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Viele Menschen versuchen, immer mehr Bereiche ihres Lebens auf Erfolg zu trimmen. Dadurch schaden sie sich selbst, sagt der Autor Klaus Werle.
Fehler vermeiden statt Neues wagen
Von der Wiege bis fast zur Bahre versuchen wir unser Leben zu optimieren, schreibt der Autor Klaus Werle. So förderten ehrgeizige Eltern bereits Windelkinder mit «Baby-Einstein-DVDs». Später schicken sie den Nachwuchs in Kinderkrippen mit Yoga und Chinesisch-Unterricht. Die Frühförderung bringt laut Werle den Sprösslingen wenig: «Gras wächst auch nicht schneller, nur weil man dran zieht.» Vielmehr drohten die Kinder unselbständig und ängstlich zu werden.
Der Optimierungswahn beherrsche inzwischen grosse Teile unseres Lebens. Viele Maturanden studierten nur das, wovon sie sich optimale Chancen auf dem Arbeitsmarkt versprechen. So bemühten sie sich gar nicht mehr, herauszufinden, was ihnen wirklich Spass machen würde und wo ihre Stärken liegen, kritisiert Werle. Für ihn ist der Wille zur Optimierung vor allem eine Fehlervermeidungsstrategie. Das führe dazu, dass viele «perfekt» sind, aber niemand mehr einzigartig.
Viele Unternehmen haben auch ihren Umgang mit den Kunden optimiert – zu ihren Gunsten. So machen sie die Käufer zu Quasi-Angestellten: Diese müssen sich selbst bedienen oder fast alles online erledigen. Die eingesparten Kosten verwenden die Firmen laut Werle dann dazu, um sich noch besser für den Konkurrenzkampf zu rüsten. Dies alles verursacht aus seiner Sicht der Allgemeinheit unnötige Kosten, denen kein entsprechender Ertrag gegenübersteht.
Was kann der Einzelne tun? Werles Ratschläge sind hier nur vage: «Wir sollten die Stärken stärken statt die Schwächen ausbügeln. Denn anders ist besser als perfekt.» Dies mag bei der Kindererziehung ja noch halbwegs funktionieren, im Berufsleben stösst man mit dieser Strategie aber schnell an Grenzen.
Klaus Werle, «Die Perfektionierer: Warum der Optimierungswahn uns schadet – und wer wirklich davon profitiert», Campus, ca. Fr. 34.50
Tricks für Sparfüchse
Wie spart man, ohne auf etwas zu verzichten? Die Journalistin Katrin Lankers nimmt ihre Leser mit auf einen Spartrip durch alle Lebensbereiche. Sie verrät ihre erfolgreichsten Strategien bei der Schnäppchenjagd: Handeln, Tauschen und Ersteigern. Wer einen Rabatt herausholen will, sollte dem Verkäufer das Gefühl geben, kompetent zu sein, Interesse an seiner Meinung signalisieren und sein begrenztes Budget betonen.
Statt teure Kosmetik zu kaufen, sollte man Müsterchen sammeln oder selbst Pasten herstellen, etwa ein Körperpeeling aus Kaffeesatz oder ein Honigaufstrich für die Lippen. Das Buch zielt klar auf Leserinnen, ist aber auch für Männer amüsant. Eine leichte Kost.
Katrin Lankers, «Viel Welt für wenig Geld», Orell Füssli, ca. Fr. 38.–
Überlebenstipps für Jobber
Früher reichte eine gute Ausbildung und Sitzfleisch, um sein ganzes Erwerbsleben bei ein, zwei Arbeitgebern zu verbringen. Heute dominieren laut Autor Peter Plöger in vielen Branchen Kurzzeitverträge, miese Löhne und Arbeitgeber, die freie Mitarbeiter bevorzugen. Für eine Generation gut qualifizierter Berufsanfänger sei der Jobwechsel normal.
Sie verdingten sich als Jobnomaden oder müssten mehreren Jobs gleichzeitig nachgehen, weil ein Lohn nicht reiche. Auch in der Schweiz fällt es Berufseinsteigern immer schwerer, Feststellen zu finden. Der Autor rät Betroffenen, sich Disziplin, cleveres Zeitmanagement und Gelassenheit anzueignen. Zudem müsse man ein Leben lang lernen. Auch Plöger schlägt sich mit mehreren Jobs durch. Sein Buch ist sehr anschaulich.
Peter Plöger, «Arbeitssammler, Jobnomaden und Berufsartisten», Hanser, ca. Fr. 38.–
Das Meer ist bald leer
Wenn so weitergefischt wird wie bis anhin, gehen der Menschheit bis 2048 die Vorräte an freilebendem Fisch aus, mahnt der kanadische Journalist Taras Grescoe. Er nimmt die Leser mit auf eine Weltreise in Sachen Fisch: Er besucht Hersteller von Spezialitäten wie der französischen Bouillabaisse, der chinesischen Haifischflossensuppe oder den britischen Fish & Chips.
Dabei zeigt er auf, was auf dem Weg des Fischs vom Wasser auf den Teller falsch läuft. So sind durch Überfischung bereits 80 Prozent des Thunfisch- oder Haibestands verschwunden. Zuchtlachse füttert man mit Fischmehl, das aus Unmengen von Fisch aus dem offenen Meer stammt. Grescoes packend erzähltes Buch soll die Konsumenten dazu bewegen, bewusst darauf zu schauen, welcher Fisch auf den Teller kommt.
Taras Grescoe, «Der letzte Fisch im Netz», Blessing, ca. Fr. 35.–
11. April 2010 | Mirjam Fonti, sr, ja, mmn
