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Keine Kalorien, keine Chemie: Stevia wäre eine ideale Alternative zu Zucker und Süssstoffen. Wäre. Im Geschmackstest bekam auch mit Stevia gesüsster Eistee schlechte Noten.
Der pflanzliche Süssstoff Stevia war in der Schweiz lange nicht zugelassen. In den letzten eineinhalb Jahren bewilligte das Bundesamt für Gesundheit ein knappes Dutzend Stevia-Getränke – doch kaum eines ist im Handel: Bei Grossverteilern sucht man vergeblich nach Getränken mit dem kalorienfreien Stevia. Für Coop ist zurzeit kein Produkt gut genug. Sprecherin Sabine Vulic: «Stevia als alleiniges Süssungsmittel ist geschmacklich nicht überzeugend.»
Dies ist keine Schutzbehauptung, wie eine Blind-Degustation des Gesundheitstipp mit Pfirsich-Eistee zeigt: Der mit Stevia gesüsste Nice T aus der Drogerie erhielt von den Experten eine schlechte Note. Hans Georg Babits, Vize-Schweizermeister im Weindegustieren, erinnert das Aroma an «Klebstoff». Zudem habe das Getränk einen «unangenehmen Nachgeschmack». Sensoriker Patrick Zbinden und Eliane Mahrer vom Basler «Hilton», Schweizermeisterin der Service-Fachleute, überzeugte der Nice T genauso wenig.
Doch die Eistees von Coop schnitten nicht viel besser ab – egal, ob mit Zucker oder künstlich gesüsst (siehe Tabelle im pdf-Artikel). «Diese Produkte schmecken nicht nach gekühltem Tee», so Eliane Mahrer. «Das sind industriell hergestellte Süssgetränke, ähnlich wie Cola oder Limonade.»
Zum Vergleich prüften die Experten die zwei Eistees von der Migros. Auch sie erhielten nur die Note 2,7 (mit Zucker) bzw. 2,3 (mit Aspartam/Zucker). Zbinden vermutet, dass die Hersteller billigen Tee verwenden: «Mit einer guten Sorte und der richtigen Zubereitung würde das Ganze weniger bitter. Dann bräuchte es auch weniger Zucker oder Süssstoffe», ist er überzeugt.
Sabine Vulic von Coop räumt ein, dass es sich bei den Eistees «eher um Softdrinks» handelt. Zwischen Teequalität und Bitterkeit gebe es aber «keinen Zusammenhang». Und in eigenen Geschmacktests hätten die Coop-Eistees gut abgeschnitten. Auch Unilever und Coca-Cola, Hersteller von Lipton-Eistee und Nestea, verweisen auf interne Tests: Dort sei ihr Eistee sehr gut angekommen. Der Nice-T-Hersteller und die Migros nahmen nicht Stellung.
Die Fachleute degustierten auch reine Süssstoffe, die der Gesundheitstipp im Wasser aufgelöst hatte. Es hagelte ebenfalls Kritik an Stevia: Zbinden stellte einen metallischen Nachgeschmack fest; Babits’ Kommentar lautete: «Beginnt schwach und steigert sich ins penetrant Süsse.» Dazu Herstellerin Steviasol: In ihren Degustationen sei der Geschmack als «angenehm» beurteilt worden, die Wahrnehmung der Süsse als «gut, wenn auch etwas verzögert, was bei Stevia-Süssstoffen allgemein der Fall ist».
14. März 2010 | Christian Egg, Mitarbeit: Tobias Frey
