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Ob Migration, Spielsachen oder CO2-Ausstoss: Ein neuer Atlas veranschaulicht die Facetten der Globalisierung und die Folgen für unseren Alltag.
Die Erde wird immer kleiner
Im Globalisierungsindex der ETH Zürich liegt die Schweiz an vierter Stelle. Der Index misst die wirtschaftliche, soziale und politische Verflechtung aller Länder. Die Schweiz ist demnach eines der am stärksten globalisierten Länder der Welt. Mit den wichtigen Fragen rund um die Globalisierung beschäftigt sich der «Atlas der Globalisierung».
Die französische Monatszeitschrift «Le monde diplomatique» gibt das Werk alle zwei Jahre heraus. Die über 300 teils handgezeichneten geografischen Karten Infografiken und Begleittexte behandeln Themen wie die Ströme der weltweiten Migration oder den CO2-Ausstoss durch den Transport chinesischer Spielwaren.
Beispiel Benzin: Wie viel ein Liter Benzin an einer Berner Tankstelle kostet, entscheiden die Rohstoffbörsen in New York und Tokio wesentlich. Im Juli 2007 kostete ein Barrel Erdöl 147 Dollar, ein Rekordhoch. Im Januar 2009 war der Preis wegen der Finanzkrise auf 40 Dollar gefallen. Momentan kostet ein Barrel etwa 80 Dollar.
Der Preis wird steigen, weil Indien und China für ihr rasantes Wirtschaftswachstum mehr Erdöl benötigen. Künf-tig müsse man mit schnellen Preissteigerungen rechnen, welche die Weltwirtschaft destabilisieren, prognostizieren die Autoren. Für sie liegt die Zukunft in erneuerbaren Energien aus Wind, Wasser und Sonne. Sie würden ab 2015 weniger kosten als Öl und Gas.
In vielen Texten ist die globalisierungskritische, Haltung der Autoren deutlich spürbar. Trotzdem gibt der Atlas einen prägnanten Überblick über die zunehmende Vernetzung aller Länder. Der Atlas ist somit eine gute Hilfe um die tägliche Nachrichtenflut besser zu bewältigen.
Serge Halimi (Hrsg.), «Atlas der Globalisierung», Le monde diplomatique, ca. Fr. 24.–
Soziale Unternehmer
Die Zukunft gehöre Firmen, die Profite ebenso wie soziale und ökologische Ziele im Auge haben, sind die Autoren Franz Alt und Peter Spiegel überzeugt. Der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus hat bewiesen, dass dies nicht utopisch ist: Er vergab mit seiner Garmeen Bank Millionen als Kleinstkredite an Bedürftige in der Dritten Welt. Alt und Spiegel glauben, dass solche «Hilfe zur Selbsthilfe» die Armut effizient lindert.
Das gilt auch für Europa. Sie berichten von Firmen, die erfolgreich Profit und Ethik verbinden. Dazu gehört etwa Architekt Rolf Disch, der in Freiburg i. Br. eine Solarsiedlung aufzog. Oder Ökopionier Aloys Wobben, der an der Nordseeküste Windräder bauen liess. Die Autoren wollen Denkanstösse geben – leider zuweilen mit etwas viel Polemik.
Franz Alt, Peter Spiegel, «Gute Geschäfte», Aufbau, Fr. 30.–
Kaufen macht glücklich
Die Neuronen im Gehirn sind schuld: Frauen werden bei Schuhen schwach und kaufen ein neues Paar, obwohl sie schon Dutzende haben. Und Männer erliegen den Verlockungen der x-ten technischen Spielerei. Gemäss Eva Tenzer belohnen die Neuronen den Menschen mit einem Glücksgefühl, wenn er etwas kauft.
Die Wissenschaftsjournalistin zeigt anhand von Studien aus Hirnforschung und Psychologie, dass die Ursache dafür in der Evolution liegt: Die Lust am Mehr sorgte dafür, dass die Menschen nicht ausstarben. Das verständlich geschriebene Buch ist übersichtlich nach Kaufimpulsen gegliedert: Neugier, Schnäppchen, Luxus, Marken, ethischer Konsum und Kaufsucht. Es endet mit Tipps, damit der Einkaufswagen nicht immer voller ist, als die Einkaufsliste vorsieht.
Eva Tenzer, «Go Shopping!», Kiepenheuer, ca. Fr. 38.–
Mehr Effizienz bei der Heimarbeit
Die Autorinnen von «Homeoffice» analysieren Schwierigkeiten und Chancen der Heimarbeit. Zudem geben sie Tipps, wie man sein Zeitmanagement und die Trennung von Privatleben und Arbeit in den Griff bekommt oder sein Heimbüro optimal ausstattet. Sie belegen, dass zu Hause arbeiten nicht bedeutet, jederzeit erreichbar zu sein. Vielmehr ist es wichtig, mit Partnern und Angehörigen klare Abmachungen zu treffen.
Etwa die, dass Unterbrechungen nur bei offener Türe erlaubt sind. Wer plant, zu Hause zu arbeiten, kann von diesem Buch profitieren. Selbst routinierte Heimarbeiter finden hier Denkanstösse. Positiv ist, dass die Autorinnen die wichtigsten Tipps, Übungen oder Checklisten in lockerer Abfolge in Kästchen zusammenfassen.
Birgit Golms, Gudrun Sonnenberg, «Homeoffice», Orell Füssli, ca. Fr. 38.–
18. Januar 2010 | Jonas Arnold, gr, ps, mif
