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Fenster geben dem Haus nicht ein individuelles Gesicht, sie haben auch einen entscheidenden Einfluss auf den Energieverbrauch. Das muss man wissen, wenn man alte Fenster ersetzen will.
Die Fakten sind eindrücklich: Durch Fenster mit Einfachverglasung geht nach Angaben der Stiftung Warentest vier- bis zehnmal soviel Energie verloren wie durch Fenster mit Wärmedämmglas. Das Bundesamt für Energie schätzt denn auch, dass mit einer Fenstersanierung der Energieverbrauch um bis zu 25 Prozent reduziert werden kann.
Was aber zeichnet ein gutes Fenster aus? «Es hat eine optimale Wärmedämmung, optimierte Energiedurchlasswerte und möglichst wenig unerwünschte Luftdurchlässigkeit», sagt Caspar Steiger, Architekt HTL aus Uetikon am See ZH. «Wichtig ist aber auch eine perfekte Verarbeitung: Denn auch das beste Glas nützt nichts, wenn es in einem schlechten Rahmen steckt.»
Um Fenster und andere Bauteile punkto Wärmeschutz vergleichen zu können, spricht man vom sogenannten U-Wert (siehe unten). Je niedriger dieser Wert, desto besser das Fenster. Eine einfache Fensterscheibe hat einen U-Wert von 6, doppelt verglaste Scheiben ergeben einen U-Wert von 3. Ein Zweifach-Isolierglas mit einer beschichteten Scheibe und Edelgasfüllung kann einen U-Wert von 0,7 erreichen. Und bei drei Scheiben, einer speziellen Beschichtung sowie Edelgasfüllung lassen sich U-Werte bis 0,4 erreichen.
Mit neuen Fenstern kann auch Energie gewonnen werden: «Dieser Energiegewinn wird durch den sogenannten g-Wert bestimmt. Er ist speziell bei grossflächigen Fensterfronten beträchtlich und lässt sich sinnvoll nutzen», so der Fachmann. Wer mit Bauphysik nichts am Hut hat, merkt sich am besten folgende Regel: Ein gutes Fenster hat einen niedrigen U- und einen hohen g-Wert.
Der richtige Rahmen
Energietechnisch spielt nicht nur die Verglasung eine grosse Rolle, sondern auch der Rahmen. Der Wärmeverlust durch den Rahmen werde oft unterschätzt, sagen die Fensterexperten. Dank verbesserter Rahmenkonstruktionen kann ein Energiesparfenster sogar weniger Wärmeverluste aufweisen als eine ungedämmte Wand. Als Rahmenmaterialien kommen Holz, Stahl, Aluminium, Kunststoff und Kombinationen davon in Frage. Am besten, aber auch am teuersten, sind Holz-Aluminium-Rahmen, am günstigsten solche aus Kunststoff.
Wem ein Toprahmen zu teuer ist, der wählt einen schichtverleimten Holzrahmen. Er braucht zwar etwas mehr Pflege als ein Kunststoffrahmen, ist aber in der Regel energietechnisch besser und meist auch optisch schöner. Tipp der Fachleute: Je kleiner die Fenster, desto sorgfältiger sollte man den Rahmen auswählen. Seit einiger Zeit gibt es zudem Fenster, deren Verglasungen so auf die Flügel aufgesetzt sind, dass sie den Rahmen verdecken. Diese sogenannten Sky-Frame-Fenster lassen selbst grosse Fensterfronten leicht und schwebend wirken.
Lärm und Sicherheit
Für viele Hausbesitzer sind auch Lärmschutz und Sicherheit ein Fensterthema. Die Mindestanforderungen an die Schalldämmung von Fenstern sind in der Lärmschutz-Verordnung des Bundes (LSV) und durch die SIA-Norm 181 geregelt. Will man mehr, kann man je nach Art und Frequenz der störenden Geräusche das passende Schalldämmglas kaufen.
Fenster, vor allem im Parterre, sowie Balkon- und Terrassentüren sind Einstiegsmöglichkeiten für Einbrecher. Es lohnt sich deshalb an exponierten Stellen Sicherheitsfenster montieren zu lassen. Verbundssicherheitsglas ist durch unsichtbare Folien verstärkt: Die Scheibe lässt sich nicht oder zumindest sehr erschwert einschlagen. Einbruchsichere Fenster und Türen sind mit speziellen Verriegelungen, Aufbohrschutz und Sicherungen gegen Aufhebeln versehen. Das ist nicht billig, aber wirksam.
Baubewilligung? Abklären
Wenn man alte Fenster ersetzt, ohne dass an der Fassade etwas verändert wird, braucht es in der Regel keine Baubewilligung. Ausnahmen sind Gebäude, die unter Schutz stehen, und in manchen Gemeinden Häuser in der Kernzone. Da kann beispielsweise eine Sprossenunterteilung der Fenster vorgeschrieben sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, fragt am besten auf dem Bauamt der Gemeinde nach. Wichtig ist, dass man mehrere Fensterbaufirmen offerieren lässt, denn die Kosten für neue Fenster bewegen sich auch bei kleinen Häusern schnell im fünfstelligen Bereich.
Zustupf fürs Sanieren
Es gibt jedoch verschiedene Förderprogramme zur Gebäudesanierung. Allerdings ist es für Private recht aufwendig herauszufinden, wer wie viel und unter welchen Umständen bezahlt. Deshalb kann sich eine ganzheitliche Beratung und Begleitung lohnen. Der Verein «Energie Zukunft Schweiz» arbeitet mit lokalen und kantonalen Behörden sowie regionalen Banken und Energieversorgern zusammen. Für weitere Infos wenden Sie sich am besten an: Energie Zukunft Schweiz, Margarethenstrasse 40, 4002 Basel, Tel. 061 275 99 15, www.energiezukunftschweiz.ch.
Wärmebrücken beseitigen
Trotz neuer Fenster bleiben viele alte Häuser Energieschleudern. Speziell durch schlecht oder gar nicht isolierte Dächer geht viel Wärme verloren, denn warme Luft steigt auf. Nebst schlecht isolierten Dächern und Fassaden sind oft sogenannte Wärmebrücken für den Energieverlust verantwortlich.
Sie gibt es beispielsweise häufig an Fensterstürzen im Rollladenkastenbereich. Da kann man ein noch so gutes Fenster kaufen – ist es nicht fachgerecht montiert bzw. werden die Fensterstürze nachträglich isoliert, verpufft unglaublich viel Wärme. Es lohnt sich also, vor dem Einbau neuer Fenster das Haus auf grössere energietechnische Mängel begutachten zu lassen. Am besten beauftragt man damit einen unabhängigen Fachmann. Er kann allenfalls ein Sanierungskonzept erstellen.
Wichtig: Richtig lüften
Nicht zuletzt sollte man seine Gewohnheiten kritisch unter die Lupe nehmen: Richtiges Lüften ist sehr wichtig, damit die bestehende Luftfeuchtigkeit nicht zur Schimmelbildung führt.
Hier einige Tipps zum Thema Lüften:
7 Schritte zum neuen Fenster
Gut zu Wissen
07. März 2010 | Marianne Siegenthaler
