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Artikel | saldo 03/2010

Noch nicht alle können von HDTV profitieren

Zu den olympischen Winterspielen starten ARD und ZDF mit einem HDTV-Angebot. saldo zeigt, was das hochauflösende Fernsehen bringt und was man dafür braucht.

Die TV-Händler werden nicht müde, die hohe Qualität der Flachbildfernseher zu rühmen. Die Mehrzahl der Geräte verblüfft denn auch mit ungewohnt scharfen Bildern, leuchtenden Farben und hohem Kontrast. Der Standard HDTV (High Definition Television) bietet auch bei der Tonqualität Verbesserungen: Unterstützt wird das Format Dolby True HD, das Raumklang mit bis zu acht Kanälen bietet.

Doch um alle Vorzüge des neuen TV-Zeitalters geniessen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Viele Händler bluffen und lassen auf ihren Fernsehern Bildmaterial ab Blu-ray-Player in voller HD-Qualität laufen (siehe unten). Was viele Kunden nicht wissen: Die meisten TV-Programme flimmern immer noch in der Standardauflösung aus dem Zeitalter des Röhrenfernsehers. So ist die Enttäuschung oft gross, weil das Bild des neuen LCD- oder Plasmafernsehers beim TV-Programm nicht so gut aussieht wie im Laden.

Nun kommt HDTV aber in Fahrt und nutzt die Qualität der LCD- und Plasmabildschirme aus. Es gibt bereits eine Handvoll HD-Programme. Seit dem 12. Februar strahlen die Sender ARD und ZDF ihre auch hier beliebten Programme in HD aus. Damit werden etwa die olympischen Winterspiele schärfer denn je zu verfolgen sein. Die neue Fernsehwelt gibt es jedoch nicht zum Nulltarif. Neben einem Flachbildschirm, der das Logo «HD ready» oder «Full HD» trägt, braucht es auch einen Empfänger für die digitalen Signale.


Zuerst den Empfang für HDTV abklären 

Wer die neuen HD-Programme als Anlass nimmt, seinen Röhrenfernseher durch einen Flach-TV zu ersetzen, sollte vorher abklären, ob in der Liegenschaft überhaupt hochauflösendes Fernsehen empfangen werden kann. Das muss man je nach Empfangsart anders tun:

  • Cablecom: Das Netz von Cablecom ist nicht in jeder Region auf demselben technischen Stand. Über die Eingabe der Wohnadresse kann man auf www.cablecom.ch/tauglcheck prüfen, ob HDTV-Empfang möglich ist.
  • Kabelfernsehen: Der Verband Swisscable, in dem rund 250 Kabelnetzbetreiber organisiert sind, bietet hier eine Suchabfrage. Ob die Informationen allerdings aktuell sind, ist fraglich, scheint doch bei Swisscable die Zeit stehen geblieben zu sein: Zum Thema HDTV kündigt der Verband auf seiner Website immer noch an, das Schweizer Fernsehen werde 2007 HD Suisse aufschalten.
  • Bluewin TV: Die TV-Verbreitung via Telefonkabel ist nicht flächendeckend. Swisscom kann weite Gebiete nicht mit ihrem TV-Angebot bedienen. Dort, wo Bluewin TV (neu Swisscom TV) zu empfangen ist, können ausserdem nicht alle von HD profitieren. Da hochauflösende Programme mehr Bandbreite für die Datenübertragung brauchen, muss die Telefonleitung die entsprechende Kapazität aufweisen. Ob dies der Fall ist, lässt sich hier überprüfen (Link «Lokales Senderangebot» anklicken).
  • Satelliten-TV: Die Besitzer einer Satellitenschüssel können die frei verbreiteten Programme unabhängig von ihrem Wohnort in HD-Qualität empfangen. Voraussetzung für den Empfang von HD-Programmen ist aber eine spezielle Set-Top-Box (Empfänger).

