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Die spannende Film-Dokumentation «Das Glück der Anderen» nähert sich der Frage, was Glück im Leben ausmacht und welche Wege dorthin führen.
Der lange Weg zum Glück
Glücklich sein steht bei den meisten Menschen an oberster Stelle. Doch was genau ist Glück? Eine genaue Definition fällt schwer. Der Film «Das Glück der Anderen» zeigt, wie sich Menschen diesem Zustand zu nähern versuchen. Die österreichischen Filmemacher Christian Goriupp und Roman Pachernegg porträtierten dazu 21 Personen verschiedener gesellschaftlicher Schichten.
Das Konzept ist mutig – mit Interviews von beinahe eineinhalb Stunden. Doch die Auswahl der Gesprächspartner ist geglückt und es macht Spass, den Aussagen zuzuhören. Neben Wissenschaftlern sprechen ein Sterbeforscher, ein Mönch, ein Jazzmusiker, eine Yogatrainerin, ein blinder Pädagoge oder ein Gefängnisinsasse. Sie sinnieren – mal tiefsinniger, mal schlichter – über Themen wie Erfolg, Anerkennung, Freiheit, Niederlagen und Tod.
Wo die Menschen ihr Glück finden
Aussage für Aussage entsteht langsam ein buntes Mosaik: Wo für einige reiche Ärzte das Glück auf dem Golfplatz beginnt, geniesst der Häftling die wertvollen Minuten in seiner Zelle, in denen er gedanklich durch einen Wald spazieren kann. Für einen Glücksforscher beginnt Glück bei dem, was man aus innerem Antrieb tut und nicht aus Streben nach Glück.
Einige fanden ihr Glück nicht dort, wo sie es vermuteten: So fiel ein Arzt in ein tiefes seelisches Loch, als er endlich genug Geld verdient hatte, um nie mehr arbeiten zu müssen. Der Künstler wiederum spricht von der Gefahr, sich von Erfolg und Anerkennung abhängig zu machen und damit nicht mehr mit Niederlagen umgehen zu können.
Ein Rezept für die Suche nach Glück liefert der Film nicht. Jeder Zuschauer muss seine eigenen Schlussfolgerungen aus den Statements ziehen. Immerhin bleibt am Ende für viele die Einsicht, dass Glück auch bedeutet, andere Menschen glücklich zu machen.
«Das Glück der Anderen». Von Christian Goriupp und Roman Pachernegg. Österreich 2008. 88 min. Anbieter: Ascot Elite Home Entertainment, 2010.
CD-Tipps
Pop/Rock: Charmanter Neo-Folk
Die Mittzwanziger von Musée Méchanique sind mit digitaler Musik aufgewachsen, ihre Liebe gehört aber analogen Instrumenten und alten mechanischen Maschinen. Mit Hilfe eines ständig wechselnden Instrumentenarsenals, darunter akustische Gitarren, Oboe, Trompete, Cello, Akkordeon, Glockenspiel und eine singende Säge, inszeniert das Quintett aus Oregon einfühlsamen, luftigen Folk-Pop. Dazu passt der ruhige, gebrochene Gesang. Die zehn Nummern des Debüt-Albums «Hold this Ghost» lassen Klangbilder entstehen, die an verschlafene Landschaften, sprudelnde Bächlein und zarte Blüten erinnern. Das ist unspektakulär, aber wunderschön und überaus charmant.
Musée Méchanique, «Hold this Ghost», Irascible
Klassik: Frühromantik und Filmmusik
Nach aussen hin haben die Violinkonzerte von Beethoven und Korngold nichts miteinander zu tun: Hier das Werk eines Klassikers, das als Ausgangspunkt des romantischen Violinkonzerts gilt. Dort jenes, bei dem Romantik und Hollywood-Film eins werden, denn Korngold war ein Filmmusikkomponist der ersten Stunde. Dennoch erscheinen diese Werke zusammen auf einer CD. Denn es sind die Lieblingskonzerte des französischen Violinisten Renaud Capuçon. Bei beiden Werken entfaltet Capuçon einen sensiblen, kultivierten Tonfall. Das Rotterdam Philharmonic Orchestra ist ihm dabei kongenialer Partner.
Renaud Capuçon, Beethoven/Korngold Violin Concertos, Rotterdam Philharmonic Orchestra. Virgin
Jazz: Renaissance eines Saxofonisten
Heinz Sauer ist unter den Tenorsaxofonisten der modernen Jazzszene der kratzbürstige Existentialist. Er entlockt seinem Instrument immer wieder aufwühlende Klänge. Sie reichen vom bärbeissigen Grummeln bis zum wilden Schrei. Seit ein paar Jahren erlebt Saxofonist Sauer eine Renaissance. Auf seinem neuen Album wird der rebellische Altmeister abwechslungsweise von zwei ausdrucksstarken Pianisten begleitet: Auf der einen Seite ist das der junge Überflieger Michael Wollny, mit dem er bereits zwei Duo-Alben eingespielt hat. Auf der anderen Seite ist es der anerkannte Musiker Joachim Kühn, der auf einen grossen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann.
Heinz Sauer, «If (Blue) Then (Blue)», Act
18. Januar 2010 | Marc Mair-Noack, thl, trü, tom
