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Artikel | saldo 10/2010

Giftiges PCB: Vorsicht vor allzu fetthaltigen Fischen

Tierische Lebensmittel enthalten oft zu viel giftiges PCB. Dessen chronische Aufnahme kann krank machen.

Kontrolleure finden in fetthaltigen tierischen Lebensmitteln wie Eiern, Milch, Fleisch und Fisch immer wieder grosse Mengen giftiger Dioxine oder dioxinähnlicher Polychlorierter Biphenyle (PCB). Vor kurzem schlugen deutsche Behörden Alarm, nachdem hohe Dosen dieser Gifte in Bio-Eiern aufgetaucht waren.

Kurz zuvor berichtete das Bundesamt für Umwelt (Bafu) von «deutlichen Überschreitungen» amtlicher Limiten bei Dioxinen und PCB in Fischen aus Schweizer Gewässern. So fand sich gemäss einer Bafu-Studie zwölfmal so viel PCB wie erlaubt in Fischen aus der Saane, die in der Nähe der Deponie La Pila FR gefangen worden waren. Bis zu siebenmal mehr Gift war in Fischen aus der Birs und dem Hochrhein. Übermässig belastet waren Fische aus der Glatt ab Zürich-Aubrücke sowie dem Hochrhein und fettreiche Agonen aus dem Lago Maggiore.


Gefährlich ist die ständige Aufnahme von PCB

Die Industriechemikalie PCB ist seit 1986 in der Schweiz verboten. Hunderte Tonnen PCB stecken aber laut Bafu noch in älteren Gebäuden, Elektroanlagen, Farbanstrichen und Deponien. Von hier aus gelangten sie in die Umwelt und in die Nahrungskette.

Das Bafu hält PCB-verseuchte Fische dennoch für Einzelfälle. Bei seiner Auswertung von 1300 Fischproben aus Schweizer Gewässern war «der grösste Teil der Fische nicht übermässig mit PCB belastet». Kritiker bemängeln aber, dass für viele Flüsse wie Reuss, Thur und die Aare unterhalb des Bielersees gar keine Daten vorliegen.

In einem Punkt sind sich Experten und Behörden einig: «Wer einmal oder nur wenige Male massiv PCB-belastete Nahrung zu sich nimmt, wird davon nicht akut krank», sagt Michael Arand, Toxikologieprofessor an der Uni Zürich. Erst die chronische PCB-Aufnahme kann gefährlich werden. Denn die Chemikalie reichert sich im Fettgewebe von Tier und Mensch an. Der Organismus braucht Jahre, um kleine Mengen abzubauen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft bestimmte PCB-Verbindungen als krebserregend ein. Laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR) gibt es Hinweise, dass PCB die Leber schädigen kann. In Tierversuchen führt die längere PCB-Aufnahme zu Störungen von Fortpflanzung, Immun- und Nervensystem und Hormonhaushalt.


PCB auch in der Muttermilch gefunden

Dabei haben gemäss Studien viele Menschen PCB bereits im Körper. Das zeigt auch eine Studie der Zürcher Toxikologin Margret Schlumpf. Sie untersuchte am Basler Unispital die Muttermilch von 54 stillenden Müttern. Jede Probe enthielt unterschiedlich viel PCB, aber keine war frei von dem Giftstoff. Für Schlumpf ist dies ein alarmierender Befund: «PCB kann den empfindlichen Hormonhaushalt eines Fötus für später stören.»

Der Basler Altlasten-Experte Martin Forter fordert von den Behörden, «das PCB-Problem nicht länger zu unterschätzen». Der Geograf und Buchautor wirft den Kantonen vor, die «Erfassung und Sanierung von PCB-Quellen zu verschleppen». Frühere PCB-Produktionsstätten und belastete Deponien liessen sich oft mit Hilfe historischer Dokumente ausfindig machen.


Lachs, Makrele und Aal besonders belastet

Toxikologen empfehlen den Konsumenten, aus der Nahrung so wenig wie möglich PCB  aufzunehmen. Dazu sollte man sich an folgende konkrete Regeln halten:

  • Fette Fische wie Lachs, Makrele und Aal enthalten laut BFR mehr PCB als magere Fischarten. Bei Aalen liegt der PCB-Gehalt fast immer über den Höchstwerten. Auch Dorschleber sei oft belastet. Die Eidgenössische Ernährungskommission rät Schwangeren und Stillenden, Ostsee-Hering und Ostsee-Lachs zu meiden.
  • Hände weg von Schafleber. Das BFR wertete 2009 140 solcher Proben aus. Die meisten enthielten «sehr hohe Dioxin- und PCB-Gehalte», die mehrheitlich die EU-Limiten überstiegen.  Diese gelten auch in der Schweiz.

Margret Schlumpf warnt vor den heiklen Wechselwirkungen, die PCB mit anderen hormonaktiven chemischen Stoffen auslösen könnte. Sie rät Schwangeren und Stillenden, chemiefreie Kosmetika und Sonnenschutzmittel zu benutzen.

25. Mai 2010 | Eric Breitinger, Redaktion saldo


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