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Artikel | saldo 09/2010

Sporttauchen: Nicht alle Instruktoren arbeiten seriös

Wer während den Ferien Sporttauchen lernen will, sollte einen Blick auf das Angebot an Schulen werfen. Denn unter den Anbietern gibt es schwarze Schafe.

Tauchen zwischen Korallenriffen und Fischschwärmen boomt. Die bekannten Tauchorte am Roten Meer oder die Inselresorts auf den Malediven ziehen jährlich Millionen Taucher an. Darunter auch viele Schweizer: Pro Jahr machen rund 30‘000 Schweizer ein Tauchbrevet.

Dank hoher Sicherheitsstandards ist der Unterwassersport heute ein risikoarmes Hobby – vorausgesetzt, man wird gut ausgebildet. Doch gerade die Arbeit der Tauchlehrer gerät wegen aktueller Zwischenfälle vermehrt in die Kritik.

Ein Beispiel ist der Tauchunfall bei Beckenried am Vierwaldstättersee Ende März dieses Jahres: Ein Tauchlehrer ist mit zwei Schülern erstmals auf 60 Meter Tiefe unterwegs. Als dem Lehrer übel wird, bricht er den Tauchgang ab, gibt den Schülern das Signal zum Aufstieg und taucht auf. Doch die Schüler folgen ihm nicht. Ihre Leichen werden Tage später geborgen.

Gegen den Tauchlehrer leitete man inzwischen ein Strafverfahren ein. Offenbar waren die Schüler nicht optimal ausgerüstet. Ausserdem trugen sie im Gegensatz zum Lehrer einen Nassanzug, der für diese Wassertiefe nicht geeignet ist.

Ortswechsel: Hemmoor in Norddeutschland, Sommer 2009. Ein Tauchlehrer schickt zwei unerfahrene Tauchschüler alleine ins Meer zu einem Tieftauchgang – was allen Tauchrichtlinien widerspricht. Die Schüler sind ohne Lehrer mit der Situation überfordert. Einer erleidet auf 35 Meter eine Panikattacke. Der andere kann auftauchen. Sein Kollege stirbt. Solche gravierenden Fälle sind sehr selten. Dennoch bleibt die Frage: Wie ernst nehmen manche Tauchlehrer ihre Verantwortung?


Ein kurzer Weg vom Anfänger zum Lehrer

Der attraktive Tauchlehrerjob ist heute schnell und einfach zu erreichen. Für das Lehrer-Brevet braucht es gerade mal 100 Tauchgänge. Thomas Kromp, Tauchlehrerausbilder und Tauchbuchautor aus Es-sen (D), sieht deshalb ein Qualitätsproblem. «In keiner vergleichbaren Sportart kann man so schnell vom Anfänger zum Lehrer werden wie beim Tauchen», sagt er. «Würden Piloten so ausgebildet wie Tauchlehrer, dann würde voraussichtlich keiner mehr fliegen.»

Für Pascal Dietrich, Ausbildungsleiter beim Tauchverband PADI Europa, sind die 100 Tauchgänge kein Problem: «Die Anzahl Tauchgänge sagt wenig über die Qualität eines Instruktors aus.» Seine Qualitäten und Kenntnisse messe man an der Instruktorprüfung. «Dies sind objektive und nachvollziehbare Kriterien.» Theo Konken, Bundesausbildungsleiter des Verbandes Deutscher Sporttaucher VDST, hält dagegen: «Um sicher tauchen zu können, braucht man Erfahrung. Und die kann man nur durch Tauchgänge und kontinuierliches Training erlangen.»


Tauchschulen schliessen jede Haftung aus

Was vielen Tauchern bei PADI sauer aufstösst: Bevor man in Tauchgebieten ausserhalb von Europa einen Kurs belegt, muss man ein umfangreiches Haftungsausschlussprotokoll unterschreiben. Damit verzichtet man bei einem Unfall unter Wasser auf jegliche Ansprüche gegenüber PADI und der Tauchschule und erklärt, alle Risiken selbst zu übernehmen.  Ein solches Formular fördert das Vertrauen in die Kompetenz der Lehrer nicht gerade.

Pascal Dietrich von PADI sagt dazu: «Wir haben ein hohes Interesse, dass die Ausbildung qualitativ gut ist.» Er beteuert: «Seit den Anfängen von PADI und den eingeführten Sicherheitsmassnahmen sind die Unfallzahlen massiv zurückgegangen.» Die Qualität der Lehrer werde bei PADI durch ein systematisches Feedback der Kursteilnehmer sichergestellt.

Nicht nur die Ausbildung der Lehrer kann zum Problem werden. Auch der Massentourismus in beliebten Tauchgebieten sorgt für schwarze Schafe unter den Anbietern. Thomas Kromp betont zwar, dass viele Schulen in solchen Regionen sehr gewissenhaft ausbilden. Andere unterbieten sich jedoch aus Konkurrenzdruck bei den Preisen und schleusen möglichst viele Kunden in kurzer Zeit durch die Kurse – zu- lasten der Qualität. So erwähnt Thomas Kromp Tauchcenter, die das Brevet bereits nach zwei Tauchgängen aushändigen. «Doch wer kann schon nach zwei bis vier Fahrstunden Auto fahren», vergleicht Kromp.


Das spricht für eine seriöse Tauchschule

Besonders in Gebieten, wo an einem Strand gleich mehrere Tauchcenter um Kunden buhlen, lohnt es sich, seine Tauchschule sorgfältig auszuwählen.  Dabei sollte man einige Kriterien beachten, um an einen seriösen Anbieter zu gelangen:

  • Eindruck der Tauchschule: Die Ausrüstung ist sauber und gut gewartet, die Kurspreise sind transparent deklariert.
  • Sicherheitsmassnahmen: Seriöse Kursanbieter gehen auf den Gesundheitszustand des Kunden ein und verlangen eine ärztliche Bescheinigung der Tauchtauglichkeit. Wer längere Zeit nicht getaucht hat, muss einen Check-Tauchgang absolvieren. Verzichtet eine Schule darauf, ist ihre Einstellung zur Sicherheit fragwürdig.
  • Kursdauer: Bietet eine Schule einen «Open Water Diver»-Anfängerkurs in nur drei Tagen an, bedeutet dies, dass der Kurs gekürzt wurde und man durch die Ausbildung hetzt.
  • Kleine Gruppen: Je weniger Kursteilnehmer, desto besser kann der Lehrer auf die Bedürfnisse und Fragen der Einzelnen eingehen.
  • Ausbildung der Tauchlehrer: Nach der Taucherfahrung der Lehrer fragen. Ebenso, nach welchen Richtlinien die Schule ausbildet. Meistens orientieren sie sich nach den grossen Verbänden PADI oder CMAS.
  • Tauchplanung: Wie läuft das Vorgespräch vor einem Tauchgang ab? Ist es nur sehr kurz und geht man auf wichtige Details wie Handzeichen unter Wasser nicht ein, ist dies ein Grund zur Vorsicht.
  • Kundenbewertungen im Internet: Andere Meinungen sind zwar mit Vorsicht zu geniessen, können aber ein erster Anhaltspunkt sein. Gute Informationen findet man im Forum von Taucher.net.

09. Mai 2010 | Marc Mair-Noack, Redaktion saldo


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