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Artikel | Gesundheits-Tipp 03/2010

«Beim Tauchen bin ich frei»

Claudia Lukaschek, 42, ist die beste Schweizer Freitaucherin: Sie kann unter Wasser 6 Minuten lang den Atem anhalten. Das findet sie entspannend.


Claudia Lukaschek, wieso können Sie so lang den Atem anhalten?
Ich trainiere das intensiv. Bevor mein Sohn auf die Welt kam, war ich vier- bis fünfmal pro Woche im Wasser. Zudem lebe ich sehr gesund. Ich trinke keinen Alkohol und rauche nicht. Vor Wettkämpfen esse ich einen Tag lang nichts: Wenn ich auch nur etwas Kleines essen würde, könnte ich zwei, drei Minuten weniger lang tauchen.


Warum?
Magen und Darm verbrauchen weniger Sauerstoff, wenn sie leer sind. Vor einem Wettkampf senke ich den Puls zudem durch Entspannungsübungen. Deshalb kann ich den Atem länger anhalten. Das regelmässige Training bewirkt, dass mein Körper gelernt hat, mit weniger Sauerstoff auszukommen.


Es ist unangenehm, so lange die Luft anzuhalten.
Das stimmt nicht. Die ersten drei Minuten jedes Tauchgangs sind schön und entspannend. Ich fühle mich dabei absolut frei.


Frei von was?
Ich lasse beim Tauchen alles los, was mich sonst beschäftigt. Ich denke nicht mehr an den Job oder an meine Familie. Ich sehe auch die Umwelt nicht – ich halte die Augen geschlossen. Das Freitauchen ist eine meditative Reise in mich hinein. Das ist wunderschön. Ich spüre dabei Teile meines Körpers, die ich sonst nicht wahrnehme, zum Beispiel die Lunge oder die Nieren.


Was geschieht nach 3 Minuten?
Dann wirds anstrengend. Ich spüre, wie das Zwerchfell gegen die Lunge schlägt, weil mein Körper wieder atmen will. Die letzte Minute ist ein harter Kampf. Ich muss aufpassen, dass ich nicht ohnmächtig werde.


Ist das schon einmal passiert?
Nein. Wenn ich Anzeichen spüre, dass eine Ohnmacht droht, komme ich sofort an die Wasseroberfläche.


Sie leben gefährlich.
Nein. Beim Freitauchen ist immer ein Tauchpartner dabei, der mich beobachtet und sofort aus dem Wasser holt, falls ich bewusstlos werde. Ich bin 100-prozentig sicher, dass für mich keine Lebensgefahr besteht.


Trotzdem starben Freitaucher bei Unfällen.
Tödliche Unfälle gab es vor allem beim sogenannten No-Limits-Tauchen. Dabei lässt man sich von einem Schlitten bis in eine Tiefe von 200 Metern hinabziehen. Wenn die technischen Hilfsmittel nicht reibungslos funktionieren, kommt man nicht mehr lebend hinauf.


Haben Sie auch schon «No Limits» gemacht?
Ja, ich machte das in Trainingslagern. Es hat Spass gemacht. Aber ich bin dabei maximal 60 Meter tief getaucht. So kann ich notfalls aus eigener Kraft an die Oberfläche zurückkehren. Ich würde nie 200 Meter tief tauchen. Ich setze mein Leben nicht fürs Tauchen aufs Spiel.


Wissenschafter fanden heraus, dass langes Anhalten des Atems zu Hirnschäden führen kann. Macht Ihnen das Angst?
Nein. Ich gehe davon aus, dass in den kurzen Zeiten, während denen ich die Luft anhalte, nichts passiert. Ein Bergsteiger, der sich wochenlang in sauerstoffarmen Regionen aufhält, hat viel weniger Sauerstoff.


Zur Person: Claudia Lukaschek

Die 42-jährige Freitaucherin hält den Schweizer Rekord bei den Frauen: Bei der letzten Weltmeisterschaft konnte sie unter Wasser 6 Minuten lang den Atem anhalten. Claudia Lukaschek arbeitet als Public-Relations-Fachfrau. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihrem zehn Monate alten Sohn in Baden AG.

14. März 2010 | Andreas Gossweiler, Redaktion Gesundheitstipp


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