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Viele Müesli-Hersteller tun so, als würden ihre Produkte zu einer schlanken Linie beitragen. Das Gegenteil trifft eher zu, wie eine K-Tipp-Stichprobe zeigt.
Die Regale der Detailhändler sind voll davon: Müesli, auf deren Verpackungen schlanke Frauen oder schmale Taillen abgebildet sind. Sie tragen Namen wie «Fitness», «Weight Watchers» und «Day Vita».
Aufgedruckt sind häufig auch allerlei Werbesprüche: «Leichter Genuss für meine Linie.» «Die leichteste Art, richtig zu essen.» «Für mehr Leichtigkeit.» Oder: «Lecker essen und dabei ganz einfach auf die Figur achten.»
Doch wer die Inhaltsangaben anschaut, kommt ins Staunen: Die Müesli sind oft weder kalorien- noch zucker- noch fettarm. Im Gegenteil: Sie enthalten pro 100 g bis zu 399 kcal, 29 g Zucker und 6 g Fett. Und sie sind nicht einmal sonderlich ballaststoffreich.
Auffallend: Die Billigprodukte von Coop und Migros wären, wäre das der Hauptzweck, zum Abnehmen deutlich besser geeignet als Schlankheitsmüesli. Das Prix-Garantie- Birchermüesli von Coop zum Beispiel schneidet durchwegs besser ab (siehe Tabelle im pdf-Artikel).
Und auch die Cornflakes (beispielsweise M-Budget von der Migros) wirken im Vergleich zu Schlankheitsmüesli schon fast wie Diätprodukte: Sie enthalten weniger Kalorien, weniger Zucker, weniger Fett, aber in etwa gleich viele Ballaststoffe.
Schlankheitsmüesli: Ein teurer Spass
Kommt hinzu, dass die Schlankheitsmüesli sehr teuer sind. Viele kosten zwischen Fr. 1.50 und 1.80 pro 100 g. Für Müesli und Cornflakes aus den Billiglinien Prix Garantie und M-Budget zahlt man gerade mal einen Sechstel davon.
Die Migros hat auch eine ganze Reihe von Kellogg’s-Produkten in den Regalen. Sie äussert sich aber nicht «zu den Werbeaussagen anderer Hersteller». Coop sagt ebenfalls nichts zu den Produkten der Markenhersteller. Ausser: «Der Fettanteil bei allen Produkten ist unproblematisch.» Ernährungsfachleute sehen das anders: Fettarme Lebensmittel, sagen sie, enthielten pro 100 Gramm höchstens 3 Gramm Fett, nicht 6 Gramm.
Die Firma Nestlé weist darauf hin, dass die Produkte aus der «Fitness»-Linie fettärmer seien als jene der Konkurrenz. Den Vergleich mit den Müesli und Cornflakes aus den Billiglinien lässt Nestlé nicht zu: «Nicht vergleichbar.»
Kellogg’s schreibt: «Wer sich ausgewogen ernährt und ausreichend bewegt, darf ruhig auch mal naschen und knabbern.» Das schliesse Müesli mit Schokoladestückchen ein. Das findet auch der K-Tipp. Nur sollte Kellogg’s nicht gleichzeitig sagen: «Das Produkt unterstützt den Verbraucher beim Figur-Management.»
Werbung an der Grenze des Erlaubten
Mit ihren Anpreisungen gehen die Müeslihersteller an die Grenze des Legalen. Laut Lebensmittel-Verordnung sind nämlich «Hinweise, die einem Lebensmittel Eigenschaften als Schlankheitsmittel zuschreiben oder den Eindruck erwecken, dass solche Eigenschaften vor- handen sind», verboten.
Übrigens: Müesli kann man auch selber herstellen. Haferflocken in Milch einweichen, anschliessend Äpfel dazuraffeln. Wers gern süss mag, weicht mit den Haferflocken noch ein paar Sultaninen ein oder schnetzelt am Schluss eine Banane dazu. Das ergibt ein Müesli, das nur halb so viele Kalorien hat wie die angeblichen Schlankheitsmüesli.
16. Mai 2010 | Marco Diener, Redaktion K-Tipp
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