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Artikel | K-Geld 02/2010

Frühlingsputz fürs Depot: Gewappnet für den nächsten Crash

Anleger investieren häufig zu einseitig. K-Geld nennt die häufigsten Fehler bei der Vermögensanlage und gibt Tipps, wie Sie Ihr Depot besser gegen künftige Börsenturbulenzen absichern.

Anfang Jahr erhielten Tausende Anleger in der Schweiz endlich wieder erfreuliche Post von ihrer Bank. In vielen Depotauszügen machte sich das gute Börsenjahr 2009 positiv bemerkbar – der Schweizer Börsenindex SMI legte um 18,3 Prozent zu. Trotz guter Erträge im vergangenen Jahr zeigen aber diverse Studien: Privatanleger gehen viel zu hohe Risiken ein, weil sie ihr Geld zu wenig diversifiziert investieren – oder einfacher gesagt: Sie legen oft alle Eier in einen Korb. Ein kritischer Blick auf den Depotauszug der Bank lohnt sich daher auch in Schönwetterperioden.


Studie zeigt: Viele investieren nur in Schweizer Aktien

Dass Private das Anlagerisiko zu wenig über verschiedene Anlageklassen, Länder und Währungen streuen, zeigt beispielsweise eine Studie der Universität Zürich aus dem Jahr 2008: Im Durchschnitt besitzt der Schweizer Aktionär Titel von gerade mal drei verschiedenen Unternehmen. Fast die Hälfte der Aktienbesitzer hält zudem nur Schweizer Aktien. Tickende Zeitbomben entdeckte auch das VZ Vermögenszentrum bei der Analyse von 500 Schweizer Kundendepots. Die VZ-Analysten stellten folgende Kernprobleme fest:


Hohe Risiken und keine Strategie

Privatanleger können ihr Vermögen in der Regel nicht ohne Weiteres aufs Spiel setzen, sollten also auch keine grossen Risiken eingehen. Trotzdem ist der Anteil von Aktien und alternativen Anlagen, zum Beispiel Rohstoffe, in den Depots sehr hoch. Damit gehen die Anleger hohe Risiken ein. Zudem ist die Anlagedauer meist zu kurz und es fehlt eine klare Strategie. Tipp: Legen Sie Ihre Strategie sorgfältig fest. Passen Sie Ihr Depot entsprechend an. Je länger Sie auf das investierte Geld verzichten und je besser Sie Kursschwankungen verkraften können, desto höher darf der Anteil an Aktien und alternativen Investments sein. Stellen Sie sich vor dem Kauf folgende Fragen:

  • Sind in nächster Zeit grössere Anschaffungen geplant?
  • Brauche ich den Vermögensertrag, um einen Teil meiner Lebenshaltungskosten zu finanzieren?
  • Bin ich bereit und fähig, vorübergehende Verluste in Kauf zu nehmen?


Hören Sie dabei nicht auf Kollegen, die von wundersamen Gewinnen schwärmen. Sie werden Ihnen nie von ihren Verlusten erzählen. Nehmen Sie sich auch in Acht vor Kauftipps von Bankberatern. Das sind oft Berufsoptimisten, die stets Kaufgelegenheiten und Vermittlungsprovisionen wittern. Vorsicht auch vor Trends: Sobald ein Trend von den Medien aufgenommen wird, haben die Profis schon daran verdient. Kaufen Sie zudem nur Finanzprodukte, die Sie auch verstehen.


Klumpenrisiken

Viele Anleger haben sehr hohe Anteile einer einzigen Branche, eines Marktes oder eines Titels im Depot – Fachleute sprechen dabei von Klumpenrisiken. Einige der vom VZ untersuchten Depots bestanden zu einem Fünftel aus einem einzigen Titel – meist von einer Schweizer Grossfirma (Blue Chip, siehe «Fachchinesisch»). Tipp: Setzen Sie auf verschiedene Anlagen in verschiedenen Risikoklassen.

Geldmarktanlagen und Obligationen in einheimischer Währung haben ein tiefes Risiko. Ein mittleres Risiko weisen diese Anlagen in Fremdwährungen auf. Zur höchsten Risikoklasse zählen Aktien. Kaufen Sie also nicht nur einzelne Aktien, sondern mischen Sie die Anlagen nach Ihrer Risikobereitschaft und der gewünschten Anlagedauer (siehe Beispiel-Portfolio im pdf-Artikel).


Hauseigene Produkte

Allzu oft empfehlen Bankberater nur hauseigene Produkte. Damit verdienen sie mehr als mit jenen von Fremdanbietern. «Zwei von drei Finanzprodukten in einem Depot sind in der Regel bankeigene Produkte», sagt Marc Weber, Anlageexperte beim VZ Vermögenszentrum. Tipp: Vergleichen Sie empfohlene Anlagen immer mit Angeboten von Dritten.