    Sowohl bei Cablecom wie bei Swisscom TV werden diese Geräte gemietet und sind im Preis des Monatsabos enthalten. Cablecom bietet zwei Mediabox genannte Modelle und drei Abos mit unterschiedlicher Angebotspalette, die monatlich zwischen 15 und 45 Franken kosten. Swisscom TV hat nur ein Gerät und ein Abo für HDTV im Angebot, das 29 Franken pro Monat kostet. Benutzer von Satellitenschüsseln finden im Handel zahlreiche Modelle von HD-Empfängern, die ab rund 200 Franken erhältlich sind.



Das aktuelle Programmangebot

  • Cablecom: Zurzeit werden sechs HD-Programme geliefert: HD Suisse, ARD HD, ZDF HD, Arte HD, Anixe HD und BBC HD. Mit dem Zusatzpaket Cablecom HD gibt es für Fr. 7.50 pro Monat vier weitere Sender: Eurosport HD, National Geographic HD, Discovery Channel HD und Classica HD.
  • Bluewin TV: Kunden von Bluewin TV können zurzeit folgende Programme empfangen: HD Suisse, ARD HD, ZDF HD, Arte HD, Anixe HD, Servus TV HD, BBC HD und Canal+ HD. Ausserdem können über den Dienst «Video auf Abruf» gegen Bezahlung rund 130 Filme und Dokumentationen in HD-Qualität angeschaut werden.
  • Über Satellit: Noch mehr HD-Programme werden via Satellit ausgestrahlt. So bieten seit kurzem RTL, Sat1, Vox, Pro Sieben und Kabel 1 ihre Programme parallel zum Standardbetrieb auch in HD an. In dieser Qualität sind die Programme jedoch nicht gratis: Die Satellitenbetreiberin Astra hat für die HD-Programme der Privatsender die Plattform HD+ geschaffen, die Programme verschlüsselt sendet. Für die Entschlüsselung muss der Zuschauer eine Prepaid-Karte für 50 Euro im Jahr kaufen.

    Diese Karte wird beim Empfänger über die Schnittstelle Common Interface (CI) eingesteckt. Diese hat die Industrie jedoch weiterentwickelt: Der neue Standard heisst CI Plus und verfügt über eine Kopiersperre. Diese erlaubt Programmanbietern, bei ausgewählten Sendungen das Aufzeichnen auf Festplatte zu unterbinden, ebenso das Überspulen der Werbung beim zeitversetzten Fernsehen. In der Schweiz bietet Astra die HD+-Karten noch nicht an.

    Wie die Satellitenbetreiberin gegenüber saldo versichert hat, steht den Schweizern die Möglichkeit offen, die Karte für den Empfang der fünf privaten Programme in Deutschland zu beschaffen. Über Satellit sind ausserdem sieben Pay-TV-Programme von Sky zu empfangen.



HD-Fernsehen: Diese Auflösung braucht es

Um HD-Programme zu übertragen, muss ein Fernseher mindestens eine Auflösung von 720p besitzen. Das entspricht Bildern mit 1280 x 720 Punkten. Fernseher, die diese Anforderung erfüllen, tragen das Logo «HD ready». Die maximale HDTV-Auflösung (Full-HD) wird als 1080p bezeichnet und liefert 1920 x 1080 Punkte – fünfmal mehr als ein Röhrenfernseher.

Die meisten TV-Sender in Europa strahlen ihre HD-Programme mit 720p aus. Ein Fernseher mit Full-HD ist also für TV-Programme nicht zwingend. Die Höchstqualität reizen andere Anwendungen aus: Videos und Digitalfotos lassen sich in voller Auflösung geniessen, ebenso Spielfilme und Games ab Blu-ray-Player oder Spielkonsole (Playstation 3 und XBox 360) sowie Videos ab Beamern mit Full-HD-Unterstützung.

Weitere technische Infos gibt es auf www.hdtv-forum.ch.

14. Februar 2010 | Claude Settele


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