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Kaum ein Gartenfreund schätzt es, wenn sich die Sonne im Garten oder auf der Terrasse rar macht. Dabei haben auch die Schattenseiten einiges zu bieten – sofern die Pflanzen gut gewählt sind.
Schattige Gärten gelten in südlichen Ländern als kostbares Gut, in unseren Breiten werden sie jedoch oft als Einschränkung angesehen. Zwar sind schattige Winkel an brütend heissen Tagen angenehm, um sich zu entspannen. Während des Rests des Jahres begegnet man unbesonnten Stellen im eigenen grünen Reich meist eher missmutig.
Schattenzonen seien schwierig zu bepflanzen, da fast nichts wachse, das einigermassen attraktiv aussieht, hört man oft. Entsprechend nachlässig werden Beete an der Nordseite der Häuser oder unter Bäumen gepflegt. Sie dienen meist als Standort für den Kompost oder als Schutthalde für alte Töpfe.
«Schatten bedeutet nicht zwingend dunkel»
Tatsächlich gedeihen sonnenhungrige Stauden mit prachtvollen Blütenständen an einem schattigen Standort kaum. Nur: «Bei der Gestaltung schattiger Rabatten spielt man nicht mit Farben, sondern mit Formen und Strukturen verschiedener Blattstauden», erklärt Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel-Stadt. Die Bepflanzung schattiger Gartenbereiche zählt zur hohen Schule der Gartengestaltung. Umdenken ist also angesagt.
Pflanzenzüchter und Gärtnereien haben auf diesen anspruchsvollen Trend mit einer Vielfalt geeigneter Pflanzen reagiert: Schattenplätze lassen sich deshalb vom Frühling bis weit in den Spätherbst hinein in eine interessante Bühne für eine abwechslungsreiche und eindrucksvolle Inszenierung verwandeln. «Schatten muss nicht bedeuten, dass der Standort dunkel und ohne Licht ist», so Trueb. Da Schatten unterschiedlich intensiv sein kann, ist die Pflanzenwahl umso wichtiger (siehe unten «Literatur und Infos»):
Sehr gut gedeihen die Teppich-Golderdbeere (Waldsteinia ternata), Gedenkemein (Omphalodes verna) und Elfenblume (Epimedium): Deren Ausläufer wandern mit dem Licht. Fingerhut (Aconitum) und Akelei verteilen ihre Samen in so grosser Zahl, dass sie selbst an diesen punktuellen Lichtstellen keimen.
Bei Laubbäumen lassen die fehlenden Blätter im Frühjahr viel Licht für Frühlingsblüher durch: Krokusse, Winterlinge und Schneeglöckchen nutzen die Lichtfülle im Frühjahr und entwickeln sich vollständig, bevor sich das Blätterdach schliesst. Tipps: Unter Bäumen und Sträuchern ist der Boden eher mässig feucht. Der hohe Wurzeldruck der Bäume trocknet die Erde aus. Deshalb muss man die Rabatten im Sommer regelmässig giessen. Wichtig: Die Bepflanzung unter Bäumen muss gegen Tropfwasser resistent sein. Denn unter dem Blätterdach fällt Regen in grossen Tropfen von den Ästen.
Halbschatten
Auch im Halbschatten, wo sich einige Stunden Sonnenlicht mit tiefem Schatten abwechseln, kann es kräftig blühen: Hier fühlen sich Glockenblume (Campanula persicifolia), Storchenschnabel (Geranium macrorrhizum) und Wolfsmilch (Euphorbia griffithii) sehr wohl, aber auch Bergenien, Duft-Veilchen und mehrjährige Fuchsien (Fuchsia magellanica).
Vollschatten
Hell, aber ohne Sonnenstrahl: Das ist ein Fall für Spezialisten wie Lilientraube (Liriope muscari), Tränendes Herz (Dicentra spectabilis) und Schaumblüte (Tiarella cordifolia). Auch die Herbstanemone (Anemona japonica) und die Prachtspiere (Astilbe) beleuchten mit ihren unterschiedlichen Blütenfarben den Vollschatten. Damit die Flora gedeiht, benötigt sie ein Minimum an Licht. Dies erreicht man, indem Bäume und Sträucher regelmässig geschnitten und ausgelichtet werden. Neben den passenden Pflanzen ist die richtige Kombination der Stauden im Schattenbeet entscheidend. Bei der Planung sollten folgende Punkte beachtet werden:
Zarte Halme: Zwar sind die meisten Schattenliebhaber unter den Pflanzen nicht sehr blühfreudig, dafür kann man mit der richtigen Kombination interessante Blattkontraste zaubern. Beim Anblick der ästhetischen Blattmuster der Farnwedel, die zwei- bis dreifach gefiedert sind, schlägt jedes Gärtnerherz höher. «Auch Ziergräser, die in unterschiedlichen Halmfarben und interessanten Blütenständen angeboten werden, sind äusserst dekorativ», sagt Maurin Oberholzer, Leiter Versuchsanbau bei der Wyss Samen und Pflanzen AG in Zuchwil SO. Sie sind auch während der kalten Jahreszeit ein echter Hingucker.
Mit Blattformen und -farben Akzente setzen
Flächige Strukturen: Pflanzen mit flächiger Struktur bringen – als Kontrast zu zarten Grashalmen und filigranen Farnwedeln – Ruhe ins Beet. Prima sind Funkien (Hosta), Bergenien oder Zier-Rhabarber (Rheum palmatum var. tanguticum), die mit ihren saftigen, grossen Blättern wie dicke Damen Hof halten. Für spannende Gegensätze in Schattenecken sorgen auch Pflanzen mit panachierten Blättern. Die Auswahl an Blattstauden mit hellgelbem oder weissem Muster ist riesig.
Helle Farben: Sie sind in schattigen Winkeln besonders wichtig, sagt Oberholzer. Sie setzen in dunklen Beeten markante Akzente und sorgen für eine freundliche Stimmung. Dies sollte man auch bei der Auswahl einjährigen Sommerflors beachten. Denn er sorgt mit seiner langen Blühdauer vom Frühling bis in den Herbst hinein für Blütenfülle zwischen den Blattstauden. Darüber hinaus lassen sich dunkle Gartenbereiche auch mit hellen Natursteinen – zum Beispiel auf dem Sitzplatz – aufbrechen. Den gleichen Effekt schafft ein Weg aus hellem Kies.
Schatten ist nicht gleich Schatten
Grösse und Dichte der Hindernisse, die die Sonneneinstrahlung im Garten oder auf dem Balkon hemmen, bestimmen die Intensität des Schattens:
Literatur und Infos
Buchtipps
Pflanzen für schattige Plätze
07. März 2010 | Helen Weiss
