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Wie man die vielen Stunden im Büro erfolgreich gestaltet, erklärt Jochen Mai in seiner «Büro-Alltags-Bibel».
Kluge Tipps für den Büroalltag
Rund 1,7 Millionen Schweizer sind Bürolisten. Laut Autor Jochen Mai verrät jeder von ihnen seine Rolle im Büroalltag durch seinen Stammplatz bei Sitzungen. Für eine Studie über die Sitzordnung hat US-Psychologin Sharon Livingston 40‘000 Angestellte und Chefs interviewt und beobachtet.
Ergebnis: Der Platz am Kopfende des Tisches mit dem Rücken zur Tür ist der statusniedrigste Platz. Wer dort sitzt, muss öfter fehlende Unterlagen holen – ein Dienerjob. Wer hingegen zur Linken des Chefs sitzt, drückt damit Verbundenheit aus – der «Kronprinz». Rechts vom Chef plaziert sich oft der «Schleimer», ihm direkt gegenüber der «Kritiker». Tipp: Platz häufiger wechseln.
Ein Kapitel widmet Mai den Pendlern. Pendeln verursacht ihm zufolge nicht zwangsläufig Stress, das tun vor allem die Umstände. Wer im Autostau steht, hat gemäss einer britischen Studie genauso viel Stress wie ein Jetpilot. Doch auch S-Bahn-Fahrer erleben Stress, etwa im Gedränge oder wenn sie neben notorischen Deo-Verweigerern oder Essern deftiger Speisen zu sitzen kommen.
Andererseits kann es der Karriere nicht schaden, mit Kollegen einen trinken zu gehen. Wer das regelmässig tut, verdient im Schnitt 17 Prozent mehr als Abstinenzler. Das haben schottische Wissenschafter anhand von 17‘000 Angestelltenkarrieren herausgefunden. Ihre Erklärung: Das gemeinsame Bier fördere Vertrauen und Kameradschaft, was bei der Beförderung hilfreich sein kann.
Die «Büro-Alltags-Bibel» untermauert Verhaltenstipps mit Erkenntnissen aus der Wissenschaft. Zuweilen wirken diese etwas angestaubt. Etwa wenn der Autor erklärt, dass gegen Kopfschmerzen gesundes Essen und Ruhe helfen. Trotzdem: Es gibt kein anderes Buch, das in so konzentrierter Form und derart lustvoll formuliert so viele kluge Tipps für den Büroalltag liefert.
Jochen Mai, «Die Büro-Alltags-Bibel», DTV, ca. Fr. 28.–
Plädoyer für das Private
Ob in Talkshows, Medien oder auf Facebook: Immer mehr Menschen breiten Privates öffentlich aus. Dabei machen sie weder vor Intimem noch vor Banalitäten halt. Der Berliner Publizist Martin Simons spricht von einem gesellschaftlichen «Treibhaus der Schamlosigkeit». Dessen Nährboden bilden aus seiner Sicht vor allem narzisstische Individualisten, die über die hemmungslose Preisgabe von Persönlichem ihr Selbstwertgefühl verlören.
Mit philosophischer Feder skizziert der Autor am Schluss einen Ausweg aus diesem Teufelskreis. Nur wer zu sich selbst finde und diese Erfahrung für sich behalte, dürfe mit einem erfüllten Leben rechnen: «Wer eine eigene Melodie hat, kann zur Not auch mal auf die Welt pfeifen.» Wie sich der Autor das konkret vorstellt, hätte der Leser gerne genauer erfahren.
Martin Simons, «Vom Zauber des Privaten», Campus, ca. Fr. 31.50
Nur die Konzerne sind frei
«Der freie Markt ist eine reine Fiktion», schreibt der US-Ökonom James Galbraith. Nach seinem Befund sind die Konsumenten den Unternehmen in fast allen Belangen unterlegen: Die multinationalen Konzerne bestimmen, welche Produkte sie herstellen, wie das Design aussieht und welchen Kundendienst sie anbieten.
Und sie profitieren von staatlichen Subventionen, niedrigen Sozialstandards und günstigen Handelsregulierungen. Galbraiths Analysen sind bedenkenswert. Auch in der Schweiz haben die Interessen der Unternehmen meist Vorrang vor denen der Konsumenten, Beispiel Parallelimport. Leider ist das Buch umständlich geschrieben, es eignet sich daher vor allem für wirtschaftlich interessierte Leser.
James K. Galbraith, «Der geplünderte Staat», Rotpunktverlag, ca. Fr. 39.–
Die heilende Kraft der Gefühle
Gute Gefühle machen gesund, schlechte Gefühle können krank machen. Dieses Fazit zieht der Autor und Arzt Werner Bartens in seinem Buch. So belegen viele Studien, dass sich Angst und Ärger negativ auf die Blutgerinnung und die Abwehrkräfte auswirken können. Oder dass jene, die glauben, schwer krank zu sein, stärker erkranken als solche, die sich für gesund halten.
Studien mit Placebos belegen, dass der Heilerfolg oft vom Glauben des Patienten an deren Wirkung abhängt. So wirkten Placebos besser, wenn die Probanden meinten, diese seien teuer. Für Bartens ist klar, dass eine positive Einstellung zur Genesung beitragen kann. Doch er warnt davor, diese Einsicht zu verabsolutieren. Viele Krankheiten seien Schicksal – und nicht durch Gefühle zu beeinflussen.
Werner Bartens, «Körperglück: Wie gute Gefühle gesund machen», Droemer, ca. Fr. 38.–
27. März 2010 | Andreas Schildknecht, gr, ja, mif
