Paare entscheiden sich für drei und mehr Kinder. Dafür gibt es viele Gründe – ein wichtiger Faktor ist jedoch das Geld. Grossfamilien sind finanziell oft benachteiligt. Jede vierte lebt unter der Armutsgrenze. Die Kinderzulage beträgt in der Schweiz mindestens 200 Franken pro Kind. Auch der Bund unterstützt im europäischen Vergleich Familien wenig. Eltern-Vereinigungen fordern deshalb mehr Unterstützung von der öffentlichen Hand.
Informationen:
29. November 2009 | Fridy Schürch