Wählen Sie zudem einen Anlageberater oder Vermögensverwalter, der Ihr Portfolio unvoreingenommen und ohne «Hausbindung» zusammenstellt. Unabhängig ist ein Finanzberater nur, wenn er sich ausschliesslich durch das Beratungshonorar finanziert. Das heisst auch, dass er allfällige Provisionen voll an den Kunden weitergibt oder mit seinem Honorar verrechnet.



Kleinstpositionen

Sie finden sich in fast jedem Depot. Viele kleine Positionen erschweren aber die Übersicht und verursachen unnötige Gebühren. Tipp: Diversifizieren Sie Ihr Portfolio, ohne es mit wirkungslosen und teuren Kleinpositionen zu belasten. Mit Hilfe von Anlagefonds setzen Anleger auf eine ganze Palette von Titeln, was einer Risikoverteilung gleichkommt. Der Wert eines Fonds schwankt bedeutend weniger stark als der Wert einer einzelnen Aktie oder Obligation. Investieren Sie nur in Fonds mit tiefer Gesamtkostenquote (TER).


Strukturierte Produkte

Die oft auch Zertifikate genannten strukturierten Produkte sind komplizierte Kombinationen von risikoreichen Wertpapieren. Ihr Anteil ist in vielen Depots zu hoch. Viele Anleger kaufen strukturierte Produkte vor allem wegen ihres Zinscoupons, der oft sehr attraktiv ist. Sie denken aber zu wenig daran, dass sie einen grossen Teil ihrer Investition verlieren, wenn sich die Börsen anders entwickeln als erwartet (siehe K-Geld 6/09): «Wetten mit hoher Absturzgefahr»). Tipp: Auf teure und riskante strukturierte Produkte ganz verzichten oder ihren Anteil am Depot unter 10 Prozent halten.


Gebühren

Viele Anleger vernachlässigen die Kostenfrage: Sie wissen oft nicht, wie viel ihnen die Bank für Kauf, Verkauf und Aufbewahrung von Wertpapieren belastet. Hohe Gebühren schmälern aber die Erträge des Portfolios erheblich. Tipp: Transferieren Sie Ihr Depot zu einer Bank mit tiefen Transaktions- und Depotgebühren.

Die neue Bank sollte allerdings nicht nur günstig sein, sondern auch einen guten Service und aussagekräftige Berichte bieten: Die Nettorendite Ihrer Anlagen muss beispielsweise aus dem Depotauszug klar hervorgehen. Wer Wertschriften per Internet kauft und verkauft und sein Portfolio online bewirtschaftet, spart Kosten. Günstig sind beispielsweise Swissquote und die Keytradebank.


Das Risiko breit streuen reduziert die Verluste

Eine gute Risikostreuung ist leider kein Garant für Gewinne in allen Börsenlagen – die jüngste Banken- und Finanzkrise hat dies bewiesen. Etliche Märkte, die sich zuvor in verschiedene Richtungen entwickelt hatten, stürzten plötzlich fast gleichzeitig in die Tiefe. Anlagen, die früher in der Theorie Risiken im Portefeuille minimieren sollten, bescherten im Abwärtsstrudel ebenfalls hohe Verluste.

Trotz der negativen Erfahrungen bleibt das Prinzip der Diversifikation aber auch in Zukunft eine solide Basis für die Geldanlage. Und einige Anleger werden sich damit trösten, dass die gute Risikostreuung während der Krise noch Schlimmeres verhindert hat. Fazit: Wer sein Depot heute auf Vordermann bringt und die Risiken breit streut, gehört beim nächsten Crash nicht zu den grossen Verlierern.


Leser-Aktion: Depotanalyse für nur 100 Franken

K-Geld offeriert Abonnentinnen und Abonnenten in Zusammenarbeit mit dem VZ Vermögenszentrum einen unabhängigen Check Ihres Wertschriftendepots.

  • Für Fr. 100.– erhalten Sie eine Depotanalyse, die aufzeigt, ob Sie mit Ihren Anlagen zu hohe Risiken eingehen oder Renditechancen verpassen.
  • Fachleute des VZ Vermögenszentrums beurteilen das Gesamtrisiko Ihres Anlagedepots, weisen auf Klumpenrisiken und ungenügende Diversifikation hin und zeigen auf, wie sich Gebühren und Kosten senken lassen.
  • Sie erhalten Vorschläge, um Risiken und Rendite zu optimieren.
  • Der Depot-Check eignet sich für Wertschriftendepots von mind. 200‘000 Franken. Haben Sie  Depots bei mehreren Banken, gilt dieser Betrag für die Summe aller Depots.
  • Schicken Sie Ihre aktuellsten Depotauszüge an: K-Geld, Depot-Check, Postfach 431, 8024 Zürich

Wichtig: Geben Sie Ihre Adresse und Ihre K-Geld-Abonummer an (siehe Rechnung oder Heft-Umschlagfolie). Ihre Unterlagen werden vertraulich behandelt. Sie erhalten Ihre Depotanalyse innert zehn Tagen per Post  – inkl. Einzahlungsschein. Anleger mit mehreren Wertschriftendepots erhalten eine Gesamtanalyse.

27. März 2010 | Bernhard Bircher, Redaktor K-Geld


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